Streit um den „Veggieday“ der Grünen

„Freitag bleibt die Küche kalt, Renate sammelt im Wald“

Nach dem Wunsch der Grünen sollten Kantinen künftig ein mal pro Woche auf Fleisch verzichten. Das sorgt für heftige Diskussionen im Netz: Über Bevormundung und den Sinn hinter dem Vorschlag.
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Lieber Schafskäse statt Fleisch: Renate Künast steht hinter der Kampagne für den fleischlosen Kantinentag. Quelle: dpa

Lieber Schafskäse statt Fleisch: Renate Künast steht hinter der Kampagne für den fleischlosen Kantinentag.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Vorstoß der Grünen, einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen einzuführen stößt auf heftige Reaktionen. Unter vielen Kommentatoren bei Handelsblatt.com gab es einen Aufschrei über eine „Diktatur des Vegetariats“ und lakonische Kommentare wie „Der Staat weiß schließlich am besten was mir schmeckt!“

Eigentlich ist der Vorschlag der Grünen nicht neu: Bereits auf der Bundesdelegiertenkonferenz 2010 beschloss die Partei, einen „Veggie-Day“ zu unterstützen, seit April steht der Wunsch auch im Wahlprogramm. Doch wenn die Bild-Zeitung das Thema im Wahlkampf aufgreift, wird es schnell zum Aufreger. Denn rund ums Essen und Geschmäcker lässt sich niemand gerne reinreden. Das findet auch Kommentator „dermaddin“, der schreibt: „Eigentlich eine gute Idee, obwohl ich gerne Fleisch esse, entscheide ich mich seit längerem bewusst für die vegetarischen Gerichte in der Kantine, (...) allerdings bieten viele Kantinen ohnehin vegetarische Alternativen an und irgendwie nerven die Grünen ein bißchen mit ihrer Dauerbevormundung!“

Bevormundung ist auch bei Twitter ein großes Thema. So schreibt dieser Nutzer:

Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich unter dem Hashtag #veggieday bei Twitter Kommentare zu dem Vorschlag. Fleischfans fühlten sich diskriminiert und forderten gleich eine Gegenbewegung:

Andere nehmen die Diskussion mit Humor:

Dabei hat die Debatte einen ernsten Kern: Ist es nun Bevormundung, wenn Menschen, die gerne Fleisch essen, an bestimmten Tagen vegetarisch essen sollten? Oder ist der Vorschlag nicht grundsätzlich unterstützenswert, wenn weniger Tiere geschlachtet werden? Doch viele Nutzer zweifeln an der richtigen Wirkung des Vorschlags. So meint dieser Nutzer:

Was bringt ein einzelner Tag den Vegetariern. Auch Nutzerin @Autofocus spricht sich statt für einen gänzlich fleischlosen Tag eher für mehr Varianten für Vegetarier aus:

Zudem könnte ein fleischloser Tag eher ein Verlustgeschäft für Kantinen werden - weil dann die Kunden wegbleiben. So erwartet auch Frank Rieger eine Verschiebung der Mittagsmahlzeit an andere Orte:

Der Nutzer @GillyBerlin beschwert sich darüber, dass direkt gegen Meinungen gehetzt wird, die nicht den eigenen entsprechen...

...eine Meinung, die man auf beide Seiten beziehen kann: So könnten sich die Fleischfans etwas gemäßigter über die Lebensführung von Vegetariern äußern - genauso aber auch gestattet sein, Fleisch zu essen, wenn man mag.

Kurz vor der Bundestagswahl melden sich natürlich auch Politiker zu Wort. Im Wahlkampf kann keine These unkommentiert bleiben. Die FDP reagiert mit einem Foto einer liberalen Wahkämpferin auf den #veggieday: Für sie ginge es schließlich um die Wurst, weshalb sie welche verteilt. Gerade für die Liberalen kommt der Vorschlag einer „Volkserziehung“ gleich. Und auch CDU-Generalsekretär Roland Theis kann sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden:

Darauf entgegnet der Grüne Bundestagsabgeordnete Sven Kindler:

Außerdem stellt Kindler noch einmal klar, dass es kein Gesetz geben soll, sondern die Partei bloß diese Kampagne unterstütze. Auch Lars Fischer fragt sich, was die ganze Aufregung eigentlich soll.

Sven Lehmann, Landesvorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen beschwert sich, dass das Thema im Netz so hochgekocht wird.

Doch mit der Kritik müssen die Grünen nun leben. Es ist Wahlkampf - und da kann ein fleischloser Tag schnell ein Aufregerthema werden.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels fehlte der Hinweis zum Zeitpunkt des Veggieday-Vorschlags der Grünen.

