Streit um den „Veggieday“ der Grünen
„Freitag bleibt die Küche kalt, Renate sammelt im Wald“

Nach dem Wunsch der Grünen sollten Kantinen künftig ein mal pro Woche auf Fleisch verzichten. Das sorgt für heftige Diskussionen im Netz: Über Bevormundung und den Sinn hinter dem Vorschlag.
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DüsseldorfDer Vorstoß der Grünen, einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen einzuführen stößt auf heftige Reaktionen. Unter vielen Kommentatoren bei Handelsblatt.com gab es einen Aufschrei über eine „Diktatur des Vegetariats“ und lakonische Kommentare wie „Der Staat weiß schließlich am besten was mir schmeckt!“

Eigentlich ist der Vorschlag der Grünen nicht neu: Bereits auf der Bundesdelegiertenkonferenz 2010 beschloss die Partei, einen „Veggie-Day“ zu unterstützen, seit April steht der Wunsch auch im Wahlprogramm. Doch wenn die Bild-Zeitung das Thema im Wahlkampf aufgreift, wird es schnell zum Aufreger. Denn rund ums Essen und Geschmäcker lässt sich niemand gerne reinreden. Das findet auch Kommentator „dermaddin“, der schreibt: „Eigentlich eine gute Idee, obwohl ich gerne Fleisch esse, entscheide ich mich seit längerem bewusst für die vegetarischen Gerichte in der Kantine, (...) allerdings bieten viele Kantinen ohnehin vegetarische Alternativen an und irgendwie nerven die Grünen ein bißchen mit ihrer Dauerbevormundung!“

Bevormundung ist auch bei Twitter ein großes Thema. So schreibt dieser Nutzer:

Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich unter dem Hashtag #veggieday bei Twitter Kommentare zu dem Vorschlag. Fleischfans fühlten sich diskriminiert und forderten gleich eine Gegenbewegung:

Andere nehmen die Diskussion mit Humor:

Dabei hat die Debatte einen ernsten Kern: Ist es nun Bevormundung, wenn Menschen, die gerne Fleisch essen, an bestimmten Tagen vegetarisch essen sollten? Oder ist der Vorschlag nicht grundsätzlich unterstützenswert, wenn weniger Tiere geschlachtet werden? Doch viele Nutzer zweifeln an der richtigen Wirkung des Vorschlags. So meint dieser Nutzer:

Was bringt ein einzelner Tag den Vegetariern. Auch Nutzerin @Autofocus spricht sich statt für einen gänzlich fleischlosen Tag eher für mehr Varianten für Vegetarier aus:

Zudem könnte ein fleischloser Tag eher ein Verlustgeschäft für Kantinen werden - weil dann die Kunden wegbleiben. So erwartet auch Frank Rieger eine Verschiebung der Mittagsmahlzeit an andere Orte:

Der Nutzer @GillyBerlin beschwert sich darüber, dass direkt gegen Meinungen gehetzt wird, die nicht den eigenen entsprechen...

...eine Meinung, die man auf beide Seiten beziehen kann: So könnten sich die Fleischfans etwas gemäßigter über die Lebensführung von Vegetariern äußern - genauso aber auch gestattet sein, Fleisch zu essen, wenn man mag.

Kurz vor der Bundestagswahl melden sich natürlich auch Politiker zu Wort. Im Wahlkampf kann keine These unkommentiert bleiben. Die FDP reagiert mit einem Foto einer liberalen Wahkämpferin auf den #veggieday: Für sie ginge es schließlich um die Wurst, weshalb sie welche verteilt. Gerade für die Liberalen kommt der Vorschlag einer „Volkserziehung“ gleich. Und auch CDU-Generalsekretär Roland Theis kann sich mit dem Vorschlag nicht anfreunden:

Darauf entgegnet der Grüne Bundestagsabgeordnete Sven Kindler:

Außerdem stellt Kindler noch einmal klar, dass es kein Gesetz geben soll, sondern die Partei bloß diese Kampagne unterstütze. Auch Lars Fischer fragt sich, was die ganze Aufregung eigentlich soll.

Sven Lehmann, Landesvorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen beschwert sich, dass das Thema im Netz so hochgekocht wird.

Doch mit der Kritik müssen die Grünen nun leben. Es ist Wahlkampf - und da kann ein fleischloser Tag schnell ein Aufregerthema werden.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels fehlte der Hinweis zum Zeitpunkt des Veggieday-Vorschlags der Grünen.

huGO-BildID: 30544442 Jonas Jansen Handelsblatt Online 4 / 2013 Quelle: Handelsblatt Online
Jonas Jansen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

Kommentare zu " Streit um den „Veggieday“ der Grünen: „Freitag bleibt die Küche kalt, Renate sammelt im Wald“"

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  • @Harlemjump

    Das Dosenpfand geht auf die Kappe der CDU. Eingeführt von Klaus Töpfer und A. Merkel.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die grünen ErzieherInnen widmen sich halt gerne den großen Fragen unserer Zeit - und wir machen alle gerne mit (wie man an den vielen Kommentaren zu dem betreffenden Artikel sieht)

    Nach dem Dosenpfand geht es jetzt daher um unser Essen (was könnte wichtiger sein? Außer Fußball &Co natürlich) - da brauchen wir unmündige (von Mund) Bürger sicherlich Beistand - damit uns nicht etwa das moralisch Verwerfliche am Ende besser schmeckt als das ideologisch einwandfreie. Man betrachte hierbei nur Claudia Roth, wie ein grüne Diät zu großartig-gesundem Aussehen führt. Ein Vorbild ersetzt tausend Vorschriften!

    Vielleicht können sie uns in der Folge dann noch weiter helfen, indem sie noch Vorschriften für die fachgerechte Entsorgung dessen machen, was wir uns vorschriftsgemäß einverleibt haben.
    Sicherlich kann das auch noch ideologisch optimiert werden.
    Also, liebe GrünInnen, wenn Ihr gerade nichts Wichtigeres zu tun hat - da wäre noch ein würdiges Betätigungsfeld für Euch.

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