Strauss-Kahn-Nachfolge
Unionsfraktionsvize trommelt für Josef Ackermann als IWF-Chef

Merkel gerät in der IWF-Debatte zunehmend unter Druck. Nachdem sie offen Sympathie für Lagarde als neue Fonds-Chefin geäußert hat, gehen Unions-Politiker auf die Barrikaden und fordern einen eigenen Personalvorschlag.
  • 18

DüsseldorfIn den Koalitionsfraktionen gibt es deutlichen Unmut über den mangelnden Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für einen deutschen Kandidaten für den IWF-Chefposten. "Die Bundesregierung sollte auch über einen Deutschen an der IWF-Spitze nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs Handelsblatt Online. "Es könnte auch jemand aus dem deutschsprachigen Raum sein: Herr Ackermann wäre eine exzellente Wahl", betonte der CDU-Politiker. "Wenn jemand ökonomischen Sachverstand und internationale Erfahrung hat, dann gerade auch der Deutsche-Bank-Chef."

Der CDU/CSU-Obmann im Bundestagsfinanzausschuss und Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, verlangte ebenfalls von der Kanzlerin, sich für einen eigenen IWF-Kandidaten stark zu machen. "Deutschland sollte als eine der leistungsfähigsten Volkswirtschaften weltweit nicht die Chance aus der Hand geben, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken", sagte Michelbach Handelsblatt Online. "Es gibt dafür in unserem Land genügend Personen, die für das IWF-Amt außerordentlich qualifiziert sind."

"Ich kann mir auch deutsche Kandidaten vorstellen", sagte auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in Berlin. Namen wollte er nicht nennen: "Mir fallen viele ein, aber ich nenne keinen." Der Auswahlprozess für die Nachfolge von Dominique Strauss-Kahn müsse sorgfältig geführt werden. Als aussichtsreichste Anwärterin auf den IWF-Chefsessel gilt derzeit die Französin Lagarde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende erneut durchblicken lassen, dass sie Lagarde für grundsätzlich geeignet hält.

Dazu sagte Brüderle, Lagarde sei "ohne Frage eine starke Kandidatin". Es sei richtig, dass Europa den Posten erneut für sich reklamiere, weil der IWF tief in die Euro-Rettung eingebunden sei. Auch die meisten IWF-Kredite würden nach Europa vergeben. "Insofern ist die Besetzung der IWF-Spitze schon von einer besonderen Bedeutung."

Die Grünen kritisierten Brüderles Vorstoß scharf. Die Koalition schaffe es nicht einmal in internationalen Personalfragen an einem Strang zu ziehen. „Wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Brüderle der Bundeskanzlerin in die Parade fährt und über eine deutsche Kandidatur sinniert, während Kanzlerin und Finanzminister längst die französische Kandidatin Lagarde unterstützen, mindert das die Chancen, die Position mit einer Europäerin oder einem Europäer besetzen zu können, was offenbar Ziel der Bundesregierung ist“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, zu Handelsblatt Online.

Das CDU-Bundesvorstandsmitglied Fuchs zeigte wenig Sympathie für Lagarde. "Mit Frau Lagarde habe ich aus ordnungspolitischen Gründen ein Problem", sagte Fuchs. "Den Vorwurf, den sie mal geäußert hat, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und der deutsche Exportüberschuss die Euro-Zone oder andere europäische Volkswirtschaften in Schwierigkeiten bringen würden, halte ich für absurd." Deutschland gefährde nicht andere Staaten der Euro-Zone, sondern sorge für den stabilen Außenwert des Euro und das Vertrauen der Kapitalmärkte in die gemeinsame Währung und niedrige Zinsen. "Davon profitieren auch hoch verschuldete Euro-Länder."

Seite 1:

Unionsfraktionsvize trommelt für Josef Ackermann als IWF-Chef

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Strauss-Kahn-Nachfolge: Unionsfraktionsvize trommelt für Josef Ackermann als IWF-Chef"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Für Andre: und Chr. Lagarde wird 100% für Frankreich stehen. Die deutschen Verbrauher sollen mehr verbrauchen wird sie allen anraten, sowie der dt.Wirtschaft - nicht so viel exportieren!

  • Ackermann? Das kann ja nur Satire sein. Sollte Lagarde kommen, würden alle Dämme brechen und Deutschland bekäme die Ar...karte. Nicht nachvollziehbar, dass Schäuble und die Zonenwachtel diese Option befürworten. Ich bin für Mexicos Agustin. Diese Institution heisst schliesslich INTERNATIONALER Währungsfond und nicht Europäischer WF. Agustin ist weitaus besser qualifiziert als jeder europäische Schuldenbefürworter und jetzt sollte endlich auch mal ein "Schwellenland" zum Zug kommen.

  • Wie lange sollen wir noch die Unendliche Geschichte anschauen? Es ist doch sowieso alles geplant, Straus-Khan macht ein Päuschen, während nun alles von Griechenland unterm Tisch verramscht wird, die Großen bekommen die Filetstücke für nichts und sobald die Drachme wieder da ist, ist alles wieder beim alten! Nur ein Unterschied, das Vermögen ist nicht weg, es hat nur ein anderer!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%