
Berlin/FrankfurtFür viele Jahrzehnte galt in Deutschland ein wichtiges Prinzip. Es lautete: „Ein Betrieb, ein Tarifvertrag“, in der Fachwelt „Grundsatz der Tarifeinheit“ genannt. Doch dieses Prinzip greift nicht mehr richtig. Dass 200 von 20.000 Mitarbeitern des Frankfurter Flughafens durch einen Streik den gesamten Betrieb lahmlegen können, hat genau damit zu tun. Wo einstmals alle ein bis zwei Jahre ein neuer Tarifvertrag für alle am Flugbetrieb beteiligten Arbeitnehmer verhandelt wurde, streiten und streiken jetzt immer einzelne Berufsgruppen auf eigene Faust. Manche von ihnen, die in speziellen Schlüsselfunktionen tätig sind, gewinnen damit extreme Macht.
Wie etwa die Vorfeldlotsen oder Disponenten: Sie sorgen dafür, dass die Flugzeuge rechtzeitig zur Piste gelangen und in die richtigen Parkpositionen gewiesen werden. Ohne sie geht kaum etwas auf dem Vorfeld (wichtige Servicehinweise finden Reisende hier). Schon seit Monaten kämpft der Flughafenbetreiber Fraport mit ihrer Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) um einen neuen Tarifvertrag. Sogar ein Schlichter war schon aktiv. Doch was der als Friedensplan auf den Tisch legte, ging der Fraport-Spitze in einigen Punkten viel zu weit: Einig sei man sich zwar bei den Vorfeldlotsen, die pro Jahr im Schnitt gut 40.000 Euro verdienen, heißt es. Doch die Gehaltsvorstellungen für Disponenten und Vorfeldkontrolleure sind dem Flughafenbetreiber Fraport zu hoch. In einigen Fällen gehe es faktisch um Steigerungen von bis zu 70 Prozent.
Dieser Streit führt nun zum Streik - und ein womöglich mehrtägiges Verkehrschaos: Die GdF will nach einem siebenstündigen Streik am Donnerstag auch am Freitag von 08.00 bis 22.00 Uhr die Arbeit niederlegen, wie ein GdF-Sprecher am Donnerstag sagte.
Betroffen sind vor allem Lufthansa -Reisende. Die Airline streiche an ihrem Heimatflughafen am Donnerstag 93 Flüge - fast ein Drittel der täglich rund 300 Verbindungen von und nach Frankfurt. Betroffen sei ausschließlich der Deutschland- und Europaverkehr, auf der Langstrecke gebe es keine Ausfälle. Lufthansa-Rivale Air Berlin wird von dem Streik wesentlich weniger in Mitleidenschaft gezogen. Für den Nachmittag und Abend seien eigentlich neun Flüge vorgesehen, von denen acht auch stattfinden dürften, sagte ein Air-Berlin-Sprecher.
Der wichtigste Ansprechpartner für die Passagiere ist die Fluggesellschaft. Da schwer abzuschätzen ist, welche Flüge genau von einem Ausstand der Vorfeldmitarbeiter betroffen sein werden, sollte man sich vorab bei der Gesellschaft nach Ausfällen erkundigen. Das ist etwa auf den Internetseiten der Airlines und Reiseveranstalter möglich.
Grundsätzlich können Flüge, die ausfallen, vom Passagier storniert werden. In den Fällen gibt es Geld zurück. Oder aber man versucht, einen Platz für einen anderen Flug zu bekommen. Ein Anrecht auf den nächsten Flug gibt es allerdings nicht. Eine gewisse Wartezeit sollte also eingeplant werden.
Ein Streik ist kein Grund, von der Fluggesellschaft eine Entschädigung einzufordern. Allerdings sind die Airlines verpflichtet, sich ab einer gewissen Verspätung um die Versorgung der Passagiere zu kümmern. Damit sind Mahlzeiten, Getränke, Telefonate und falls notwendig auch ein Nachtquartier gemeint.
Allerdings sollte man auf das Kleingedruckte solcher Regeln achten. Diese Form der Betreuung ist bei Flügen bis zu 1 500 Kilometern erst ab einer Verspätung von zwei Stunden vorgeschrieben. Ist ein Flug von bis zu 3 500 Kilometern betroffen, darf die Wartezeit drei Stunden betragen, bevor die Airlines einen solchen Sonderservice bieten müssen. Bei noch längeren Strecken sind es sogar bis zu vier Stunden.
Mit ihrem aggressiven Vorgehen belebt die Fluglotsengewerkschaft nun aber auch ein lange umstrittenes politisches Projekt neu: die Pläne der Bundesregierung, das Prinzip der Tarifeinheit durch eine gesetzliche Regelung wieder zu stärken.
„Es kann nicht der Zweck von Tarifautonomie sein, jeglicher Durchsetzung von Partikularinteressen in den Betrieben freien Lauf zu lassen“, sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs dem Handelsblatt. Erst recht sei es „nicht akzeptabel, dass eine Gruppe von wenigen Hundert Beschäftigten alle Fluggäste und Fluggesellschaften in Frankfurt für solche Zwecke in Geiselhaft nimmt“. Die aktuelle Streikankündigung zeige daher „einmal mehr, dass eine gesetzliche Festschreibung der sogenannten Tarifeinheit notwendig bleibt“, betonte Fuchs.
Auch dem Chef der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Peter Weiß, missfällt der Kurs der Gewerkschaft GdF. Das Streikrecht sei zwar „von zentraler Bedeutung für die Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen“, sagte Weiß. „Das Beispiel zeigt jedoch, dass bestimmte Regeln zur Einhaltung der Tarifeinheit im Unternehmen notwendig sind und im Interesse sowohl von Arbeitgebern wie auch Gewerkschaften liegen.“
Ich denke die meisten in diesem Land haben kein Problem mit Streikrecht und Tarifautonomie. Aber der Versuch einer kleinen Gruppe völlig absurde Forderungen auf Basis dieser Rechte durchzusetzen wird keiner verstehen. Die Tausenden die am Flughafen festsitzen nicht und auch die Millionen anderer Arbeitnehmer nicht, die so dumm sind/waren sich nicht für den Beruf des "Vorfeldfuzzies" zu entscheiden. Dieses Verhalten ist ja auch kein neues Phänomen. Sobald sich die Möglichkeit bietet seine Interessen und sein Recht durchzusetzen treten Moral (soweit (noch) vorhanden)und Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen in den Hintegrund.
Was ist Ihnen wichtiger: a)7 Menschen bekommen 5% mehr Lohn und einer bleibt arbeitslos oder b) der Lohn steigt um 2,5% und der Achte bekommt auch einen Arbeitsplatz? (In Deutschland sind in den letzten Jahren mehrere Millionen zusätzliche Arbeitsplätze entstanden.)
ihr
Das könnten auch Gregar Gysi und Sarah Wagenknecht gesagt haben. Bitte erst mit den Grundbegriffren der Ökonomie vertraut machen.
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