Streik im öffentlichen Dienst
Zwei Drittel der Republik werden bestreikt

Der Streik im öffentlichen Dienst springt auf immer mehr Bundesländer über. Nun sind schon neun betroffen. Eine Lösung ist in weiter Ferne. So quellen die Mülltonnen über und auch die Patienten in den Krankenhäusern bekommen nun erstmals den Arbeitskampf zu spüren.

HB BERLIN. In mehreren Bundesländern legten nach Gewerkschaftsangaben mit Beginn der Frühschicht Beschäftigte die Arbeit nieder. In Sachsen bestreikten die Mitarbeiter von sieben Straßenmeistereien, die zum Straßenbauamt Zwickau gehören, ihre Arbeitsstellen. Lediglich eine Notbesetzung sorgte an den einzelnen Standorten für eine Grundversorgung. Die rund 150 Mitarbeiter des Zwickauer Straßenbauamtes sind für 1500 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen zuständig.

In Bayern traten Beschäftigte der Universitätskliniken in Würzburg und Erlangen sowie zahlreicher Autobahn- und Straßenmeistereien in den Ausstand.

In Baden-Württemberg rollte die zweite Streikwelle an. Erstmals traten die Beschäftigten der Kommunen und des Landes gemeinsam gegen längere Arbeitszeiten in den Ausstand. Den Anfang machte die Autobahnmeisterei in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis. Mitarbeiter von Universitäten, darunter der beiden Stuttgarter Hochschulen, sollten folgen. Nach wie vor streikte auch die Müllabfuhr in den großen Städten. In Stuttgart ist eine gemeinsame Kundgebung geplant.

Betroffen von den Arbeitskampfmaßnahmen sind nach Gewerkschaftsangaben Müllabfuhr, Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Sozialeinrichtungen, Straßendienste und zahlreiche Landeseinrichtungen. Gestreikt werde in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und dem Saarland.

Begonnen hatte der Streik am 6. Februar in Baden-Württemberg. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wehrt sich damit gegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden. Allerdings gilt die 40-Stunden-Woche bereits in den östlichen Bundesländern. Mit der Ausweitung des Streiks auf die Länder soll die Tarifgemeinschaft deutscher Länder gezwungen werden, den neuen bislang nur mit Bund und Kommunen abgeschlossenen Tarifvertrag zu übernehmen. Der neue Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst führt anstelle der Bezahlung nach Alter und Familienstand Leistungselemente ein und schafft die Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten ab.

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