Streit um Milchpreise
Bauernverband verhandelt mit Handelsketten

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat im Streit um die Milchpreise am Montagabend Gespräche mit den Einzelhandelsketten angekündigt. „Jetzt muss einzeln verhandelt werden“, sagte der DBV-Sprecher Michael Lohse am Montagabend nach einem Gespräch der Bauernverbände mit dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Köln. Die Lieferengpässe nehmen derweil stündlich zu.

HB BERLIN/KÖLN/SPIEGELAU. Im Streit um die Milchpreise geht der Deutsche Bauernverband (DBV) davon aus, dass Molkereien und Einzelhandel unverzüglich mit Preis-Nachverhandlungen beginnen werden. "Die Situation ist klar. Die Molkereien müssen jetzt auf die einzelnen Handelsunternehmen zugehen. Dabei dürfte dem Vernehmen nach der Discounter Aldi einer der ersten Angesprochenen sein. Über das Spitzentreffen der Verbände in Köln wollte Lohse keine Einzelheiten bekanntgeben. "Das Gespräch war konstruktiv." Eine Stellungnahme zu dem Gespräch lehnte auch HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr ab.

Angesichts der von den Bauernverbänden verlangten Preis- Nachverhandlungen warnten Beobachter inzwischen davor, dass sich das Kartellamt wegen unerlaubter Preisabsprachen einschalten könnte.

Unteredessen hat der CSU-Vorsitzende Erwin Huber die Verbraucher aufgefordert, beim Einkauf heimische Molkereiprodukte zu bevorzugen und sich so solidarisch mit den deutschen Bauern zu zeigen. „Auch Qualität hat seinen Preis, nehmt nicht jede Ramschware“, sagte Huber am Montagabend bei einem Treffen mit Milchbauern in Spiegelau im Bayerischen Wald. Der CSU- Chef sprach sich für einen deutlich höheren Milchpreis aus. „Der jetzige Preis sichert die Existenz der Milchbauern auf Dauer nicht.“ Die Bauern erhalten derzeit maximal 35 Cent und verlangen 43 Cent pro Liter Milch.

Die Milchbauern kündigten an, dass sie den derzeitigen Lieferstopp nach der ersten Aktionswoche auch noch mindestens eine weitere Woche durchhalten könnten. „Der Einzelhandel versteht nur eine Sprache, und das ist: weniger Menge“, sagte ein Vertreter des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter (BDM). Nur über eine Reduzierung der Lieferungen könnten die Landwirte selbst in den Markt eingreifen. Es werde dabei wohl auch zu einer Spaltung zwischen dem Bauernverband und dem BDM kommen.

Ein Vertreter eines großen genossenschaftlichen Milch- und Käseunternehmens aus Ostbayern warnte davor, dass die Genossenschaften angesichts des Streiks der Milchbauern in ihrer Existenz bedroht seien. Huber erklärte, dass bei dem Streit um den Milchpreis nicht die Rivalität unter dem Agrarverbänden im Vordergrund stehen sollte. Die Handelsunternehmen forderte der CSU-Chef auf, für hochwertige Milchprodukte angemessene Preise zu zahlen.

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