Strengere Regeln
Effizienz-Standards für Neubauten beschlossen

Die Bundesregierung hat eine Einigung in der Frage um schärfere Energie-Standards für Neubauten erzielt. Bis 2020 soll der Energieverbrauch von Wohnungen um ein Fünftel sinken. Kritik kam allerdings von Naturschützern.
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BerlinDie Bundesregierung hat sich auf schärfere Energiespar-Vorschriften für Neubauten verständigt. „Wir haben den Durchbruch geschafft, die wichtigen Fragen sind vom Tisch“, sagte Bau-Staatssekretär Rainer Bomba am Freitag in Berlin nach Gesprächen mit Vertretern von Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium. „Das Ganze wird jetzt seinen gesetzlichen Weg gehen, und ich denke, dass wir es noch dieses Jahr ins Kabinett bringen werden.“ Kritik kam umgehend vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu), der die Vorschriften als zu lasch kritisierte. „Das Bundesumweltministerium ist in den Verhandlungen mit Bau- und Wirtschaftsressort umgefallen“, sagte Energie-Experte Ulf Sieberg der Nachrichtenagentur Reuters. Ursprünglich habe Umweltminister Peter Altmaier auf strengere Vorgaben gedrängt.

Die Energie-Einsparverordnung (Enev) soll erneuert werden, um den Energieverbrauch von Wohnungen bis 2020 um ein Fünftel zu senken. Bis 2050 soll der gesamte deutsche Gebäudebestand klimaneutral sein, also praktisch keine Energie oder nur solche aus erneuerbaren Quellen verbrauchen. Die Verschärfung der Verordnung bedeutet nach Angaben aus Regierungskreisen für Neubauten ab 2014 gegenüber der bisherigen Regelung eine Energieeinsparung von 12,5 Prozent und von 2016 an nochmals 12,5 Prozent. Für Sanierungen bei Alt-Gebäuden sollen die Eigentümer über die neue Enev keine zusätzlichen Belastungen zu tragen haben.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler bestätigte die Einigung und betonte: „Wir dürfen die einzelnen Eigentümer auch nicht überfordern.“ Sonst werde die Akzeptanz bei den Bürgern auch nicht erreicht. Ähnlich hatte sich das federführende Bauministerium geäußert, das im Frühjahr einen Vorschlag vorgelegt hatte. Dieser war zunächst auf Widerstand im Umweltressort getroffen.

Nach Berechnungen des Nabu führen die neuen Standards zu Energie-Einsparungen allerdings nur von fünf bis sieben Prozent. Dies geschehe durch neue Bauweisen ohnehin fast automatisch. Letztlich führten Modernisierungen nach diesen Standards aber dazu, dass die Bauherren diese Häuser für die nächsten 30 oder 40 Jahren nicht wieder modernisieren würden, sagte Nabu-Experte Sieberg. „Die Effizienzziele der Bundesregierung können damit nicht erreicht werden.“ Nach zehn Jahren müsse der Hausbauer eigentlich schon wieder sanieren. „Das schafft auch keine Investitionssicherheit.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Durch den Einbau von Erdwärmeheizungen Solarzellen und Solarkollektoren ist langfristig mehr Energie einzusparen als durch die vermeintlich einfache Außendämmung alter Gründerzeitbauten. Bauschäden sind vorprogrammiert, die Gesamtökobilanz von produktion transport Anbau Rückbau Sanierung Entsorgung sind nicht einberechnet.
    Am ende wird es günstigstenfalls eine Nullsumennrechnung werdenund nur eine indirekte Förderung der Firmen STO und Konsorten sein.

  • Wichtig sollte auch mal ein Standard sein, wie viele Menschen in Deutschland reinpassen. Wieviele qm Wohnfläche gesetzlich jedem Bürger gesetzlich zustehen und jeder Altbau über 3 Etagen mit einem Fahrstuhl ausgestattet sein muss.

    Eigentlich ist Deutschland schon viel zu voll. Nicht umsonst sind unsere Vorfahren schon vor 150 Jahren nach Amiland ausgewandert und wir haben jeden Tag Stau.

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