Streikdrohung verärgert Arbeitgeber
Südwestmetall attackiert IG-Metall-Chef Huber

Kurz vor der entscheidenden Verhandlung im Metall-Tarifkonflikt hat der Arbeitgeberverband Südwestmetall die IG Metall scharf attackiert und zugleich enge Grenzen für einen Tarifabschluss gesteckt. Der verhandlungsführende Arbeitgeberverband Südwestmetall schloss ein Tarifergebnis, das über dem des vergangenen Jahres liegt, strikt aus und zeigte er sich über die Streikdrohung verärgert.

BERLIN. Unmittelbar vor den entscheidenden Gesprächen im Metall-Tarifstreit heute in Sindelfingen hat sich das Klima zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft unerwartet stark abgekühlt.

"Ich werde nur einen vernünftigen Tarifabschluss unterschreiben - und das heißt angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung: Der Abschluss muss deutlich unter dem Niveau von 2007 bleiben", sagte Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell dem Handelsblatt. Notfalls würden die Arbeitgeber sich dafür "auch einem Arbeitskampf stellen", sagte er. Die Verantwortung für ein mögliches Scheitern wies Roell dabei speziell IG-Metall-Chef Berthold Huber zu.

Im vergangenen Jahr hatten die bundesweit 3,6 Millionen Metall-Beschäftigten Lohnerhöhungen in Stufen von 4,1 und 1,7 Prozent plus Einmalzahlungen erhalten. Diesmal hatte sich die IG Metall bereits im Frühsommer festgelegt, dass der aktuelle Tarifabschluss höher ausfallen müsse. Dies dokumentierte sie auch dadurch, dass sie ihre Lohnforderung von 6,5 auf acht Prozent schraubte. Kurz darauf kam es im Zuge der Finanzmarktkrise jedoch zu einer drastischen Verschlechterung der weltweiten Konjunkturaussichten.

Noch am Wochenende hatten die Tarifparteien den Eindruck vermittelt, sie seien auf gutem Weg zu einer Lösung in der heutigen Runde. Parallel hat die IG Metall den Druck durch ihre Ankündigung erhöht, schon morgen in einer Vorstandssitzung den Arbeitskampf zu beschließen, falls bis dahin kein Ergebnis vorliegt. Dies verstärke jedoch "auch bei unseren Mitgliedern aus den Unternehmen eine Emotionalisierung", warnte der Südwestmetall-Chef. Nach den Plänen der IG Metall würde am Donnerstag die Urabstimmung und am kommenden Montag der Streik starten.

Besonders dem IG-Metall-Chef Huber warf Roell vor, die Tarifrunde "immer wieder durch übereilte Vorfestlegungen völlig unnötig belastet" zu haben - zuletzt durch ebenjene Streikdrohung, die im Zweifel rein zeitlich schon keine Chance lasse, sorgfältig über alternative Lösungspakete zu verhandeln. "Das ist für mich völlig unverständlich", sagte Roell an Hubers Adresse. "Es nährt den Verdacht, dass Herr Huber die IG Metall völlig unabhängig vom Verlauf der Verhandlungen in einen Streik führen will." Ebenso sei er dafür verantwortlich, dass sich die IG Metall schon im Frühsommer auf eine höhere Forderung als 2007 fixiert und einen von Arbeitgeberseite vorgeschlagenen "Metallgipfel" ohne Dialog abgelehnt habe.

Nach wie vor betreibe der IG-Metall-Chef "Stimmungsmache mit unzulässigen Vergleichen", kritisierte Roell. Huber schüre Erwartungen mit dem Hinweis auf allgemeine Reallohnverluste, während die Metall-Tarife binnen zehn Jahren um mehr als 13 Prozent gestiegen seien. "Da ist schon die Frage erlaubt, wo hier die Erneuerung, die Reformbereitschaft und die Modernität der IG Metall bleiben", sagte Roell.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%