0 Bewertungen
14.07.2008 

In der Awacs-Frage nun rät der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Bernd Siebert, zur "Zurückhaltung und zum Abwarten". Auch sein SPD-Kollege Rainer Arnold geht davon aus, "dass es gar nicht erst zu einer politischen Anfrage durch die Nato kommen wird", sagte er dem Handelsblatt. FDP und Grüne geben sich auch zurückhaltend, die Linke lehnt den gesamten Afghanistan-Bundeswehreinsatz ab.

Problematisch wäre ein Nato-Awacs-Einsatz vor allem für die deutsche Afghanistan-Debatte, weil er die bisher geltende Grenze zwischen Isaf- und OEF-Mandat für die Bundeswehr verwässert. "In der Praxis wären beide Mandate dann nicht mehr trennbar", sagte Arnold. Und er fügte als Warnung hinzu, dass "die Nato in einigen Ländern den Auslandseinsätzen ihrer Armeen den Boden wegzieht, wenn sie nicht Rücksicht nimmt und Sensibilität walten lässt gegenüber der politischen Debatte dort". Arnold sprach sich "gegen eine Salamitaktik" aus, immer neue Afghanistan-Marschbefehle auszustellen, und "die Debatte anzuheizen, was die USA im Iran vorhaben". Denn bisher ungeklärt ist, warum die USA ihre eigenen Awacs nicht mehr einsetzen, sondern auf Nato-Maschinen umsatteln wollen.

"Ob wir politisch so weit sind, über die Vereinigung von OEF und Isaf zu reden, halte ich aufgrund der politischen Diskussion für unrealistisch ", sagte auch Siebert. Zudem verwische sich nach Ansicht von Koalitionspolitikern die Grenze zwischen dem Bundeswehreinsatz im Norden Afghanistans und dem Kampf im Süden, an dem Berlin eine Beteiligung bislang erbittert ablehnt.

Beim Einsatz der deutschen Aufklärungs-Tornados in Afghanistan hatte die militärische Führung noch argumentiert, es lasse sich bei der Aufklärung von Bewegungen am Boden klar zwischen Einsätzen für Isaf und OEF unterscheiden. Beim Einsatz der Awacs-Maschinen, die alle Flugbewegungen am Himmel registrieren und koordinieren, gilt diese Unterscheidung aber als ausgeschlossen. Eine Zusammenlegung beider Mandate wird seit Jahren diskutiert. Allerdings seien nun sogar die Amerikaner dagegen, so Arnold, weil sie sich in die OEF-Führung nicht hineinregieren lassen wollten.

"Man muss befürchten, dass wir Schritt für Schritt in eine Sache hineingeraten, deren Dimension wir nicht mehr beurteilen können", warnte der Verteidigungsexperte der Grünen, Winfried Nachtwei. Das sehen auch Koalitionspolitiker so und hoffen nun, um eine Nato-Anfrage nach den Awacs-Maschinen aus Geilenkirchen herumzukommen: "Die Nato wird nur anfordern, was politisch auch durchsetzbar ist."

Verärgerung in Berlin über die Generäle

Militärs reden mit

Verärgerung in Berlin ruft in der Awacs-Debatte auch hervor, dass deutsche Generäle an ihr beteiligt sind - ohne Verteidigungsministerium oder Bundestagsfraktionen einzubeziehen. So hatte der von der Bundeswehr für den Nato-Dienst freigestellte operative Einsatzleiter der Isaf, General Egon Ramms, bereits Anfang Juni die Isaf-Anfrage an den Alliierten Oberbefehlshaber des Paktes in Europa (Saceur) weitergeleitet. Dabei hatte General Ramms damit nur die Vorschriften beachtet. Diese untersagen, dass der Isaf-Einsatzleiter einzelne Regierungen vorab unterrichtet.

Langes Procedere

Sollte der Saceur den Awacs-Einsatz befürworten, müsste dies im Nato-Militärausschuss beraten werden. Bei Widersprüchen dort müsste der Nato-Rat befasst werden, das höchste zivile Entscheidungsorgan der Allianz. Stimmt dieser zu, muss noch der Bundestag votieren. Allein wegen dieses monatelangen Procederes wächst in Berlin die Hoffnung, dass die US-Awacs einfach durch britische Maschinen ersetzt werden.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Konjunkturbeschleuniger verzweifelt g...

    Konjunkturbeschleuniger verzweifelt gesucht

    Wie soll die schwächelnde Konjunktur wieder angekurbelt werden? Im Umfeld der Bundesregierung kursieren die unterschiedlichsten Modelle. Den Stein der Weisen hat aber noch keiner gefunden. Fakt ist: Dem bereits geschnürten ersten Wachstumspaket soll ein zweites folgen....Bildergalerie 

  • Die Säulen der thailändischen Gesells...

    Die Säulen der thailändischen Gesellschaft

    Nation, Monarchie und Religion sind die drei Eckpfeiler, die den Rahmen der thailändischen Gesellschaft bilden. Die Stärke und Tragkraft der thailändischen Gesellschaft resultiert aus der Tragkraft dieser drei Säulen. Es ist der einzige Staat der dem Kolonialismus trot...Bildergalerie 

  • Thailands Flughäfen geräumt

    Thailands Flughäfen geräumt

    Aufatmen für Hunderttausende Touristen: Die thailändischen Regierungsgegner haben die Blockade der internationalen Flughäfen beendet. Bilder vom - zumindest vorübergehenden - Ende einer Krise.Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Den Nullzins vor Augen  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 07:05 Uhr von Nobert Häring

Wenn die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgleitet, muss die Wirtschaftspolitik Gewohnheiten aus normalen Zeiten hinterfragen. Das gilt auch für die Geldpolitik. Innerhalb weniger Wochen haben sich die Perspektiven für Inflation und Wachstum dramatisch verändert. Da ist das übliche Finetuning der Zinsen in kleinen Schritten nicht mehr sinnvoll. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Letztes Aufgebot  Artikel in Merkliste

05.12.2008, 05:19 Uhr von Helmut Hauschild

Vor allzu viel deutscher Euphorie sei tgewarnt. Die aktuelle Personalrochade könnte ein kurzes Hurra für die Bundesregierung sein. Kommentar