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  • @Harlemjump

    Das Dosenpfand geht auf die Kappe der CDU. Eingeführt von Klaus Töpfer und A. Merkel.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die grünen ErzieherInnen widmen sich halt gerne den großen Fragen unserer Zeit - und wir machen alle gerne mit (wie man an den vielen Kommentaren zu dem betreffenden Artikel sieht)

    Nach dem Dosenpfand geht es jetzt daher um unser Essen (was könnte wichtiger sein? Außer Fußball &Co natürlich) - da brauchen wir unmündige (von Mund) Bürger sicherlich Beistand - damit uns nicht etwa das moralisch Verwerfliche am Ende besser schmeckt als das ideologisch einwandfreie. Man betrachte hierbei nur Claudia Roth, wie ein grüne Diät zu großartig-gesundem Aussehen führt. Ein Vorbild ersetzt tausend Vorschriften!

    Vielleicht können sie uns in der Folge dann noch weiter helfen, indem sie noch Vorschriften für die fachgerechte Entsorgung dessen machen, was wir uns vorschriftsgemäß einverleibt haben.
    Sicherlich kann das auch noch ideologisch optimiert werden.
    Also, liebe GrünInnen, wenn Ihr gerade nichts Wichtigeres zu tun hat - da wäre noch ein würdiges Betätigungsfeld für Euch.

  • Die Grünen sind keine zuverlässig demokratische Partei. Das kann diese Gruppe auch nicht sein, sie hat sich lediglich zu einem Wolf im Schafspelz gewandelt. Die Führungsschicht dieser Partei war zu einem erheblichen Anteil aktiv in bolschewistischen Todschlagetrupps, die dem KBW, dem KB, der KPD/AO, alles Parteien die Stalin und Mao verehrten.
    Jetzt kommt der fleischfreie Tag. Den hatten die National-Sozialisten übrigens auch, da gab es Eintopf. Jeder Wähler sollte es sich gut überlegen, wenn er denn denen seine Stimme gibt, wem er sie dann anvertraut.

  • Stoppt die pädofaschistischen Ökophilen! Äh, nee... philt die ökopädischen Stoppfaschisten! Ne, wieder nich... Ökoliert stoppen die Philatelsten! Ach was! Das ist aber auch schwer hier noch ein Niveau zu finden!

  • @Harlemjump

    Würde er die unsachlichen Adjektive weglassen würde kein Satz zustandekommen...

    Und ja, ich befürworte ein emotionale Debatte

  • Mittlerweile sollte jeder wissen, dass die Grünen unser Leben bis in die kleinste Kleinigkeit verordnen wollen. Die haben diesen Drang Andersdenkenden ihren keimfreien Willen aufzuzwingen. Natürlich wollen sie immer das Beste, sozial Gerechteste, Gesündeste, Ethischste, Moralischste für jedermann. Mein Vorschlag im Falle einer möglichen Dunkelrot/Rot/Grünen Regierung: Wir überweisen das, was von unseren Einkommen, nach Abzug der Steuern und Abgaben noch übrig ist, an Vater Staat. Der gibt uns dann ein Taschengeld über das wir frei verfügen dürfen – also für ökologischen Bio-Kleinkram. Den Rest organisieren die Grünen für uns. Natürlich alles über den Staat. Zum Beispiel eine(n) Diplom Hauswirtschafter(in), die unsere unqualifizierten Familienmitglieder(innen) betreut. Die schlechte Nachricht! Dann können wir uns leider keine CO2 neutralen, ökologischen, hinterhofangebauten Bio-Vegetarische Essensangebote mehr in der Kantine einmal wöchentlich leisten. Schucks, ich habe vergessen, es geht doch, dafür gibt´s nämlich bestimmt eine staatliche Förderung der KFW……..

  • Hey cool, mein Kommentar wurde abgedruckt:-D Danke liebes HB.
    Dass das Thema derart für Zündstoff sorgt hätte vor wenigen Stunden wohl niemand gedacht. Allerdings sind die Kommentare z.T. etwas weit unter der Gürtellinie, wie Hanswurst eindrucksvoll belegt. Ist Ihnen Ihre Currywurst nicht bekommen?
    Es schadet sicher nicht seinen Fleischkonsum etwas bewußter zu gestalten und auch wenn ich die Grünen Bevormundung grundsätzlich ablehne, scheint hier ja Nachholfbedarf zu bestehen.
    Mal davon abgesehen ist der Anglizismus "Veggie-Day" mehr als peinlich!

  • .. ist doch schön zu lesen, daß die Grünen sonst keine Probleme im Land sehen und zu wissen, daß auch die Grünen nicht davor zurückschrecken die Bürger/ Innen am Gängelband zu halten. Helmut Schmidt wollte dereinst einen Fernsehfreien Abend verordnen, die Grünen nun vegetarisches Essen - man darf gespannt sein, mit welchem Unfug das Volk von den wahren Problemen abgelenkt werden soll.

  • @ HansWurst:

    würden Sie unsachliche Adjektive weglassen, wäre Ihr Kommentar seriöser und glaubhafter

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