Strategie
CDU buhlt um enttäuschte Steinbrück-Fans

Der neue CDU-Generalsekretär will nicht nur verlorene Stammwähler mit einem Einklang aus Tradition und Moderne zurückgewinnen. Hermann Gröhe hat es auch auf Wähler abgesehen, die der SPD den Rücken gekehrt haben.
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DÜSSELDORF. „Ich will die wertegebundene moderne Volkspartei“, sagte Gröhe der "Rheinischen Post" in seinem ersten Interview zur Übernahme des neuen Amtes am heutigen Donnerstag. Innerhalb der schwarz-gelben Regierung werde die Union „partnerschaftlich mit der FDP wetteifern, gerade auch im Bereich der Wirtschaftspolitik“. die CDU wolle aber auch "enttäuschten Steinbrück- und Clement-Fans ein interessantes Politik-Angebot machen“.

Mit Blick auf die Grünen sagte Gröhe, dass sich die Zeiten gewandelt hätten. Bald seien die Grünen in drei Landesregierungen, in zweien davon an der Seite der CDU. „Alte Gräben haben an Bedeutung verloren“, unterstrich der neue Generalsekretär. Allerdings verfolge er ein anderers Ziel: „Ich will aus grünen Wählern schwarze Wähler machen.“ Die Union habe die besten Möglichkeiten, auch über das Jahr 2013 zu regieren. „Ich glaube, dass wir die Chance haben, mit unserem Konzept ein Jahrzehnt zu prägen“, stellte Gröhe fest.

Als neuer Generalsekretär muss Gröhe eine Menge Aufgaben gleichzeitig stemmen, also auf neudeutsch „multi-tasking-fähig“ sein. Der bisherige Staatsminister im Kanzleramt wird erstens die Regierungspolitik der CDU-Vorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel gegen die - im Vergleich zu den Zeiten der großen Koalition - größer gewordene Opposition verteidigen müssen. Das ist der Klassiker in der Aufgabenbeschreibung eines CDU-Generals.

Zweitens muss er seiner Chefin in der Partei den Rücken freihalten. Und drittens wird von ihm verlangt werden, den Kurs der Modernisierung und Öffnung der CDU fortzusetzen, ohne jedoch gleichzeitig Mitglieder zu verprellen. Es geht schließlich um den Status als Volkspartei.

Von der Biografie her könnte der 48-Jährige dies alles packen. Der Jurist und vierfache Familienvater kennt die CDU in- und auswendig. Mit 16 Jahren trat er bei den Christdemokraten ein. Er ist ein überzeugter Schwarzer. Spätestens als Vorsitzender der Jungen Union von 1989 bis 1994 lernte er die Tricks und Schliche im innerparteilichen Wettbewerb kennen.

Gröhe hat sich dennoch sein Eigenständigkeit bewahrt. Er erlaubte sich seine eigene Meinung, als die Unions-Fraktion 2003 den US-Krieg gegen den Irak billigte. Er lehnte den Militärschlag ab und monierte den fehlenden Beschluss des UN-Sicherheitsrats. Mit anderen jungen CDU-Abgeordneten unternahm er schon zu Bonner Zeiten Lockerungsübungen gegenüber den Grünen - in der fast schon legendären „Pizza-Connection“.

Von großem Vorteil für Merkel könnte die engen Kirchenbindungen Gröhes sein. Er ist Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands. Er hat aber auch gute Kontakte zu den anderen Kirchen. Seine Frau ist in ihrer Heimatstadt Neuss bei den Katholiken aktiv.

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