Streit mit Historikern
BND rechtfertigt Vernichtung von braunen Mitarbeiter-Akten

Der BND hat die Vernichtung von Mitarbeiter-Akten zur NS-Vergangenheit gerechtfertigt. Seinerzeit seien die Akten „als nicht archivwürdig eingestuft“ worden. Historiker verlangen Aufklärung.
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BerlinDer Bundesnachrichtendienst (BND) hat die Vernichtung von Akten zur NS-Vergangenheit von Mitarbeitern des Geheimdienstes gerechtfertigt. Der Geheimdienst reagierte damit auf am Dienstag bekannt gewordene Vorwürfe der Unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes (UHK).

„Die vernichteten Personalakten im Umfang von ca. zwei Prozent des für das Geschichtsprojekt relevanten Bestandes wurden seinerzeit als nicht archivwürdig eingestuft“, hieß es dazu in einer Erklärung des BND. Der Geheimdienst räumte allerdings zugleich ein: „Aus heutiger historiographischer Sicht ist der Bestandsverlust gleichwohl bedauerlich und ärgerlich.“

Die Historikerkommission hatte herausgefunden, dass der BND 2007 die Personalakten von etwa 250 hauptamtlichen Mitarbeitern vernichtet hat. Darunter sollen auch Dokumente über Geheimdienstler gewesen sein, die nach Angaben des Kommissionssprechers Klaus-Dietmar Henke „in signifikanten geheimdienstlichen Positionen in der SS, dem SD oder der Gestapo tätig gewesen sind“. Henke hatte am Dienstag in „Spiegel Online“ eine Aufklärung des Vorfalls verlangt.

„Ich habe kein Verständnis für die Aktenvernichtung im BND“, erklärte am Dienstagabend auch SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Er sprach in Berlin von einem „schlimmen Fall von Geschichtsvergessenheit“.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit mit Historikern: BND rechtfertigt Vernichtung von braunen Mitarbeiter-Akten"

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  • Die Aufregung ist plakativ. 67 Jahre nach dem Untergang des Nazi-Reiches und 22 Jahre nach dem der sowjetischen Kolonie sollte unsere primäres Interesse der wirksamen Prävention gegen Wiederholung gelten. Aktuelle Anlässe gibt es genug. Die Beschäftigung mit Einzeltätern sollte dagegen Sache der Justiz sein und bleiben, sofern deren Einluss nicht gestaltend und damit von historischem Interesse ist. Das Nürnberger Tribunal und der Prozess gegen Eichmann und Co. waren sinnvoller als das gegenwärtige Bestreben, die Kleinen, Mitläufer und Opportunisten einerseits und die verantwortlichen Großen andereseits zum Zwecke der Stigmatisierung gleich zu setzen. Was den Allierten und Israel beispielgebend gelang, vermögen wir nicht zu leisten. Wir handeln taditionsbewusst deutsch und nehmen dabei in Kauf, dass hinter dem Interesse für Einzelpersonen jenes für gefährliche gesellschaftliche Begleitumstände verkümmert. Diesen Vorwurf müssen wir uns angesichts der jüngsten Geschehnisse machen lassen. Wir haben gemeinsam versagt, wir haben Heranwachsende politisch-moralisch verwildern lassen. Diesen Schuh ziehe ich mir natürlich auch selbst an, denn mehr als gelegtliche Entrüstung auf dem warmen Sofa habe ich auch nicht vorzuweisen.

  • Ja, man muß jetzt alles vernichten damit die Wahrheit NICHT ans Tageslicht kommt. Nichts neues aus dem Westen.

  • Bekanntlich sind alle unangenehmen Sachen archivunwürdig. Hat da noch jemand Zweifel?

    Wie hält man es eigentlich mit der Vorratsdatenspeicherung?

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