Streit um Listenaufstellung in Bayern
Linkspartei droht die Entzauberung

Wahlforscher bewerten den aktuellen Höhenflug der Linkspartei zurückhaltend. Sie bezweifeln, dass die Partei ihre hohen Umfragewerte in den kommenden Wochen halten kann und rechnen mit einer "Entzauberung der Linkspartei" noch vor der Wahl. Zugleich warnen sie die SPD davor, auf die Erfolge der früheren PDS mit einem Linksruck zu antworten.

BERLIN. Nach Einschätzung von Edgar Piel vom Institut für Demoskopie Allensbach profitiert die Linkspartei zurzeit von einer "Bekenntnisfreude, die besonders stark in eine Richtung geht". Es sei möglicherweise "gerade einfach chic, sich bei Umfragen als Wähler der Linkspartei zu präsentieren", sagt Piel. Damit sei aber noch nicht viel über das tatsächliche Verhalten am Wahlsonntag ausgesagt.

Piel erinnert an die Zeit, in der die Grünen die Bühne betraten. Sie seien zunächst von den Wahlforschern eher überschätzt worden. Erst nach mehreren Wahlen habe man das Verhältnis zwischen einem Bekenntnis zu den Grünen in Umfragen und dem tatsächlichen Abschneiden bei Wahlen besser bewerten können.

Der Höhenflug der Linkspartei ist auf Bundesebene ohne Beispiel. Nie zuvor hat eine Partei ihre Zustimmungswerte in so kurzer Zeit so drastisch steigern können. "Es fehlen die Vergleichspunkte", sagt Piel. Jüngsten Umfragen zufolge sprechen sich bundesweit mittlerweile zwölf Prozent der Wähler für die frühere PDS aus. Noch Anfang Juni lag der Wert bei vier Prozent. Besonders populär ist die Linkspartei in Ostdeutschland, wo sie derzeit auf 32 Prozent der Stimmen käme. Damit ist sie in den neuen Ländern die mit Abstand stärkste Partei vor CDU (29 Prozent) und SPD (25 Prozent).

Stark ist die Linkspartei auch in der Heimat Oskar Lafontaines: Im Saarland würden ihr 20 Prozent der Wähler ihre Stimme geben. Ex-SPD-Chef Lafontaine ist jetzt Mitglied der WASG. Er kandidiert als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen und bewirbt sich in seiner Heimatstadt Saarbrücken um ein Direktmandat.

Die PDS hatte sich vor gut einer Woche in Linkspartei umbenannt. Sie will ihre Listen bei den Bundestagswahlen für Kandidaten der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) öffnen und strebt eine enge Kooperation mit der WASG über den Wahltag hinaus an.

Hier kam es allerdings am Wochenende zu einem ersten Eklat: Bei der Listenaufstellung der bayerischen Linkspartei für die Bundestagswahl fielen zwei WASG-Kandidaten durch. Die WASG sagte daraufhin ihren für Sonntag geplanten Landesparteitag ab und kündigte eine "Denkpause" an. Zuvor waren die WASG-Bewerber im Kampf um die aussichtsreichen Listenplätze drei und vier Konkurrenten von der Linkspartei unterlegen. Zwar habe die WASG kein Mitspracherecht bei der Kandidatenkür, sagte deren Sprecher Hans Schwarz. "Gleich zwei Kandidaten von uns hintereinander durchfallen zu lassen, ist aber nicht fair."

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