Stromkonzerne
Energiekonzerne: Goldene Nase dank hoher Preise

Die großen Energiekonzerne verdienen sich dank hoher Strompreise an den Privathaushalten eine goldene Nase. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die es in sich hat. Demnach haben sich nämlich die Strompreise binnen sieben Jahren fast verdoppelt – während die Stromkonzerne von 2002 an ihren Gewinn verdreifachen konnten.

str/HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Den Stromkonzernen geht es blendend, denn die Zeche zahlen die Privatkunden – dank hoher Strompreise. Zugespitzt ist dies das Resultat der „Stromwatch“ betitelten Studie des Hochschullehrers Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, die dem Handelsblatt im Entwurf vorliegt. Mögliche Preissenkungen wegen gefallener Rohstoffpreise und gekürzter Netzentgelte werden demnach nämlich gar nicht an die Verbraucher weitergegeben.

Mehr noch: Zwischen 2000 und 2007 sind die Strompreise laut Studie für Haushalte um fast 50 Prozent gestiegen, wobei ein Teil auch durch staatliche Steuern und Abgaben zustande kam. Vor Abgaben und Steuern ist der Strompreis allein in diesem Jahr um 6,5 Prozent in die Höhe geschnellt.

Auf die vier großen Stromerzeuger Eon, RWE, EnBW und Vattenfall entfallen nach Leprichs Angaben 85 Prozent der Gewinne des Quartetts der mit Abstand bedeutendsten Versorger. Eon und RWE schneiden hinsichtlich ihres Ergebnisses vor Steuern im Jahr 2007 im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen laut Studie „hervorragend“ ab. Das kann man laut sagen: Tatsächlich haben sich die Gewinne der vier Energieriesen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall seit 2002 verdreifacht und den Konzernen insgesamt einen Gewinn von knapp 100 Mrd. Euro beschert.

Allein im Jahr 2007 summierten sich die Gewinne von Vattenfall, Eon, EnbW und RWE auf knapp 20 Mrd. Euro. Und für die Zukunft sieht es trotz Finanzkrise keineswegs schlechter aus. „Auch für das Jahr 2008 deute sich trotz der Finanzkrise abermals ein Rekordgewinn an, wenn man die Zahlen der ersten neun Monate bis zum Jahresende fortschreibt“, heißt es in der Studie dazu deutlich.

Im kommenden Jahr wolle etwa die Hälfte der 900 deutschen Stromversorger die Preise nochmals im Schnitt um 8,4 Prozent erhöhen. Insgesamt seien 48 Mio. Bundesbürger betroffen. Angesichts solcher Vorhersagen ist es wenig verwunderlich, dass Politiker gerne die Reisslinie ziehen würden. „Die Erhöhung der Strompreise für das nächste Jahr ist nicht gerechtfertigt“, sagte etwa der energiepolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“.

Energiexperte Leprich, der die Studie im Auftrag der Grünen angefertigt hat, hat öffentlich zugängliche Daten analysiert und sie mit denen anderer Unternehmen verglichen. Er kommt zu dem Schluss, dass die komfortable Gewinnsituation der vier Stromkonzerne auf fehlenden Wettbewerb zurückzuführen ist. Der Schlüssel zu einer „Normalisierung“ der Gewinne der vier Konzerne liege in der wettbewerblichen Öffnung der Stromerzeugung, schreibt Leprich.

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