Streit um Honorare
Ärzte starten Proteste gegen Krankenkassen

Patienten in Deutschland müssen sich auf Praxisschließungen und Ärztestreiks ab Ende September einstellen. Schon kommende Woche planen niedergelassene Mediziner Aktionen gegen die Kassen. Sie fordern mehr Honorar.
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BerlinIm Streit um die Ärztehonorare wollen die niedergelassenen Mediziner ab der kommenden Woche mit gezielten Aktionen gegen die Krankenkassen beginnen. Praxisschließungen und Warnstreiks sollten dagegen erst zu einem späteren Zeitpunkt im September stattfinden.

Die freien Ärzteverbände riefen ihre Mitglieder am Montag zu einer Urabstimmung über Warnstreiks und Praxisschließungen auf. Diese könnten dann „noch im September“ stattfinden, hieß es in der von der Allianz deutscher Ärzteverbände und zahlreichen Berufsverbänden unterzeichneten Erklärung. Anvisiert sei insbesondere die letzte Septemberwoche, sagte Ärztevertreter.

Zuvor hatten Spitzenfunktionäre der Mediziner eine neue Verhandlungsrunde über die weitere Ausgestaltung der Entgelte platzen lassen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) setzte durch, dass sie zunächst auf Vorstandsebene mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über die künftigen Grundlagen der gemeinsamen Selbstverwaltung sprechen. Die KBV wollte zudem am Montag Klage gegen den Schlichterspruch beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg einreichen.

Hintergrund der Empörung ist, dass die rund 130.000 niedergelassenen Ärzte im kommenden Jahr 270 Millionen Euro mehr Honorar erhalten sollen. Dies ist nur ein Bruchteil der von der KBV geforderten 3,5 Milliarden Euro. Im sogenannten Erweiterten Bewertungsausschuss waren die KBV-Vertreter vergangene Woche von den Kassen und den unparteiischen Mitgliedern überstimmt worden.

Erste „harte Aktionen“ der Kassenärzte sollen sich kommende Woche gegen die gesetzlichen Krankenkassen richten, denen sie „Blockadehaltung“ vorwarfen. Diese Maßnahmen zielen vor allem auf das interne Umverteilungssystem von Geldern nach Diagnosen, dem sogenannten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich. Dieses System werde man „so durcheinanderwirbeln, dass die Krankenkassen nicht mehr wissen, wie sie das Geld verteilen sollen“, kündigte der Sprecher der Allianz deutscher Ärzteverbände, Dirk Heinrich, an. Auch wollen die Ärzte bei der Bearbeitung von Regressen, beim Kostencontrolling oder bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen ihre Mitarbeit verweigern.

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  • Einige Ärzte haben den Bezug zum realen Leben völlig verloren.
    Jeder Privatversicherte hat Einblick in die Arztrechnung.
    Nicht von der Hand zu weisen ist, dass oftmals das Engagement der Mediziner keinesfalls ihre hohen finanziellen Ansprüche rechtfertigt.

    Für einen Tag ärztlicher Leistungen schuftet ein "Niedriglöhner" einen ganzen Monat ausdauernd und körperlich schwer. Über die Höhe der zu erwartenden Rente dieser Menschen nach mehreren Jahrzehnten langen Arbeitsjahre möchte ich mich nicht äußern, weil Mißtöne über die beabsichtigte Rentenpolitik im Vordergrund ständen.
    Ein Ärztestreik - so gut er auch durch organisiert ist - geht immer zu Lasten der Patienten und leistet Behandlungsfehlern Vorschub.
    Ich spreche aus eigener bitterer Erfahrung, auch wenn es im konkreten Fall nicht Kassenärzte, sondern Mediziner eines Akademischen Lehrkrankenhauses auf der Insel Rügen betrifft. Klinikärzte "liebäugelt" ebenfalls immer wieder mit Streiks zur Durchsetzung ihrer überzogenen finanziellen Forderungen; der Blick ist nicht vorrangig auf die Behandlung, Genesung und eine fehlerfreie Organisation im Klinikbetrieb sowie im Umgang mit der Medizintechnik gerichtet.

  • @RobinieHood,

    das crux ist, das sowohl die Ärzteschaft, als auch die Politiker ganz genau wissen, was zu tun ist um Ärzte gerecht zu entlohnen, ohne daß irgendwelche Beitragserhöhungen nötig wären. Aber diese "Elite" ist bedingt durch das Auswahlsystem-sowohl bei Ärzten als auch bei Politikern- leider zu oft keine keine Elite der Charaktereigenschaften. Mit anderen Worten sie sind desinteressiert und feige!

  • Welcher freiberuflich tätige Berufsstand außer den Ärzten kann ebenfalls auf einen Durchschnittsverdienst von jährlich 165.000 € verweisen? Ich kenne keinen.
    Und auf dieser ohnehin schon auskömmlichen Basis sollen nochmals zusätzlich 11 % draufgesattelt werden? Damit auch weiterhin die schönsten Grundstücke der Stadt gekauft und die schnellsten Autos in den größten Garagen geparkt werden können?
    Fachingenieure, spezialisierte Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Chemiker und viele andere Akademiker müssen ebenfalls eine längere Ausbildungszeit akzeptieren, bis sie in attraktive Gehaltsregionen vorstoßen. Aber niemand aus diesen Berufsgruppen würde sich auch nur ansatzweise trauen, kranke Menschen als Geisel zur Durchsetzung ihrer Einkommenswünsche zu missbrauchen.
    Schämt Euch, Ihr ehrlosen, selbständigen Doctores, pfui Deufel!
    Wenn überhaupt etwas nicht stimmt, dann ist es die ungerechte Honorarverteilung unter den einzelnen Fachärzten, etwa die Geldverteilung zwischen dem elitären Gerätemediziner und dem Landarzt mit ständiger 24 Bereitschaft. Aber das könnt Ihr doch unter Euch Halbgöttern in Weiß alleine und ohne Streik regeln - auf dem Golfplatz, in der Wochenendvilla oder beim nächsten Ärztekongress in der Schweiz…

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