Strenge Sicherheitsvorkehrungen
Angeklagter im zweiten El-Kaida-Prozess schweigt

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag vor dem Hamburger Oberlandesgericht der zweite Prozess in Deutschland um die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA begonnen. Der angeklagte 30-jährige Marokkaner Abdelghani Mzoudi schwieg zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft.

Reuters HAMBURG. Die Bundesanwaltschaft wirft Mzoudi Beihilfe zum Mord in mindestens 3 066 Fällen sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Der Angeklagte habe - wie sein bereits im Februar zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilter Freund Mounir El Motassadeq - zu der Hamburger Gruppe um den mutmaßlichen Todespiloten Mohammed Atta gehört und sei von Anfang an in die Planungen der Anschläge eingeweiht gewesen, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Matthias Krauß.

Angeklagter verweigert die Aussage

Der vollbärtige Mzoudi hörte den Vorwürfen regungslos zu. Anschließend machte er vor dem Gericht zwar Angaben zu seinem Lebenslauf. Eine Stellungnahme zur Anklage lehnte er jedoch ab. Er betonte, dass er aus einer moslemischen Familie stamme. „Ich wurde nach dem Islam erzogen, zu Ehrlichkeit und nicht zu stehlen und nicht zu töten“, sagte der Angeklagte. Mzoudi lebt seit 1993 in Deutschland und hatte wie auch andere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe um Atta in Hamburg Elektrotechnik studiert. Er war im Oktober 2002 festgenommen worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung erwartet ihn eine 15-jährige Haftstrafe.

Verteidigung sieht Mekwürdigkeiten in den US-Ermittlungen

Mzoudis Verteidiger Michael Rosenthal und Gül Pinar sagten, die Bundesanwaltschaft könne keine Beweise gegen ihren Mandanten vorbringen. Die Anklageschrift beruhe nur auf Vermutungen und zeige „keinerlei Verständnis für die Mentalität des moslemischen Kulturraumes“, sagte Rosenthal. Gleichzeitig betonte er, es gebe in den Ermittlungen der US-Behörden zum Ablauf der Anschläge des 11. September „Merkwürdigkeiten, die aufhorchen lassen“. Das beginne „bei den Passagierlisten, auf denen Menschen mit arabischen Namen verzeichnet waren, die auch heute noch quicklebendig sind“. Der Vorwurf, Mzoudi habe Beihilfe zu den Anschlägen geleistet, sei darum höchst problematisch. Zunächst müsse der tatsächliche Ablauf der Haupttat geklärt werden, sagte Rosenthal.

Ankläger: Mzoudi war ebi Bin Laden in Afghanistan

Staatsanwalt Krauß betonte, Mzoudi und die anderen Mitglieder der Hamburger Gruppe um Atta hätten engen Kontakt zu der El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama Bin Laden gehabt. Die USA sehen in Bin Laden den Verantwortlichen für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington.

Krauß sagte weiter, der Angeklagte habe sich im Jahr 2000 in einem afghanischen Ausbildungslager der El Kaida aufgehalten, um die geplanten Anschläge gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Hamburger Gruppe vorzubereiten und abzusprechen. Später habe Mzoudi die Attentäter logistisch und finanziell unterstützt.

Bewaffnete Polizisten im Zuschauerraum

Den Prozess-Auftakt verfolgten rund 60 Journalisten und eine Handvoll Zuschauer. Im Zuschauerraum saßen auch bewaffnete Polizisten. Der Prozess soll mindestens bis Ende des Jahres dauern. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.

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