Streit um die Schuld
Zahl der Lehrstellen weiter reduziert

Die Wirtschaft hat ungeachtet der von der Bundesregierung angedrohten Ausbildungsplatzabgabe ihr Lehrstellenangebot weiter reduziert. Den Arbeitsämtern wurden von Betrieben und Verwaltungen bis Ende März 361 965 Lehrstellen zur Vermittlung angeboten. Das sind 5,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

HB BERLIN/NÜRNBERG. Zugleich stieg die Zahl der Lehrstellenbewerber um 2,8 Prozent auf 537 964. Dies geht aus der am Dienstag in Nürnberg vorgelegten Halbjahresbilanz zum laufenden Lehrstellen-Vermittlungsverfahren hervor.

Die Wirtschaftsverbände gaben der Regierungskoalition Mitschuld an der Entwicklung. Die Diskussion um eine Abgabe von nicht oder ungenügend ausbildenden Betrieben schade dem Lehrstellenmarkt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt sagte, der Gesetzentwurf setze „die finanziellen Fehlanreize, mit dem Angebot von Lehrstellen bis zum Herbst zu warten, anstatt die Ausbildungsplätze sofort zu melden“. Dies sei unverantwortlich.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nannte den Rückgang Besorgnis erregend. „Wir können es nicht zulassen, dass zehntausende ausbildungsfähige Jugendliche ohne Chancen auf dem Ausbildungsmarkt bleiben.“ Sie warnte die Wirtschaft zugleich vor den Folgen „des schleichenden Verlustet qualifizierter Fachkräfte“. Wenn nicht jetzt mehr junge Menschen ausgebildet würden, drohe der Wirtschaft bis zum Jahr 2015 ein Fachkräftemangel von bis zu 2,9 Millionen Arbeitskräften.

Die CDU/CSU-Fraktion will die berufliche Ausbildung mit neuen Berufsbildern, kürzeren Ausbildungszeiten und geringeren Lehrlingslöhnen attraktiver machen. Ihre Bildungspolitiker Uwe Schummer und Katherina Reiche legten einen Entwurf zur Novellierung des Berufsbildungsgesetzes vor, der als Alternative zur Abgabe der Koalition gedacht ist. Um den Anreiz für Betriebe zu erhöhen, mehr Ausbildungsplätze anzubieten, soll die Lehrlingsvergütung auf bis zu ein Drittel unter der durchschnittlichen Tarifbezahlung gesenkt werden können. Derzeit liegt die Bezahlung zwischen 300 und 950 Euro. In den alten Bundesländern ist das betriebliche Lehrstellenangebot um 6 Prozent zurückgegangen, in den neuen Ländern dagegen nur um 4,5 Prozent.

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