Streit mit Uni Bayreuth
Guttenberg wehrt sich gegen „Vorverurteilung“

Die Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg sorgt für Streit. Der CSU-Mann würde den Untersuchungsbericht am liebsten geheim halten - die Universität nicht. Die Chancen stehen schlecht für den Ex-Minister.
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Bayreuth/BerlinDer Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner, erwartet, dass der Untersuchungsbericht zur Doktorarbeit von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg offengelegt wird. „Das Thema hat eine solche öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, dass ich davon ausgehe, dass die Ergebnisse der Kommission der Universität Bayreuth auch veröffentlicht werden“, sagte Kleiner der „Rheinischen Post“ in Düsseldorf (Montagausgabe).

Zwischen dem ehemaligen Verteidigungsminister und seiner früheren Universität ist ein heftiger Streit über den Untersuchungsbericht entbrannt. Der Anwalt des prominenten CSU-Manns griff die Hochschule scharf an und warf ihr vor, seinen wegen der Plagiatsvorwürfe zurückgetretenen Mandanten vorzuverurteilen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ kommt die Untersuchungskommission der Uni zu dem Schluss, dass Guttenberg absichtlich abgeschrieben habe. Dieser würde die Veröffentlichung des Berichts am liebsten verhindern und ließ von seinen Anwälten den Vorwurf der Täuschung erneut zurückweisen. 

„Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet“, sagte Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth in der „Bild am Sonntag“ und fügte hinzu: „Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten.“ Guttenberg bleibe weiter bei seiner Darstellung, nicht absichtlich abgeschrieben zu haben. 

Diesen Vorwurf wies die Hochschule zurück. „Es gibt bis heute keine offizielle Stellungnahme der Universität Bayreuth oder der Kommission, in der von einer absichtlichen Täuschung die Rede war“, sagte Uni-Sprecher Frank Schmälzle der Nachrichtenagentur dpa.„Insofern halten wir diese Vorwürfe für verfehlt.“ 

Die Universität Bayreuth will ihren Bericht notfalls auch gegen den Willen Guttenbergs veröffentlichen. „Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten“, sagte Sprecher Schmälzle. 

Laut „SZ“ geht die Kommission davon aus, dass Guttenberg vorsätzlich gehandelt hat. Ausmaß und Art der Plagiate ließen keinen anderen Schluss zu. Guttenberg hatte aber stets bestritten, bewusst Texte anderer Autoren übernommen zu haben, ohne dies zu kennzeichnen. 

Guttenberg habe gegenüber der Kommission eine umfassende Stellungnahme abgegeben, sagte sein Anwalt jetzt. „Sie belegt schlüssig, dass er nicht bewusst getäuscht hat.“ Sein Mandant räume aber „mangelnde Sorgfalt“ ein. Vorwürfe der Uni, Guttenberg wirke an der Aufklärung der Affäre anders als versprochen nicht voll mit, bezeichnete der Anwalt als „haltlos“.

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  • Dieser arrogante Bleneder soll zum Teufel gehen uns Deutsche mit seinem Scheiß Dr. Titel endlich in Ruhe lassen

  • Welch ein Hohn hier von "Vorverurteilung" zu sprechen. Als hätte es keine Aberkennung des Doktortitels und keinen Ministerrücktritt gegeben.
    Halbseiden ziehen wir in den moralischen Bankrott.

  • die Ausführungen von Guttenbergs Anwälten sind einfach albern. Art und Umfang der Passagen in Guttenbergs Dissertation lassen nur den Schluß zu, daß er ganz bewußt und absichtlich ohne Kennzeichnung abgeschrieben hat. Jeder Student lernt in den ersten Semestern, wie man richtig zitiert.

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