Streit um Stromnetz-Ausbau
Altmaier schaltet sich im Trassen-Streit ein

CSU-Chef Seehofer hat den Streit um Höchstspannungsleitungen quer durchs Land nach Kräften befeuert. Nun soll in Berlin geschlichtet werden. Am Abend empfängt die Kanzlerin europäische Energiemanager.
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BerlinIn den Streit um den Ausbau der Stromnetze schaltet sich laut einem Medienbericht Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) als Vermittler ein. Er habe für diesen Mittwoch Vertreter Bayerns, Thüringens und Sachsen-Anhalts ins Kanzleramt geladen, dazu die Netzbetreiber 50Hertz und Amprion, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) unter Berufung auf Regierungskreise. Gegenstand der Gespräche sei vor allem die 450 Kilometer lange Südost-Trasse, die von Halle aus durch Thüringen nach Augsburg führen soll.

Vor allem in Bayern mehren sich die Bürgerproteste gegen das Projekt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert deshalb einen Planungsstopp. Das hatte er am Dienstag trotz Kritik noch einmal bekräftigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat allerdings bereits deutlich gemacht, dass sie am Bau neuer Stromtrassen in den Süden festhält. Bundestag und Bundesrat hatten im Vorjahr im Bundesbedarfsplangesetz 36 vordringliche Projekte beschlossen.

Wie der „Münchner Merkur“ (Mittwoch) berichtet, hat der Betreiber Tennet für die längste der geplanten Trassen, den „SuedLink“, alle Informationsveranstaltungen in den kommenden drei Wochen gestoppt. Auch die für dieses Jahr geplante Antragstellung werde mit Bedauern bis auf Weiteres verschoben. Das gehe aus einem Brief der Geschäftsführung an Seehofer hervor. Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) habe den Schritt bestätigt.

In Sachen Energiewende sind am Abend auch führende europäische Energiemanager bei Kanzlerin Merkel zu Gast. Die CDU-Vorsitzende will sie über den Stand der Umsetzung und die Reform der Ökostromförderung informieren. Die deutsche Branche ist zunehmend beunruhigt, weil die Politik die Wirtschaft stärker an den Milliardenkosten beteiligen will. In den europäischen Nachbarstaaten verfolgt man das teure Mega-Projekt mit einer Mischung aus Neugier, Unverständnis und Ärger. An dem Abendessen im Kanzleramt nimmt auch Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) teil.

Bei einem Empfang des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) hatte Gabriel am Dienstagabend gesagt, dass er eine Kappung der Industrie-Rabatte bei der Ökostrom-Förderung um bis zu eine Milliarde Euro für möglich halte. Geforderte Summen von vier Milliarden Euro seien illusorisch. Die Rabatte zahlen die anderen Stromverbraucher über die im Strompreis enthaltene Ökostrom-Umlage mit. Die EU-Kommission fordert aus Wettbewerbsgründen eine Reform, Gabriel will dies bis zum Sommer schaffen.

„Gegen ungerechtfertigte Einschnitte werden wir uns wehren“, kündigte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in der „Schweriner Volkszeitung“ (Mittwoch) an. „Wir wollen die Vergünstigungen bei der EEG-Umlage auf die Unternehmen zurückführen, die wirklich im internationalen Wettbewerb stehen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit um Stromnetz-Ausbau: Altmaier schaltet sich im Trassen-Streit ein"

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  • @ loco

    @ loco

    Zitat : Mag sein das KKW's bereits bezahlt wurden, aber wer hat sie denn bezahlt und wer macht jetzt Gewinne damit? Auflösung: der Steuerzahler bezahlt und die großen Energiekonzerne kassieren ab.

    - natürlich müssen die KKW`s auch weiterhin betrieben, gepflegt, modernisiert werden. Und das machen aber die Koinzerne und nehmen auch entsprechende Gewinne ein.
    Es ist auch richtig, dass die KKW's zum größten Teil vom Steurzahler getragen wurden.

    Es ist aber auch richtig, dass mit Stromversorgung durch KKW' s der Verbraucher vielleicht 10 Ct. gezahlt hätte, als jetzt ca. 30 Ct. für unnütz herumstehenden Windmühlen.

    Wenn Sie sich ein Auto gegönnt haben und dafür z.B. 30 .000 €uro hingelegt haben mit der Aussicht, die nächsten 10 Jahre damit herumzufahren,

    gehen Sie doch nicht hin und verschrotten dieses Auto und kaufen sich ein neues für 100.000 € ( wobei dieses neue Auto noch nicht mal entwickelt und getestet wurde ) ......?

    So sieht Ihre Energiewende aus !

    Zum Kotzen !

  • Ok, dann hat Gorleben also gar kein Problem! Wir schicken den ganzen Mist zu Ihnen und Sie kümmern sich um die Wiederaufbereitung, Supi, Wo ist der "Gefällt mir" Button?
    Die 2 neuen KKWs in England, die 11cent/kWh + inflationsausgleich über 35 Jahre bekommen, sollen gegen 2023 fertig gestellt sein. Derzeit bekommen große PV-Anlagen unter 10 cent/kWh über 20 Jahre. Die EEG Vergütung sinkt derzeit monatlich um 1%. Geht das so weiter (1%/Monat finde ich derzeit zu viel) bekommen neue PV Anlagen in 2023 theoretisch keine EEG Vergütung mehr... merken sie etwas? Für Speicher ist da wieder genug luft...

  • @loco:
    Den Einwohnern von Fukushima sagen? Fast 20 000 Einwohner sind durch "Nicht-Kerntechnik" ums Leben gekommen. Und keiner kam durch radioaktive Strahlung um. Größere Langzeitschäden sind auch nicht zu erwarten. Nur die zusätzliche Evakuierung war natürlich schlimm. Aber kein Vergleich zu dem, was das Erdbeben und der Tsunami sonst an Schäden angerichtet haben.

    Atommüll kann man wiederaufbereiten. Und wir haben in Deutschland etwa 100 mal mehr chemischen Giftmüll endgelagert als wir jemals Atommüll produzieren werden (z.B. in Herfa-Neurode). Atommüll ist wirklich unser kleinstes Problem.

    Kernkraftwerke kann man regulieren, nicht so gut wie Gaskraftwerke, geht aber.

    England zahlt pro kwh Kernkraft (Grundlast oder regulierbar)11 ct, für Offshore-Wind (nicht regulierbar und schwankend) deutlich mehr, ich glaube 14ct oder so.



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