Streik im öffentlichen Dienst
Verdi und Bundesländer nähern sich an

Die wochenlangen Streiks im öffentlichen Dienst könnten schon bald enden. Es zeichnet sich eine Lösung bei der umstrittenen Arbeitszeit-Verlängerung ab. Die dürfte den jüngeren Beschäftigten aber gar nicht schmecken.

HB FRANKFURT. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, und der Verhandlungsführer der Bundesländer, Hartmut Möllring, deuteten am Wochenende in Interviews ein Kompromiss-Modellan. Demnach könnten die Arbeitszeiten nach dem Alter der Beschäftigten gestaffelt werden, so dass Jüngere länger und Ältere kürzer arbeiten würden. Die Arbeitgeber fordern bisher eine Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden für alle Beschäftigten.

Bsirske sagte, an den Uni-Kliniken in Baden-Württemberg hänge die Arbeitszeit bereits heute vom Alter der Beschäftigten ab. „Die Arbeitgeber sollten über einen solchen Kompromiss sorgfältig nachdenken“, sagte Bsirske. Der Länder-Verhandlungsführer und niedersächsische Finanzminister Möllring zeigte seinerseits Gesprächsbereitschaft über unterschiedliche Arbeitszeiten je nach Alter der Beschäftigten. Darüber könne man am Verhandlungstisch reden, sagte Möllring.

Das nächste Spitzengespräch zwischen Verdi und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist bislang für den 10. März angesetzt. Bereits am Freitag hatte sich Möllring optimistisch über den Verlauf dieses nächsten Termins gezeigt und erklärt, er erwarte eine Entscheidung. Zuletzt war am 20. Februar ein Treffen ergebnislos vertagt worden.

Die Tarifparteien gaben sich gegenseitig die Verantwortung für die bereits seit mehreren Wochen andauernden Streiks in zahlreichen Bundesländern. „Die Dauer des Streiks hängt allein von den Arbeitgebern ab“, sagte Bsirske. Verdi halte die Streiks bis zu einer Einigung durch. Deshalb sollten die Arbeitgeber aufhören, „auf Zeit zu spielen“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Er setze darauf, „dass bei den Verhandlungen die Stimme der Vernunft über die Arroganz der Macht obsiegt“. Möllring dagegen sagte, wie lange gestreikt werde, entschieden die Gewerkschaften. „Die Kassen der Länder sind zu leer, um Angebote zu machen“, wurde der CDU-Politiker zitiert.

Der Streit zwischen Verdi und den Ländern schwelt bereits seit Jahren. Die Gewerkschaft wehrt sich gegen Arbeitszeitverlängerungen sowie Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld; die Arbeitgeber weigerten sich deshalb bislang, den neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst zu unterschreiben, den Verdi mit Bund und Kommunen ausgehandelt hat.

Bei dem derzeitigen Streik geht es darüber hinaus um Arbeitszeitverlängerungen, die einige kommunale Arbeitgeberverbände verlangen, darunter Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hamburg. Im Südwesten, wo der Arbeitskampf bereits in die vierte Woche geht, wollen die Tarifparteien am Montag wieder in Verhandlungen eintreten. Die Streiks sollen dennoch in mehreren Bundesländern fortgesetzt werden.

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