Streit um Atomausstieg
Merkel erhält Post von RWE-Chef Großmann

Auf dem Schreibtisch der Kanzlerin trudelt dieser Tage Post von RWE-Chef Jürgen Großmann ein. Denn dieser fürchtet um die Auswirkungen des Atomausstiegs und fordert Merkel persönlich zum Handeln auf.
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Hamburg Im Streit über den Atomausstieg hat sich RWE-Chef Jürgen Großmann persönlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. In seinem Schreiben vom Sonntag gehe es im Kern um die Befürchtung, dass die Atomkonzerne ihre Reststrommengen nicht mehr ausnutzen könnten, nachdem die Bundesregierung für jeden einzelnen Reaktor ein definitives Abschaltdatum festgelegt habe, sagte eine RWE-Sprecherin am Montagabend der dpa. Sie bestätigte damit einen Bericht der „Financial Times Deutschland“.

Die Energiekonzerne zweifeln, ob die geplante stufenweise Abschaltung der neun jüngeren Meiler juristisch wasserdicht ist. Durch die Verkürzung der Laufzeiten werde „ein Verstromen der Altmengen beinahe unmöglich“, erfuhr die dpa am Montag aus dem Umfeld eines Energiekonzerns. Dürfen sie vertraglich zugesicherte Strommengen nicht mehr produzieren, könnte dies als Eingriff in Eigentumsrechte der Unternehmen gewertet werden - dem Staat könnten hohe Entschädigungsforderungen drohen. Die Regierung hält den Atomausstieg aber für rechtssicher.

Nach Befürchtungen aus der Branche könnten die vier AKW-Unternehmen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall noch über Lizenzen zur Produktion von 60 bis 80 Terawattstunden Atomstrom verfügen, wenn der letzte Meiler abgeschaltet wird. Bei heutigen Strompreisen von rund 60 Euro je Megawattstunde entspräche das nach Konzernrechnungen einem Schaden zwischen 3,6 und 4,8 Milliarden Euro, berichtet die „Financial Times Deutschland“ weiter.

Großmann moniert in dem Schreiben laut dem Bericht, dass die Wahl der Abschaltdaten nicht nachvollziehbar sei. So solle der Reaktor Gundremmingen C im Jahr 2021 vom Netz, während der baugleiche und nur wenige Monate früher in Betrieb gegangene Block B bereits 2017 abgeschaltet werden solle. An beiden Kraftwerken ist RWE zu 75 Prozent und Eon zu 25 Prozent beteiligt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist der Standardfehler der deutschen Unternehmer, in Systemen systemimmanent zu argumentieren, die als solche absurd und daher zu verwerfen sind. Der Unsinn der deutschen Energiepolitik liegt nicht darin, das Großmann seine "Reststrommengen" nicht produzieren darf, sondern daß man voll funktionsfähige und als sicher befundene Kraftwerke überhaupt in ihrer Produktion beschränken will. Und die Lösung liegt nicht darin, einen Brief an die zynische Person Merkel zu schreiben, sondern beim Aufbau einer neuen liberalkonservativen Partei mitzuwirken, die das System Merkel hinwegfegt. Kein Mensch will Merkel, und am wenigsten die früheren Anhänger der CDU.

  • Hr. Großmann und die Milliarden

    Es ist interessant, wenn RWE Milliarden Forderungen an Deutschland stellt. Dem Chef von RWE ist wahrscheinlich ein Detail entgangen: Ein AKW rechnet sich privatwirtschaftlich nicht. Wenn die RWE eine Versicherung abschließen müsste welche die Kosten eines Fukushima Unfalles in einem RWE AKW in Deutschland absichert, dann wäre RWE heute schon Pleite.
    Wenn der Staat Deutschland nicht mehr das Risiko der AKWs für RWE und Co tragen will, und RWE das Risiko nicht selbst tragen kann, weil es keine entsprechende Versicherung gibt, dann gibt es keinen Markt mehr für AKWs in Deutschland. Das unternehmerische Risiko hat zugeschlagen. Das Risiko "werde ich meine Waren los" kennen alle echten Unternehmen. Seien es Rover Autos bei BMW oder Salatgurken bei EHEC. Ein Unternehmer kann nie sicher sein seine Waren auch verkaufen zu können.
    Ich wünsche viel Spaß beim Verklagen von Deutschland, Hr. Großmann! Ziehe Sie doch mit ihren AKWs in die Ukraine und lassen Sie dort ihre alten Schätzchen noch 20 Jahre lang laufen.

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