Streit um Flugrechte
Politiker und Flughäfen sorgen sich um Air Berlin

Es wäre ein herber Rückschlag für Air Berlin, sollte das Luftfahrt-Bundesamt gemeinsame Flüge mit dem Partner Etihad verbieten. In der Politik fürchtet man bereits Nachteile für den Luftverkehrsstandort.
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BerlinDas Luftfahrtbundesamt will dem arabischen Großaktionär von Air Berlin, Etihad, wichtige Flugrechte entziehen. Die deutsche Airline versteht die Welt nicht mehr, die Pilotengewerkschaft Cockpit stützt die Bundesbehörde. Politiker setzen hingegen weiter auf eine zweite, große deutsche Fluggesellschaft.

Der Vorsitzende der Landesverkehrsministerkonferenz, Reinhard Meyer (SPD), sieht das Vorhaben der Bundesbehörde kritisch. „Durch starke deutsche Airlines wird gewährleistet, dass Wirtschaft und Private in Deutschland weiterhin von einem hervorragenden Angebot an innerdeutschen und internationalen Flugverbindungen profitieren“, sagte Meyer dem Handelsblatt. Er begrüße daher grundsätzliche die Stärkung deutscher Airlines, „also auch von Air Berlin“.

Auch der ehemalige Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen und heutige Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke (CDU), warnte vor einem überharten Vorgehen gegen die arabische Staatsairline Etihad, die erst im Frühjahr als Großaktionär Air Berlin mit einer Finanzspritze ausgeholfen hatte. „Wir müssen ein vitales Interesse an einem zweiten großen Carrier neben der Lufthansa haben“, sagte Wittke dem Handelsblatt. Zugleich sei aber darauf zu achten, dass es keine wettbewerbsverzerrenden Hilfen gebe. 

Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV warnte ebenfalls vor übereilten Entscheidungen. „Air Berlin ist für viele Flughäfen ein sehr bedeutender Carrier“, sagte Beisel dem Handelsblatt. Es sei wichtig, dass es für die Reisenden ein breites Angebot an Anbietern und Destinationen gebe. Entsprechend solle das Luftfahrtbundesamt bei der noch laufenden Prüfung über Finanzspritze durch Etihad bei Air Berlin „nach sachlichen und nicht nach politischen Kriterien“ vorgehen, mahnte Beisel.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit begrüßte das Vorgehen der Behörde in Bezug auf die Flugrechte. „Bei Code-Share-Abkommen geht es auch darum, wie die Erlöse auf einer Strecke aufgeteilt werden. Insofern begrüßen wir, wenn auf die strikte Einhaltung dieser Regelungen geachtet wird“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Alles andere wäre weder im Sinne der deutschen Beschäftigten, noch langfristig im Sinne der Kunden oder des Staates.“

Das Handelsblatt hatte zuvor aus Verhandlungskreisen erfahren, dass Etihad eine entsprechende schriftliche Ankündigung der Bundesbehörde Anfang August erhalten habe. Die Flugrechte sind demnach entgegen bestehender Luftverkehrsabkommen genehmigt worden. Dabei gehe es um rund 30 Verbindungen und damit rund die Hälfte der Kooperationsflüge unter gemeinsamer Flugnummer, die zwar die Beteiligung Air Berlin ausführt, vom Großaktionär Etihad aber mit einer eigenen Flugnummer angeboten werden.

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Air Berlin kämpft um gemeinsame Flüge mit Etihad

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  • Leider nur einer von sehr vielen Fällen ... so ist die Politik in Deutschland, immer schön ins eigene Fleisch schneiden. Unfassbar!

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