Streit bei den Linken

„Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert“

Die Linke streitet über die Zukunft des Euro: Nach Lafontaine stellt auch Wagenknecht die Gemeinschaftswährung infrage. Parteichef Riexinger sieht das anders – und Ökonom Horn beklagt einen „Sozialnationalismus“.
Update: 21.08.2015 - 17:00 Uhr 7 Kommentare
sarah Wagenknecht und ihr Ehemann Oskar Lafontaine wollen den Euro abschaffen. Parteichef Bernd Riexinger ist über solche Vorstöße gar nicht begeistert. Quelle: dpa
Streit bei den Linken

sarah Wagenknecht und ihr Ehemann Oskar Lafontaine wollen den Euro abschaffen. Parteichef Bernd Riexinger ist über solche Vorstöße gar nicht begeistert.

(Foto: dpa)

BerlinInnerhalb der Linkspartei ist ein Streit um die Zukunft des Euro entbrannt. Die designierte Fraktionschefin Sahra Wagenknecht stellte den Euro als europäische Gemeinschaftswährung generell infrage. „Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert, sondern immer größere wirtschaftliche Ungleichgewichte erzeugt“, sagte Wagenknecht der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Damit erntete sie sofort Widerspruch von Parteichef Bernd Riexinger. Er betonte, dass die Linke den Euro behalten wolle.

Wagenknecht begründete ihre Ansicht mit der Gesamtentwicklung in der Euro-Zone, was sich „am dramatischsten“ in Griechenland zeige. „Die Währungsunion verengt die Spielräume der einzelnen Regierungen bis zur Handlungsunfähigkeit, das ist eine europaweite Abschaffung der Demokratie durch die Hintertür.“ Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende ist Wortführerin des linken Parteiflügels. Im Oktober soll sie gemeinsam mit Dietmar Bartsch den scheidenden Fraktionschef Gregor Gysi beerben.

Unterstützung bekam Wagenknecht vom ehemaligen Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine, der auch ihr Ehemann ist. Lafontaine machte sich in der Tageszeitung „Junge Welt“ für eine schrittweise Abkehr vom Euro stark. „Ich plädiere für die Rückkehr zu einem Europäischen Währungssystem (EWS), das die Erfahrungen, die mit diesem Währungssystem gemacht wurden, berücksichtigt und seine Konstruktion im Interesse aller teilnehmenden Länder verbessert.“

Parteichef Riexinger hingegen warnt in der „Frankfurter Rundschau“: „Wenn nicht gegengesteuert wird in Form eines stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Ausgleichs, höhlt das den Euro aus.“ Er fuhr aber fort: „Deshalb ziehen wir in der Linken aber nicht die Schlussfolgerung: Raus aus dem Euro! Sondern wir sagen: Wir brauchen eine andere Politik in Europa, die bei uns die Exportüberschüsse abbaut.“

Angesichts der Debatte ist Ökonom Gustav Horn empört. Der Leiter des arbeitnehmernahen Instituts IMK schrieb via Twitter: „Für mich ist das: Sozialnationalismus.“

Die AfD nutzt die Vorlage aus der unerwarteten Ecke. „Ich freue mich gänzlich ohne Häme, dass führende Politiker der Partei „Die Linke“ nun ebenfalls aussprechen, was große Teile des Volkes längst wissen: Der Euro ist gescheitert und muss abgewickelt werden. Je eher, desto besser für Europa“, sagte Parteichefin Petry laut Mitteilung.

  • dpa
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7 Kommentare zu "Streit bei den Linken: „Es zeigt sich einfach, dass der Euro nicht funktioniert“"

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  • Die Rechten sind braun angestrichene Rote und umgekehrt. Das erklärt doch alles.

