Streiks schränken Zeitungsdruck ein
Harte Fronten im Druck-Tarifkonflikt

Zwei Wochen nach der Tarifeinigung für die Metall- und Elektroindustrie spitzt sich der nächste Lohnkonflikt zu. Vor den heutigen Verhandlungen für die rund 180 000 Beschäftigten der Druckindustrie hat die Gewerkschaft Verdi ihre Streiks deutlich verstärkt. Zahlreiche Zeitungen waren betroffen, darunter das Handelsblatt.

BERLIN. Eine schnelle Lösung des Konflikts war am Montag nicht absehbar. Vielmehr zeichnete sich eine weitere Verschärfung ab, da sich die Tarifparteien offenbar nicht auf eine Basis für die Suche nach konkreten Kompromissen verständigen können. Verdi verlangt von den Arbeitgebern zunächst eine Nachbesserung ihres seit März vorliegenden Tarifangebots, diese lehnen eine solche „Vorleistung“ aber ab. „Die Orientierungsmarken sind abgesteckt“, sagte Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Druck und Medien (BVDM) dem Handelsblatt.

Verdi ist analog zur IG Metall mit einer Lohnforderung von 6,5 Prozent für die Druck-Beschäftigten angetreten. Das Angebot der Arbeitgeber addiert sich nach Rechnung des BVDM zwar auf fünf Prozent – doch bezieht es sich auf 24 statt zwölf Monate Laufzeit. Im einzelnen sieht es Lohnerhöhungen von 1,8 Prozent in diesem und zwei Prozent im nächsten Jahr vor. Zudem sollen die Drucker zwei Einmalzahlungen von 180 Euro erhalten, die aber im Betrieb gekürzt oder gestrichen werden können.

„Auf dieser Grundlage können wir einfach nicht verhandeln“, konterte Verdi-Bundestarifsekretär Andreas Fröhlich. Nach jahrelangen Einbußen gebe es bei den Beschäftigten eine „deutliche Erwartungshaltung“, betonte er und schloss eine weitere Verschärfung der Streiks nicht aus, falls die heutige Verhandlungsrunde keinen Fortschritt bringen sollte. Der Erwartungsdruck bei Verdi erklärt sich auch durch eine verbreitete Enttäuschung über den letzten Tarifabschluss von 2005. Dieser brachte den Beschäftigten nominal zwar ein Lohnplus von einem Prozent. Da aber zugleich Nacht- und Überstundenzuschläge gekürzt wurden, blieb unterm Strich in der Regel ein Minus. Verdi verhinderte damit die von den Arbeitgebern damals geforderte Abkehr von der 35-Stunden-Woche.

Mayer wertete es demgegenüber zwar als „psychologisch nachvollziehbar“, dass die Beschäftigten angesichts einer guten gesamtwirtschaftlichen Lage nun hohe Erwartungen hätten. Daraus Parallelen zur boomenden Exportwirtschaft abzuleiten, sei aber „völlig unangebracht“, wie auch neue Branchendaten zeigten: Während der Umsatz der Metallindustrie im ersten Quartal 2007 das Niveau des Vorjahreszeitraums um gut zehn Prozent übertroffen habe, lägen die Zuwächse in der Druckindustrie bei gerade einmal 0,4 Prozent.

Ebenso wenig lässt der BVDM gelten, dass die Produktivitätszuwächse der Druckindustrie starke Tariferhöhungen rechtfertigten. Der rechnerische Produktivitätsschub – Verdi spricht von zehn Prozent in zwei Jahren aus – gehe vor allem auf Stellenabbau zurück: Die Branche hat seit Beginn des Jahrzehnts 50 000 Arbeitsplätze abgebaut. Die so genannte Entlassungsproduktivität dürfe aber gerade nicht in Tariferhöhungen umgemünzt werden, warnt Mayer.

Er verweist stattdessen auf die Papier verarbeitende Industrie. In dieser Nachbarbranche gilt noch ein Tarifvertrag von 2006, der für dieses Jahr ein Lohnplus von zwei Prozent vorsieht. Ansonsten wollen sich aber weder Verdi noch BVDM diese Branche zum Vorbild nehmen: Der damalige Tarifabschluss kam erst nach langer Verzögerung zu Stande. Vorausgegangen war ein heftiger Krach, in dem sich beide Tarifparteien zeitweilig völlig vom Flächentarif verabschiedet hatten.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%