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Streit um TV-Duell Steinbrück-Merkel: 2:1

Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will es wissen. Er hat Kanzlerin Angela Merkel aufgefordert sich mit ihm mindestens zwei TV-Duelle zu liefern – Merkel kontert über den Regierungssprecher. Ein Duell genügt ihr vollkommen.

Er will zweimal, sie nur einmal vor die Kameras. Quelle: dpa
Er will zweimal, sie nur einmal vor die Kameras. Quelle: dpa

BerlinManchmal ist Peer Steinbrück wie Lucky Luke. Er zieht schneller als sein Schatten. Schießt sein loses Mundwerk drauf los, müssen er und die SPD die Worte hinterher oftmals wieder mühsam einfangen. Wie die Aussagen zur Angemessenheit des Kanzlergehalts und zum Frauenbonus der Kanzlerin. Nun aber, nach dem rot-grünen Wahlsieg in Niedersachsen, hat der Kanzlerkandidat offenbar verstanden, dass die Worte desjenigen, der Kanzler werden will, eine andere Resonanz haben. Er ist vorsichtiger geworden, aber auch entspannter. Die Kritik-Karawane ist weitergezogen zu FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle.

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Peer Steinbrück - seine Biographie

  • Gebürtiger Hamburger

    Geboren am 10. Januar 1947 in Hamburg, verheiratet mit einer Studienrätin, drei Kinder. Den Namen Peer verdankt er seiner dänischen Großmutter.

  • Zwei Jahre Bundeswehr

    1968 macht Steinbrück Abitur, danach ist er zwei Jahre bei der Bundeswehr.

  • Parteieintritt

    1969 erfolgt der Eintritt in die SPD.

  • Studium

    1970 - 1974 Volkswirtschafts-Studium in Kiel. Währenddessen lernt Steinbrück seine spätere Ehefrau kennen.

  • Erstes Treffen mit Helmut Schmidt

    1974 - 1981 Tätigkeiten in Bundesministerien und im Kanzleramt. In dieser Zeit trifft Steinbrück auch zum ersten Mal den Bundeskanzler Helmut Schmidt. Heute spielen die beiden gelegentlich Schach. Schmidt über Steinbrücks Kanzlerkandidatur: „Er kann es“.

  • Zeit als Referent

    1981 - 1985 Referent von Bundesforschungsminister Hans Matthöfer sowie in der SPD-Bundestagsfraktion

  • Büroleiter in Düsseldorf

    1986 - 1990 Büroleiter von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau.

  • Staatssekretär in Kiel

    Zurück nach Kiel: Zwischen 1990 und 1992 ist Peer Steinbrück Umwelt-Staatssekretär im Kabinett Engholm. Daraufhin Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, später selbst Minister im gleichen Ressort.

  • Als Minister zurück in NRW

    1998 - 2000 Wirtschafts- und Verkehrsminister in NRW, anschließend für zwei Jahre Finanzminister im bevölkerungsreichsten Bundesland.

  • NRW-Ministerpräsident

    Wolfgang Clement wechselt überraschend als Superminister nach Berlin. Ein Nachfolger ist noch nicht aufgebaut, eher durch Zufall wird Steinbrück zwischen 2002 - 2005 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen.

  • Finanzminister

    Nach der verlorenen Landtagswahl wechselt er als Finanzminister der großen Koalition nach Berlin. In dieser Zeit (2005 - 2009) ist er stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

  • Vortragsredner

    Seit 2009 ist er einfaches Mitglied des Bundestags. Als Vortragsredner reist er durchs Land. Über die Höhe der Honorare brach nach seiner Nominierung eine Debatte vom Zaun.

Nach Wochen der Selbstverteidigung hat Steinbrück nun vor Journalisten im Willy-Brandt-Haus skizziert, wie er sich das Duell mit der Kanzlerin vorstellt. Er würde gerne mindestens zweimal mit gezücktem rhetorischen Colt zum High Noon erscheinen. Doch die lässt ihn prompt abblitzen. „Die Bundeskanzlerin sieht keinen Grund, von ihrer Tradition der Jahre 2005 und 2009, jeweils eine TV-Debatte zu führen, abzuweichen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagmittag. „Alles Weitere wird zu gegebener Zeit geklärt werden können.“ Der 66-Jährige fürchtet, dass Merkel wieder einen Sphinx-Wahlkampf machen könnte: schwer zu greifen und Themen der SPD kopierend. 2009 kam es beim TV-Duell zu einer „4:2-Lösung“ mit vier Fragestellern und zwei Kandidaten. Das Aufeinandertreffen brachte Vorteile für Frank-Walter Steinmeier, was die SPD aber auch nicht vor dem 23-Prozent-Debakel bei der Bundestagswahl bewahrte.

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Steinbrücks Stärke ist das blitzschnelle Denken, sein Wortwitz, ein TV-Duell könnte ihn im direkten Vergleich mit Merkel nach vorn bringen. Aber eine flapsige Bemerkung könnte wiederum auch alles vermasseln. 2005 als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident nutzten ihm die Duelle mit CDU-Herausforderer Jürgen Rüttgers - damals ließ er sich als Regierungschef auch auf zwei ein. Umfragen ergaben nach dem zweiten Duell, dass Steinbrück klar an Zustimmung gewann, statt zuvor 37 sprachen sich nun 47 Prozent für ihn als Ministerpräsidenten aus, Rüttgers verlor an Zustimmung. Doch am Ende war Steinbrück gegen den Bundestrend machtlos, Rot-Grün verlor.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrücks Fettnäpfchen

  • SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrücks Fettnäpfchen
  • SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrücks Fettnäpfchen
  • SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrücks Fettnäpfchen
  • SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrücks Fettnäpfchen

Merkel behandelt Steinbrück bisher wie Luft. Der fürchtet, dass Merkel präsidial lieber auf Gipfeln und roten Teppichen glänzen wolle, statt sich der inhaltlichen Debatte zu stellen. Der frühere Bundesfinanzminister will daher frühzeitig Merkel dazu treiben, dass sie nicht ihre Strategie vom Wahlkampf 2009 wiederholen kann.

  • 31.01.2013, 11:45 Uhrneobarzi

    Diese Propagandashow bitte aber selber bezahlen, mit auf unsere GEZ-Kosten; bei beim Vortragsmillionär Peer dürfte dies ja auch kein großes Problem sein; notfalls sind ja da auch noch seine Bilderberger-Freunde ;-)

  • 31.01.2013, 12:18 Uhrpappalapapp

    Wieder mal typisch, Schwätzereien im Vordergrund, ausschließlich. Wenn er schon in die Öffentlichkeit geht, sollte er, um Glaubwürdigkeit zu rüber zu bringen, Sachthemen in den Vordergrund stellen und wie diese verwirklichen will. Diese würden die potentiellen Wähler (Öffentlichkeit) dringend brauchen, um eine Lusche und Schwätzer von einem wirklichen Macher unterscheiden, wählen und an seinen Versprechen messen zu können. Wer nur Sprechblasen produziert darf sich nicht wundern, wenn er sehr wenig Stimmen bekommt und als Top-Schauspieler im Kasperle-Theater wahrgenommen wird.
    Nach den bisherigen Patzern und der extremen Extrovertiertheit muß er schon Einiges gut tun, um sachlich und souverän rüber zu kommen.

  • 31.01.2013, 13:08 UhrMuseker

    Über diesen Schwätzer braucht man keine Kommentare.
    Laßt ihn endlich verschwinden.

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