  • Jetzt müssen Frau Wagenknecht nocht ein paar vernünftige Gedanken zu der Asyl / Einwanderungskonzeptlosigkeit der Regierenden in der EZ, in Bund und Land einfallen und dann weiß man gar nicht mehr, ob man Die Linke oder die AfD wählen soll. Wer hätte das gedacht? Ganz neue Koalitionsmöglichkeiten tun sich da auf. Beim Thema Russland verstehen sie sich ja auch schon ganz gut.
    Man mag zu Lafontaine stehen wie man will, aber dumm scheint der Mann ja nicht zu sein. Bei der Wiedervereinigung hat er das Desaster vorausgesagt, beim Euro ebenso. Den korrupten Finanzleuten wollte er wohl auch schon an den Kragen, aber dann hat man sich lieber auf den Rat von Herrn Ackemann eingelassen. Dessen Bank steht auch ganz schon gefleddert da. Teure Fehler, aber Deutschland hat's ja.
    Mit Intelligenz erkennt man eben die Macht des Faktischen, im Gegensatz zu den Illusionisten Merkel und Schäuble, von Gabriel und Nahles braucht man eigentlich nicht mehr zu sprechen, die werfen ja immer sofort das Handtuch. Dem Spiel Tsipras / Juncker sind sie jedenfalls voll auf den Leim gegangen.
    Die reichen Griechen müssen uns doch für vollkommen bekloppt halten. Wir schicken denen die Milliarden und die legen die gleich in London, Paris und Berlin in Immobilien an, Steueroptimiert dank Juncker. Wenn wir nicht sofort zahlen, schicken Sie wieder mal ein Bild von einem armen (beklagenswerten) Rentner, der vor dem Automaten zusammensackt. Es ist zum Abwinken oder anders Wählen.

  • Wirtschaftspolitisch rühren alle Parteien im gleichen Brei herum, incl. die AfD + FDP !

    Diese Wirtschaftsform, die nur auf den kranken Wachstum und Verschuldung ausgelegt ist, kann man derzeit "bewundern" ! Diese kranke Lobby-Politik lässt uns mit rasender Geschwindigkeit auf den sichtbaren Rammbock zurasen !
    Politik für wenige, dieses hat keine Zukunft und führt zur einer vorhersehbaren Katastrophe, vielleicht sogar gewollt !

    Die EU- und die Euro-Politik, speziell seit Rot/Grün zeigt uns Unvermögen und Lobbyismus der schlimmsten Art (u.a. Ausverkauf der Demokratien) !

    Ich schätze Frau Wagenknecht sehr in Ihrer fachlichen, ehrlichen Kompetenz, aber ich erkenne in Ihrer Partei keine Mehrheit zu Ihrer berechtigten Kritik, leider !

    Deswegen befürchte ich, das mein Dasein, seit 2003 als überzeugter Nichtwähler bestand haben wird !

  • Sorry, mein Beitrag war noch nicht ganz fertig. Er sollte so enden:

    Vielleicht dämmert dann sogar im linkslastig gleichgeschalteten Handelsblatt am Ende doch doch einmal die Morgenröte des wirtschaftspolitischen Sachverstands wie in früheren Zeiten.

  • Für mich ist die Linke wegen ihrer Staatsgläubigkeit in der Ökonomie und wegen der von ihr betriebenen Zerstörung von Ehe und Familie keine seriöse Alternative zu den Blockparteien CDU/CSU, SPD, Grüne.

    Aber was den Euro betrifft so hat Frau Wagenknecht ganz ohne Frage recht, und es ist vollkommen richtig, daß Frau Petry von der AfD sie unterstützt.

    Es ist zu hoffen, daß sich in der Linken die Europosition Wagengknechts durchsetzt. Dann endlich kann es gelingen, die betonharte Tabuisierung der Frage nach dem offensichtlichen Scheitern des Euro aufzulösen.

    Vielleicht dämmert dann sogar im linkslastig gleichgeschalteten Handelsblat

  • Sahra Wagenbach liegt richtig. Die Linke in ihrer Parteimehrheit ist allerdings genau so verbohrt in ihren Eurofeteschismus wie der Rest der Parteinlandschaft mit Ausnahme der AfD.

    Immerhin wird in der Linken noch diskutiert, was das Euroexperiment angeht .Das man bei SPD und Union nicht grade behaupten kann, ganz zu schweigen von den Grünen und deren völliger Meinungsgleichschaltung.

  • Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht haben wie andere Wirtschaftsfachleute das Problem erkannt . Das wird viele Stimmen bringen !

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