Strauß junior zum Euro
Im Namen des Vaters

Wie hätte Franz-Josef Strauß auf die Euro-Krise reagiert? Sie wäre ihm nicht gleichgültig gewesen. Wie sein Sohn denkt, wissen wir jetzt - dank eines Facebook-Eintrages. Dort macht Max Josef Strauß seinem Ärger Luft.
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Düsseldorf/AthenLange hat er geschwiegen: Max Josef Strauß, Jurist und ältester Sohn des legendären bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß. Doch jetzt platzte ihm der Kragen. Der Anlass: Der Steuerbetrug ist einer der Hauptgründe für die dramatische Finanzlage Griechenlands. Experten haben ausgerechnet, dass das Land binnen zehn Jahren kein Finanzproblem mehr hätte, wenn der Staat alle Steuern eintreiben könnte. Doch dann der Paukenschlag. Am Mittwoch schmissen zwei Steuerfahnder ihren Job wieder hin. Zur Begründung führten sie eine politische Einmischung in ihre Arbeit an. Mehr wurde bislang nicht bekannt. Nur so viel, dass einmal mehr Land unter ist in dem krisengeschüttelten Euro-Staat und das Griechenlands Regierungschef Lukas Papademos eine sofortige Untersuchung angeordnet hat.

In Deutschland löste diese neue Episode in der griechischen Finanztragödie bei einem prominenten Kritiker großen Unmut aus. Max Josef Strauß machte auf seiner Facebook-Seite seinem Ärger Luft. „Jetzt kommt das, was zu erwarten stand: In Griechenland ändert sich nichts, und die EU legt unter kräftiger Beteiligung Deutschlands Hunderte von Milliarden Euro für das Desaster hin“, schreibt Strauß und fügt mit Blick auf die bisherige Rettungsarbeit der europäischen Staats- und Regierungschefs hinzu: „Wenn Merkel, Sarkozy und Barroso die DDR zu reformieren gehabt hätten, wäre wahrscheinlich die Stasi mit der Durchführung beauftragt worden.“

Strauß ärgert, dass die die Rettungspolitik schlicht nicht fruchtet – und quasi der Bock zum Gärtner gemacht wird, da, wie er nüchtern feststellt, „dieselben, die den Karren restlos in den Dreck gefahren haben, nun Recht und Ordnung wiederherstellen“ sollen. Auch das Griechenland ein Schuldenschnitt signalisiert wurde, hält der Strauß-Sohn für falsch. Eine solche Maßnahme habe „den unangenehmen Beigeschmack, dass das Geld weg ist (bzw. dass die griechischen Steuerbetrüger es haben und nicht die europäischen Steuerzahler)“, kritisiert er.

Strauß hält daher härtere Maßnahmen für unabdingbar. „Die EU müsste Personal ins griechische Finanzministerium setzen, das dort mal durchgreift“, schlägt er vor. Denn: „Die Griechen werden das nie von sich aus tun. Kein Funktionär räumt freiwillig seinen Platz und gibt Privilegien auf“, betont er.

Strauß löste mit seinen Einlassungen bei Facebook eine rege Diskussion aus. Viele Schreiber geben ihm recht. Und einer erinnert sich an eine Begebenheit aus der Geschichte, wo schon mal, aber erfolgreich, ein Staat gerettet wurde - unter Mithilfe von Franz-Josef Strauß. Dieser fädelte 1983 einen Milliardenkredit für die verhasste DDR ein. Den SED-Staat rettete die Finanzspritze vor der Pleite. Für Strauß-Sohn Max Josef eine Steilvorlage, die er gerne annimmt. Den Milliardenkredit von zwei Milliarden D-Mark nennt er "eine der größten politischen Leistungen meines Vaters", zumal, wie er schreibt, der wirtschaftliche Zusammenbruch der DDR zu erwarten war - mit "grausamen Folgen für die Bevölkerung, die bis an die Grenze einer Hungersnot gehen hätten können".

Erich Honecker habe sich damals finanziell völlig verausgabt. "Damals bestand die Gefahr, dass die Sowjettruppen einen Aufstand wie 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der CSSR zusammengeschossen hätten", ist sich Strauß sicher. Umso wichtiger sei die Kredithilfe gewesen. So sei genau die Zeit überbrückt worden, die gebraucht wurde, damit die DDR in einer "wundervollen friedlichen Revolution ohne einen Schuss" habe zusammenbrechen können. "Dafür sind 2 Milliarden DM geradezu geschenkt, die, nebenbei bemerkt, mit der Wiedervereinigung deutsche Staatsschuld wurden, so dass die Bundesrepublik dabei letztendlich an sich selbst gezahlt hat." Klar, was Strauß damit auch sagen will: Der Hilfs-Einsatz für die einstige DDR hat sich gelohnt, der für Athen könnte Schiffbruch erleiden.

Kommentare zu " Strauß junior zum Euro: Im Namen des Vaters"

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  • @ratzfatz

    Jetzt kommt's: Der FJS war ein ILLLUMINAT!

    Es gibt da ein lustiges Interview mit seinem früheren Fahrer in dem ersten oder zweiten Heft der "Titanic", das einige Dinge, die man sonst nicht verstehen kann, erklären ...

    Ja, ja, ich weiß, die Titanic. Ein Witzblatt. Schon okay ... Wo versteckt der Weise ein Blatt? Eben: im Wald.

    Ein wirklich interessanter Artikel ...

  • Klar, wenn er vorher die Festplatte rausrückt ...

  • Zitat: "Auch das Griechenland ein Schuldenschnitt signalisiert wurde, hält der Strauß-Sohn für falsch. "

    Nun hat auch die HB-Redaktion ihre Rechtschreibdeppen, die als Analphabeten die Schreibstube füllen dürfen.
    Es ist zu traurig.
    Es gibt inklusive WELT und FAZ kein seriöses Blatt mehr, welches ohne tägliche Sprachpanscher auskommt.
    PISA ohne Grenzen.

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