Streit um Honorare
Kassenärzte wollen notfalls streiken

Die Kassenärzte und Psychotherapeuten fordern eine Gehaltserhöhung von elf Prozent. Gewährt wurde ihnen nicht einmal ein Prozent. Nun wollen die Ärzte notfalls mit einem Streik ihrer Position Nachdruck verleihen.
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BerlinDie niedergelassenen Ärzte wollen mit allen Mitteln bis hin zu bundesweiten Praxisschließungen über mehrere Wochen hinweg für bessere Honorare kämpfen. Falls die beschlossene Erhöhung von 0,9 Prozent für 2013 in einer Nachverhandlung am kommenden Montag nicht aufgestockt wird, werde es zu „Protestmaßnahmen bisher nicht gekannten Ausmaßes“ kommen, drohte der Präsident des Ärzteverbands NAV-Virchow-Bund, Dirk Heinrich, am Samstag.

Die 150.000 niedergelassen Ärzte und Psychotherapeuten beklagen einen realen Einkommensverlust von zehn Prozent durch die am Donnerstag beschlossene Honorarerhöhung und fordern stattdessen 11 Prozent mehr Geld. Mehrere hundert Ärzte kamen am Samstag in Berlin zu einer Sondervertreterversammlung der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zusammen, um die weitere Strategie festzuklopfen. Zunächst sollen die Verhandlungen am Montag abgewartet werden. Falls die Krankenkassen nicht einlenken, hoffen die Ärzte auf ein Veto von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Gleichzeitig wollen die Ärzte vor Gericht ziehen.

„Wenn das alles nicht zum Erfolg führt, werden wir Protestmaßnahmen ergreifen müssen, die hingehen können bis zu Praxisschließungen auch über mehrere Wochen“, sagte Heinrich. „Die Diffamierungskampagnen der Krankenkassen haben die Ärzte hoch motiviert.“ Auf den genauen Beginn der Protestaktionen wollte sich Heinrich noch nicht festlegen. Das werde in den nächsten Wochen kurzfristig entschieden.

Die KBV-Vertreter verabschiedeten einstimmig eine Protest- Resolution gegen die Honorar-Entscheidung. „Dieser Beschluss ist eine Gefahr für die Aufrechterhaltung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung“, heißt es darin. Zahlreiche Redner sprachen sich für massive Protestmaßnahmen gegen den Honorarbeschluss bis hin zum Streik aus.

KBV-Chef Andreas Köhler beschrieb das Verhältnis zu den Krankenkassen als so schlecht wie noch nie. Er warf ihnen eine regelrechte Hetzkampagne vor, in der Ärzte als Abzocker diskreditiert würden. „Es ist ein Angriff auf die Würde eines ganzen Berufsstands“, sagte Köhler. „Ärzte sind nicht die Prügelknaben dieser Nation.“

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, warf den Krankenkassen einen verantwortungslosen Machtkampf vor. „Man denkt nur noch an das Geld, und die Patienten spielen gar keine Rolle mehr“, sagte er.

Die Bundesregierung hat die Mediziner ermahnt, den Honorarstreit nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Das Ministerium kann in dem Verfahren lediglich prüfen, ob es rechtmäßig abgelaufen ist. Eine Beanstandung kann es nach Angaben eines Sprechers binnen zwei Monaten geben.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Romba
    Ihnen müßte jeder Arzt die Behandlung verweigern.

  • Ich habe über 30 Jahre im deutschen Gesundheitswesen gearbeitet und kenne das System sehr gut.
    In den vergangenen 20 Jahren hat sich ein Typus von Medizineren herangebildet, denen jegliche Motivationen für ihren Beruf fehlen.Die einzige Argumentation für ihre Berufswahl waren die Aussicht auf ein sehr üppiges Einkommen verbunden mit viel Freizeit. Ein paar Ausnahmen gibt es sicher noch und diese verdienen unsere Respekt.
    Wenn also jetzt die Ärzteschaft und hier in der Mehrheit die Fachärzte mit dieser Dreistigkeit Geldforderungen erheben ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
    Die Krankenkassen, sollen ruhig ihre Positionen vertreten,letztendlich vertreten sie die Interessen der Patienten.Ärzte die nicht zu den angebotenen Tarifen arbeiten wollen, na bitte schön, sollen sie doch eine Privatpraxis einrichten.Es hintert sie niemanden daran.
    Tatsache aber ist, dass die popeligen Kassenpatienten einfach gebracht werden um den gewohnten Lebensstandart zu finanzieren.Die meisten FA Praxen sind sowieso überflüssig
    und werden nur mit den kollektiven Überweisungsmustern der Ärzte untereinander am leben gehalten, was dann die Gesundheitskosten in die Höhe treibt.
    Das Gesundheitswesen in Deutschland ist sicher reformbedürftig.Man sollte aber dies dazu benutzen wieder
    die Patientversorgung und deren Wohl wieder in den vordergrund zu setzen .Nichts dagegen zu sagen, dass Ärzte und alle die im Gesundheitswesen wertvolle und angagierte Arbeit leisten ordentlich bezahlt werden sollen.
    Aber nicht arrogante Fachidioten in der Medizin die nur ihren eigenen Geldbeutel im Blick haben.gez.walterwerner.de

  • Die Ärzte müssen begreifen, dass Sie aus einem Umlagesystem nicht prozentual ständig höhere Einkommen verlangen können als das Umlagesystem Einnahmen generiert.Dieses Verhalten sprengt auf Dauer die Finanzsolidität jedes Umlagesystems. Sie haben im Gegenzug dafür eine hohe Einnahmestetigkeit, um die andere Branchen sie beneiden. Außerdem haben die Ärzte meines Wissens in den letzten Jahren im Verhältnis zu den Krankenkasseneinnahmesteigerungen überproportional höhere Einnahmenzuwächse erhalten.

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