Streit um kurz wirksame Insulinanaloga
Prüfung von Medikamenten spart Millionen

Kassen dürfen kurz wirksame Insulinanaloga künftig nur noch ausnahmsweise erstatten. Das löst bei den Herstellern Empörung aus. Die Politik wird das nicht beirren. Denn die Wirtschaftlichkeitsprüfung von Medikamenten könnte den Kassen Einsparungen in Millionenhöhe bringen.

BERLIN. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und die betroffenen Arzneimittelunternehmen haben mit harter Kritik auf die Entscheidung des gemeinsamen Bundesausschusses reagiert, wonach kurz wirksame Insulinanaloga künftig nur noch ausnahmsweise zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden können.

„Die Entscheidung dient alleine der Kostendämpfung im Gesundheitswesen und ist therapeutisch nicht zu begründen“, sagte VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer dem Handelsblatt. Sie fürchtet nun, dass in den nächsten Monaten auf der Basis der Beurteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) weitere Medikamente aus der Erstattungspflicht der Kassen herausgenommen werden. „Hier droht ein Flächenbrand, sollte die Politik nicht dafür sorgen, dass die Transparenz der Arbeit dieses Instituts erhöht wird.“

Tatsächlich prüft das 2005 von der Bundesregierung gegründete Institut derzeit bei weiteren rund 30 neuartigen Medikamenten mit einem Umsatzvolumen von rund 1,3 Mrd. Euro im Auftrag des Bundesausschusses, ob sie einen Zusatznutzen gegenüber herkömmlichen Therapien haben. Auch sie könnten im Fall einer negativen Bewertung vom Gemeinsamen Bundesausschuss aus dem Leistungskatalog der Kassen ausgeschlossen werden. „Mit jeder Arzneimittelinnovation, die so den gesetzlich Krankenversicherten vorenthalten wird, sinkt nicht nur die Therapiequalität in Deutschland. Auch die Attraktivität des Arzneimittelstandorts Deutschland leidet“, sagte Yzer.

Betroffen von der jetzigen Entscheidung des Bundesausschusses sind die drei Arzneimittelunternehmen Novo Nordisk, Sanofi-Aventis und Lilly. Sie erzielen derzeit in Deutschland mit den kurz wirksamen Insulinanaloga ein Umsatzvolumen von jährlich rund 300 Mill. Euro. Sanofi Aventis hat bereit angekündigt gegen die Entscheidung des Bundesausschusses zu klagen. Eine Sprecherin von Lilly bedauerte gestern, dass nun „gut eingestellte Patienten zu einem anderen Präparat wechseln müssen“. Vertreter des Deutschen Diabetikerverbandes bezeichneten dies als eine Katasrophe und warfen dem Bundesausschuss vor, einer Zweiklassenmedizin Vorschub zu leisten.

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