Streit um Honorare

Kassenärzte wollen notfalls streiken

Die Kassenärzte und Psychotherapeuten fordern eine Gehaltserhöhung von elf Prozent. Gewährt wurde ihnen nicht einmal ein Prozent. Nun wollen die Ärzte notfalls mit einem Streik ihrer Position Nachdruck verleihen.
Update: 01.09.2012 - 15:48 Uhr 14 Kommentare
Für viele Kassenärzte ist das Maß voll. Sie erwägen drastische Protestmaßnahmen. Quelle: dpa

Für viele Kassenärzte ist das Maß voll. Sie erwägen drastische Protestmaßnahmen.

(Foto: dpa)

BerlinDie niedergelassenen Ärzte wollen mit allen Mitteln bis hin zu bundesweiten Praxisschließungen über mehrere Wochen hinweg für bessere Honorare kämpfen. Falls die beschlossene Erhöhung von 0,9 Prozent für 2013 in einer Nachverhandlung am kommenden Montag nicht aufgestockt wird, werde es zu „Protestmaßnahmen bisher nicht gekannten Ausmaßes“ kommen, drohte der Präsident des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, am Samstag.

Die 150.000 niedergelassen Ärzte und Psychotherapeuten beklagen einen realen Einkommensverlust von zehn Prozent durch die am Donnerstag beschlossene Honorarerhöhung und fordern stattdessen 11 Prozent mehr Geld. Mehrere hundert Ärzte kamen am Samstag in Berlin zu einer Sondervertreterversammlung der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zusammen, um die weitere Strategie festzuklopfen. Zunächst sollen die Verhandlungen am Montag abgewartet werden. Falls die Krankenkassen nicht einlenken, hoffen die Ärzte auf ein Veto von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Gleichzeitig wollen die Ärzte vor Gericht ziehen.

„Wenn das alles nicht zum Erfolg führt, werden wir Protestmaßnahmen ergreifen müssen, die hingehen können bis zu Praxisschließungen auch über mehrere Wochen“, sagte Heinrich. „Die Diffamierungskampagnen der Krankenkassen haben die Ärzte hoch motiviert.“ Auf den genauen Beginn der Protestaktionen wollte sich Heinrich noch nicht festlegen. Das werde in den nächsten Wochen kurzfristig entschieden.

Die KBV-Vertreter verabschiedeten einstimmig eine Protest- Resolution gegen die Honorar-Entscheidung. „Dieser Beschluss ist eine Gefahr für die Aufrechterhaltung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung“, heißt es darin. Zahlreiche Redner sprachen sich für massive Protestmaßnahmen gegen den Honorarbeschluss bis hin zum Streik aus.

KBV-Chef Andreas Köhler beschrieb das Verhältnis zu den Krankenkassen als so schlecht wie noch nie. Er warf ihnen eine regelrechte Hetzkampagne vor, in der Ärzte als Abzocker diskreditiert würden. „Es ist ein Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands“, sagte Köhler. „Ärzte sind nicht die Prügelknaben dieser Nation.“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, warf den Krankenkassen einen verantwortungslosen Machtkampf vor. „Man denkt nur noch an das Geld, und die Patienten spielen gar keine Rolle mehr“, sagte er.

Die Bundesregierung hat die Mediziner ermahnt, den Honorarstreit nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Das Ministerium kann in dem Verfahren lediglich prüfen, ob es rechtmäßig abgelaufen ist. Eine Beanstandung kann es nach Angaben eines Sprechers binnen zwei Monaten geben.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Streit um Honorare: Kassenärzte wollen notfalls streiken"

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  • Romba
    Ihnen müßte jeder Arzt die Behandlung verweigern.

  • Ich habe über 30 Jahre im deutschen Gesundheitswesen gearbeitet und kenne das System sehr gut.
    In den vergangenen 20 Jahren hat sich ein Typus von Medizineren herangebildet, denen jegliche Motivationen für ihren Beruf fehlen.Die einzige Argumentation für ihre Berufswahl waren die Aussicht auf ein sehr üppiges Einkommen verbunden mit viel Freizeit. Ein paar Ausnahmen gibt es sicher noch und diese verdienen unsere Respekt.
    Wenn also jetzt die Ärzteschaft und hier in der Mehrheit die Fachärzte mit dieser Dreistigkeit Geldforderungen erheben ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
    Die Krankenkassen, sollen ruhig ihre Positionen vertreten,letztendlich vertreten sie die Interessen der Patienten.Ärzte die nicht zu den angebotenen Tarifen arbeiten wollen, na bitte schön, sollen sie doch eine Privatpraxis einrichten.Es hintert sie niemanden daran.
    Tatsache aber ist, dass die popeligen Kassenpatienten einfach gebracht werden um den gewohnten Lebensstandart zu finanzieren.Die meisten FA Praxen sind sowieso überflüssig
    und werden nur mit den kollektiven Überweisungsmustern der Ärzte untereinander am leben gehalten, was dann die Gesundheitskosten in die Höhe treibt.
    Das Gesundheitswesen in Deutschland ist sicher reformbedürftig.Man sollte aber dies dazu benutzen wieder
    die Patientversorgung und deren Wohl wieder in den vordergrund zu setzen .Nichts dagegen zu sagen, dass Ärzte und alle die im Gesundheitswesen wertvolle und angagierte Arbeit leisten ordentlich bezahlt werden sollen.
    Aber nicht arrogante Fachidioten in der Medizin die nur ihren eigenen Geldbeutel im Blick haben.gez.walterwerner.de

