Streubesitzdividenden
SPD will Schäubles Steuerfreiheitspläne stoppen

Rund 1,5 Milliarden Euro an Steuerausfällen drohen allein 2013, wenn die Pläne von Bundesfinanzminister Schäuble zur Steuerfreiheit von Streubesitzdividenden durchkommen. Die SPD will das Vorhaben unbedingt blockieren.
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BerlinDie von SPD und Grünen regierten Bundesländer werden die von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble geplante Ausdehnung der Steuerfreiheit von Streubesitzdividenden im Bundesrat blockieren. Das kündigte Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) gegenüber dem Handelsblatt (Montagausgabe) an. „Die Steuerausfälle wären beträchtlich. Schäuble unterschätzt in seinen Berechnungen die Wirkung sogar“, sagte er.  

Schäuble hatte vergangene Woche einen Gesetzentwurf im Bundeskabinett beschließen lassen, der ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) umsetzt: Der EuGH verlangt, wie schon in früheren Steuerurteilen, dass für alle Europäer in Deutschland gleiches Steuerrecht gelten muss.

Nach Schäubles Berechnungen würde es allerdings 2013 und 2014 jeweils zu Steuerausfällen von 1,5 Milliarden Euro kommen, wenn sich Kapitalgesellschaften die Kapitalertragsteuer auf Dividenden von Beteiligungen, an denen sie bis zu zehn Prozent halten, erstatten lassen. In den Folgejahren soll das neue Gesetz die Steuereinnahmen jährlich dann um 600 Millionen Euro mindern.  

Die Bundesländer wollen die europarechtlich vorgeschriebene Gleichbehandlung erreichen, indem die Steuerbefreiung auch für Inländer gestrichen wird. Dagegen laufen die Wirtschaftsverbände Sturm: Sie fürchten Mehrfachbesteuerung, wenn künftig auf jeder Ebene eines Konzerns Dividenden von Minderheitsbeteiligungen besteuert würden.   

Schmid weist die Sorge um diesen Kaskadeneffekt zurück. „Es ist eine unternehmerische Entscheidung, im Konzern verschachtelte Beteiligungen zu konstruieren“, sagte er. „Auch andere Staaten besteuern Streubesitzdividenden.“

 

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Gespensterdiskussion!

    Die europäische Solvenz-Krise resultiert vor allem auch aus zu geringen Steuereinnahmen der Staaten.

    Aktuell berichtet die „Sunday Times“, unter Berufung auf Apples Steueranmeldung an die US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission), dass z.B. Apple für seine außerhalb der USA geschöpften Gewinne in Höhe von 36,87 Milliarden US-Dollar regional kaum Steuern zahlt, weil gängige und erlaubte Buchhaltungstrick es internationalen Konzernen erlaubten ihre Profite in Länder - Welche sind das wohl? - mit niedrigen Steuersätzen zu verlagern und unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten zu kombinieren.

    Appels Steuern in Höhe von 35% werden so gut wie vollständig in den USA gezahlt.

    Im Rahmen der europäischen Rettungsschirme sollen die übrigen europäischen Steuerzahler – im Wesentlichen die deutschen – nun diese politischen Steuer-Geschenke ausgleichen.

    Statt sich um die Hauptsteuerlecks zu kümmern gibt es jetzt eine Gespenster-Diskussion um Streubesitz-Dividenden.

    Geht’s noch?

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