Streit um Verlängerung der Wochenarbeitszeit
Bau-Tarifverhandlungen vertagt

Im deutschen Baugewerbe ist weiter keine Tarif-Einigung in Sicht. Die Tarifverhandlungen sind am Freitag auf den 16. September vertagt worden.

HB BERLIN. Vor der Entscheidung auf Vertagung habe es im kleinen Verhandlungskreis allerdings konstruktive Gespräche gegeben, hieß es bei der IG BAU nach der zweiten Verhandlungsrunde in Berlin. In der zentralen Frage der Verlängerung der Wochenarbeitszeit gibt es dem Baugewerbe zufolge aber keine Annäherung.

Die IG BAU will die Arbeitsplätze für die 800 000 Beschäftigten des Baugewerbes bei voller Bezahlung sichern. Die Arbeitgeber halten das nur bei Erhöhung der Arbeitszeit von 39 auf 42 Stunden pro Woche für möglich. Sie fordern von der Gewerkschaft eine Öffnungsklausel für Mehrarbeit. So sollen Betriebe je nach Auftragslage entscheiden, ob ihre Mitarbeiter bis zu drei Stunden länger arbeiten müssten. Die Zahlung eines Lohnausgleichs soll den Unternehmen freigestellt werden.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) lehnt diesen Vorschlag als effektive Lohnsenkung ab, da er die Sicherung der Beschäftigung im Winter zusätzlich gefährde. Die unbezahlte Mehrarbeit gehe von den Überstunden ab, die im Winter, „abgefeiert“ werden könnten. Die IG BAU fordert ein Jahresarbeitszeitkonto, auf dem die Überstunden angesammelt und für die Weiterbeschäftigung in der auftragsarmen Zeit verwendet werden könnten. Die Mehrkosten soll der Arbeitgeber tragen.

Beschäftigungssicherung sei auch im Interesse der Arbeitgeber, könne aber keine zusätzliche Belastung der Unternehmen bedeuten, sagte der Tarifexperte des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Felix Pakleppa. Nach dem Willen der Arbeitgeber soll in den Sommermonaten vom Lohn ein Teil einbehalten und im Winter dann ausgezahlt werden.

Mit der Arbeitsmarktreform Hartz IV falle die bisherige Saisonarbeiterregelung weg, wonach unter anderem Bauarbeiter schon nach sechs Monaten Beschäftigung Anspruch auf Arbeitslosengeld hatten. Von 2005 an muss zwei Jahre hintereinander mindestens acht Monate gearbeitet werden, sonst bekämen Bauleute nur noch Arbeitslosengeld II.

Der bisherige Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Werner Kahl, hatte seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. An der Spitze der Arbeitgeberseite steht nun der Präsident des Baugewerbeverbands Rheinhessen-Pfalz, Frank Dupré.

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