Streit um Atomkraft
SPD ruft zu Vattenfall-Boykott auf

Drei Tage nach der Panne im Atomkraftwerk Krümmel verstärken Spitzenpolitiker von Koalition und Opposition den Druck auf Vattenfall. Nach dem erneuten Störfall reifen Vertreter von SPD und Grünen die Stromkunden zum Boykott des Energiekonzerns auf.

HB BERLIN. „Die Kunden von Vattenfall sollten den Atomausstieg vorziehen und zu einem Ökostromanbieter wechseln“, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast dem „Tagesspiegel“: „Dieser Pannen-Konzern muss spüren, dass man ihm nicht mehr vertraut.“

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber sagte: „Vattenfall-Kunden, die das Verhalten des Konzerns für inakzeptabel halten, können zwischen Dutzenden anderen Stromanbietern wählen und dadurch Druck machen.“

Die Deutsche Umwelthilfe verwies auf ihre laufende Aktion „Atomausstieg selber machen“ und erklärte: „Jetzt besteht die realistische Chance, den schwedischen Konzern zur Aufgabe seines deutschen Atom-Engagements in Krümmel und Brunsbüttel zu treiben.“ Echter Ökostrom koste in Berlin nur einen Cent mehr als das Basisangebot von Vattenfall.

Künast rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu auf, vor der Bundestagswahl Klarheit über den atompolitischen Kurs der Union zu schaffen. „Frau Merkel muss den Deutschen vor dem Wahltag schon sagen, was sie eigentlich will, ob die Kernkraft für die Union wirklich eine Übergangstechnologie ist, oder ob sie die Laufzeiten auf unbegrenzte Zeit verlängern will.“ Die Grünen-Politikerin reagierte damit auf Äußerungen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU), der im Falle eines Wahlsiegs von Union und FDP unbegrenzte Laufzeiten für sichere Kernkraftwerke angekündigt hatte.

Zuvor hatte Vattenfall Fehler eingeräumt und personelle Konsequenzen aus der Krümmel-Panne gezogen. Eine sogenannte Messung der Teilentladung zur Kontrolle eines Maschinentransformators vor dem Wiederanfahren des Meilers war nach ersten Untersuchungen nicht wie vorgesehen installiert worden, teilte der Betreiber am Dienstag mit. Der Konzern hat den bisherigen Kraftwerksleiter von seinen Aufgaben entbunden. Zwei Maschinentransformatoren sollten nicht repariert, sondern durch neue ersetzt werden. Deshalb sei geplant, dass der Meiler mindestens mehrere Monate nicht ans Netz gehe.

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