  • Die Ärzte müssen begreifen, dass Sie aus einem Umlagesystem nicht prozentual ständig höhere Einkommen verlangen können als das Umlagesystem Einnahmen generiert.Dieses Verhalten sprengt auf Dauer die Finanzsolidität jedes Umlagesystems. Sie haben im Gegenzug dafür eine hohe Einnahmestetigkeit, um die andere Branchen sie beneiden. Außerdem haben die Ärzte meines Wissens in den letzten Jahren im Verhältnis zu den Krankenkasseneinnahmesteigerungen überproportional höhere Einnahmenzuwächse erhalten.

  • @Einzelpraxis
    Ich denke, dass es viele, viele andere Berufsgruppen gibt, die eine gleich Arbeitsbelastng aufweisen. Es ist bezechnend für die Ärzte, dass Sie ganz bewusst die Bodenhaftung verlieren.

    Wenn die vorgeschlagene Gehaltserhöhung von 1.900 € einen Prozentpunkt ausmacht, was verdient ein Arzt dann im Jahr?

    Die Ärzte wollen also eine Gehaltserhöhung von 19.000 €, oder? Ich kann die Argumente der Ärzte nicht nachvollziehen.

    Und dann noch eine Zitat aus der Ärztezeitung:

    "Zum Teil werden Zahlen in den Raum gestellt, die den Otto-Normal-Angestellten grün vor Neid und Ärzte rot vor Ärger werden lassen."

    http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/aerztliche_verguetung/article/562961/kommt-nicht-nur-neid-neue-zahlen-einkommen-Aerzte.html

    Arrogant sind Ärzte ja schon, oder? Otto-Normal-Angestellte?!

  • Dann lass dich von diesen Arschlöcher nicht behandeln lassen.
    Am bestens versuch dich selber zu behandeln und auch operiern.
    So ein Neid ist einfach nicht mehr erträglich

  • @Einzelpraxis
    Jeder der arbeitet, soll anständig bezahlt werden.
    Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie hoch ist anständig bezahlt?
    Mich würde mal interessieren, wie viel sollten Ärzte, aus Ihrer Sicht, im Monat verdienen? ( Brutto nach Kosten )

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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  • Lieber chirurgischer Kollege,
    leider interessiert sich nicht die Bevölkerung für unsere Arbeits-
    belastung,d.h.für z.T. lebenswichtige Entscheidungen unter Zeitdruck. Keiner begehrt auf, wenn ein Martinez ein Mehr bekommt,
    dass dem von 25.000 Kassenärzten entspricht. So könnte man meinen,wenn man die ( bezahlten ?) Kommentatoren liest.
    Zum Glück wissen alle Kollegen, dass in den Praxen von den meisten Patienten eine volle Zustimmung zu unseren Forderungen
    kommt, keine Neidduselei usw.. Wer will schon unsere Nachfolge tatsächlich übernehmen, wenn wir in den Ruhestand gehen wollen !!

  • Die Forderung von 11 % ist gerechtfertigt. Der Arztberuf ist einer der wertvollsten und anspruchsvollsten der Gesellschaft, er gehört gut vergütet. Den neidern rate ich einen Besuch am WE in einer chirurgischen AMbulanz oder notärztlichen Bereitschaftsdienst, da kann man sich slebst von der Arbeitsbelastung überzeugen. Schade dass es in der gesellschaft so ausgeprägten Sozialneid der Ärzteschaft gegenüber gibt. Ein volles Ja für die gehaltsforderung. Zu dem Vorredner, der die ärztliche Zunft als "weissbekittelte Abzocker" bezeichnet sage ich: man kann nicht den gesamten Luxus des Deutschen Gesundheitssystems mit 24h rundum-Betreuung durch hochqualifiziertes Personal in Anspruch nehmen wollen,
    aber keine Leistung dafür erbringen.

  • Einzelpraxis
    Liebe bezahlte Kommentatoren,
    wenn ihr den doch so hochbezahlten Job eines Arztes so erstrebenswert
    findet, warum zieht ihr euch nicht den Kittel an und lernt das tatsächliche Leben eines Arztes kennen? Warum verwaisen so viele
    Praxen, da kein Nachfolger zu finden ist ?
    Warum ????

    Wenn kein Arzt mehr da ist, ihr mal selbst in Not seid, werdet ihr
    anders denken.
    Es ist nur komisch, dass Patienten, die die Praxis aufsuchen und das
    Geschehen mit den eigenen Augen sehen, ganz anders denken.
    Leider ist in Deutschland nur der Neid gefragt und übrigens vermisse
    ich den Aufschrei, dass ein Martinez ein Zubrot bekommt dass dem
    Honorarzuwachs von 25.000 Kassenärzten gleichkommt!!!

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