Streit um Atomausstieg
Glos fordert striktere Strompreiskontrollen

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat sich für eine striktere Kontrolle der Energiepreise ausgesprochen und davor gewarnt, sichere Atomkraftwerke vorzeitig abzuschalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief dagegen zu mehr Mut bei erneuerbaren Energien auf.

HB FRANKFURT/MAIN. „Wir können es uns nicht leisten, die höchsten Strompreise in Europa zu haben“, sagte der CSU-Politiker Glos am Sonntag in Wiesbaden. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber betonte dagegen, regulierte Preise stärkten vor allem große Energiekonzerne. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, sie halte den Atomausstieg weiter für falsch. Dieser Dissens dürfe die Koalition aber nicht davon abhalten, das Thema Energieversorgung weiter zu behandeln.

Glos plädierte dafür, bis zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Energiemarkts das Verhältnis zwischen Herstellerkosten und Marktpreisen strikter zu kontrollieren. „Zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch die Überwachung von Monopolen“, sagte der Wirtschaftsminister auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Wiesbaden. Zugleich betonte er, dass die Kernkraft weiterhin in den Energiemix der Bundesrepublik gehöre. Das Abschalten weiterer Atomkraftwerke wäre deshalb eine „Riesendummheit“ und ein großer volkswirtschaftlicher Schaden, weil kein Ersatz vorhanden sei. „Wir sind nicht mehr so reich, wie manche meinen, dass wir uns alles leisten können.“

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Kelber lehnte dagegen eine nachträgliche Preiskontrolle auf dem deutschen Energiemarkt ab: „Wer das will, begeht einen strukturellen Fehler“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Die einzigen Unternehmen, die zu regulierten Preisen noch produzieren könnten, seien die großen Konzerne mit alten Kohlekraftwerken. Kleinere Wettbewerber mit modernen Gaskraftwerken, etwa Stadtwerke, würden dagegen vom Markt verdrängt. Seitens der SPD gebe es deshalb noch sehr viel Gesprächsbedarf, kündigte Kelber an. „Ich bin sehr skeptisch.“

Glos sprach sich außerdem dafür aus, den Windenergie-Sektor auf Übersubventionen zu prüfen: „Manches Windrad dreht sich nur, weil es zuvor Subventionen gegeben hat“, sagte er. Merkel betonte dagegen, wenn die Bundesrepublik ihre Abhängigkeit verringern wolle, müsse mutiger an die Themen Energiesparen und erneuerbare Energien herangegangen werden. „Wir müssen Szenarien entwickeln, wie wir unsere Energieversorgung in den nächsten 15 Jahren organisieren“, erklärte die CDU-Vorsitzende. So werde der Anteil des Erdgases, den Deutschland aus Russland beziehe, bis 2030 voraussichtlich auf 45 Prozent steigen.

Der Energieversorger EnBW bot unterdessen an, für längere Betriebszeiten von Kraftwerken mehr Geld in die Forschung zu investieren. Er könne sich vorstellen, einen Teil der Summe, die die Energiewirtschaft bei einer Verlängerung der Laufzeiten kurzfristig an Investitionen nicht ausgeben müsste, in die Erforschung von Energiespeichertechniken zu stecken, sagte EnBW-Chef Utz Claasen der „Rheinischen Post“. „Vereinfacht gesagt, müssen wir die Sonnenenergie in der Sahara und Kalahari erzeugen und in New York, Tokio oder bei uns verbrauchen können. Das wäre eine globale regenerative Energiewirtschaft."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%