Streik im öffentlichen Dienst
Angst vor Ratten, Bränden und Krankheiten

Der Arbeitskampf im öffentlichen Dienst überzieht immer mehr Gebiete Deutschlands: In acht Bundesländern legten rund 22 000 Beschäftigte von Kommunen und Ländern die Arbeit nieder. Dort, wo der Streik begann, quillt bereits der Müll aus den Tonnen. Der Chef der Abfallwirtschaft Stuttgart spricht von „schlimmen Zuständen“.

HB DÜSSELDORF. Der ehemalige Schlichter bei Tarifauseinandersetzungen, Hinrich Lehmann-Grube, zeigte sich beunruhigt über die aktuellen Streiks im öffentlichen Dienst: „Ich muss sagen, ich sehe die jetzige Tarifauseinandersetzung doch mit großer Beunruhigung, weil nach meinem Eindruck für beide Seiten sehr viel Prinzipielles auf dem Spiel steht“, sagte der ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig im ZDF.

Vordergründig gehe es um Arbeitszeit, es leuchte auch jedem ein, dass die öffentlichen Kassen leer seien, sagte der Schlichter in den Tarifkonflikten 2000 und 2003. Aber bei der Frage, wie man langfristig zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung kommen könne, sehe er noch Diskussionsbedarf. Wenn man Kompromisse finden wolle, „dann wäre es wichtig, dass sich beide Seiten einmal über die langfristigen Ziele klar werden.“

Nach Gewerkschaftsangaben legten heute Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Saarland die Arbeit nieder. Es ist der größte Arbeitskampf im öffentlichen Dienst seit 14 Jahren.

Die Gewerkschaften wollen im Westen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden verhindern. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder soll mit dem Streik gezwungen werden, den neuen bislang nur mit Bund und Kommunen abgeschlossenen Tarifvertrag zu übernehmen. Im Osten gilt dagegen bereits die 40- Stunden-Woche. Die Gewerkschaft fordert hier Lohnerhöhungen und eine Übernahme des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst auch für die rund 90 000 Landesbediensteten.

„Jetzt ist Schluss mit lustig“, verkündete Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke vor 400 Streikenden der Düsseldorfer Uniklinik: „Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.“

Verdi rechnet mit rund 40 000 Teilnehmern in dieser Woche. In erster Linie werde der Streik neben den Unikliniken, Kindertagesstätten und die Müllabfuhren treffen, sagte das Verdi-Vorstandsmitglied Kurt Martin. Insgesamt soll in dieser Woche in zehn Ländern gestreikt werden - dann auch in Schleswig- Holstein und Bremen.

Seite 1:

Angst vor Ratten, Bränden und Krankheiten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%