Stromtrassen und Gebäudesanierung

Regierung beschleunigt die Energiewende

Die Regierung will die Energiewende per Gesetz voranbringen: mit neuen Hochspannungsleitungen und mehr Zuschüssen für Sanierungsmaßnahmen. Die Minister Rösler und Altmaier üben den Schulterschluss.
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Aufbau der neuen Starkstromleitung zwischen Hamburg und Schwerin. Quelle: dpa

Aufbau der neuen Starkstromleitung zwischen Hamburg und Schwerin.

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DüsseldorfDie Bundesregierung hat den Bau von drei neuen Stromautobahnen durch Deutschland beschlossen und ein Zusatzprogramm für Gebäudesanierungen auf den Weg gebracht. Das Kabinett billigte am Mittwoch den Neubau von Höchstspannungsleitungen mit 2800 Kilometern Länge, um Windstrom von Norddeutschland in den Süden zu transportieren. Zudem sollen im bestehenden Höchstspannungsnetz 2900 Kilometer für die schwankende Ökostrom-Einspeisung optimiert werden. Planungs- und Bauzeiten sollen dabei von zehn auf vier Jahre verkürzt werden.

Das Kabinett beschloss außerdem eine Erhöhung der Mittel für energetische Gebäudesanierungen um 300 Millionen Euro auf insgesamt 1,8 Milliarden im kommenden Jahr. Über das Zusatzprogramm können Hausbesitzer bei der Dämmung auf Zuschüsse für Einzelmaßnahmen wie den Austausch alter Fenster von bis zu 5000 Euro hoffen.

Zudem nahm die Regierung den ersten Monitoringbericht zur Umsetzung der Energiewende zur Kenntnis. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), in der Vergangenheit nicht immer auf einer Linie beim Thema Energiewende, sehen die Projekte insgesamt auf einem guten Weg. "Der Energieverbrauch ist rückläufig, erneuerbare Energien tragen immer stärker zur Energieversorgung bei, die Treibhausgasemissionen sinken, eine zuverlässige Stromversorgung ist trotz der Abschaltung von acht Kernkraftwerken gewährleistet", heißt es in dem Bericht. Rösler betonte mit Blick auf die neuen Maßnahmen zum Netzausbau: „Hier sind wir absolut im Zeitplan. Wir sind ein gutes Stück vorangekommen.“

Geholfen haben dabei auch die Bundesländer. Sie haben sich bereiterklärt, die Planung der großen Stromautobahnen an den Bund abzugeben, damit die Netze schneller als bisher gebaut werden können. Ab etwa 2014 sollen die exakten Trassenverläufe festgelegt werden - die Kosten für alle 36 Projekte werden auf zehn Milliarden Euro taxiert. Um Klagezeiten zu verkürzen, soll es nur noch eine Instanz geben, das Bundesverwaltungsgericht. . „Ich sehe keine Schwierigkeiten, die unüberwindlich sein sollten“, sagte Altmaier. Er bezeichnete die Energiewende als wichtigste Herausforderung seit dem Wiederaufbau und der deutschen Einheit: „Die Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien war richtig, ist richtig und bleibt richtig, auch im Hinblick auf langfristig bezahlbare Energiepreise.“ Rösler und Altmaier bekräftigten auch ihren Willen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz zur Förderung von Ökostrom zu überarbeiten. Rösler wies darauf hin, dass bis März ein Konzept für eine grundlegende Reform vorliegen soll.

Auch wenn Rösler und Altmaier die Energiewende auf einem guten Weg sehen - rund läuft längst nicht alles. In der vorab bekanntgewordenen Stellungnahme zum neuen Monitoringbericht rügt ein von der Regierung bestelltes Expertengremium mangelnde Anstrengungen bei der Energieeinsparung. Einer der vier Regierungsberater zur Überwachung des Atomausstiegs und Umstiegs auf erneuerbare Energien sieht zudem besondere Probleme bei der Versorgungssicherheit. „In einigen Kategorien steht die Ampel schon auf Grün, in anderen ist sie aber noch tiefrot“, sagte der Professor an der Technischen Universität Berlin, Georg Erdmann, der „Augsburger Allgemeinen“.

Zogen in der Vergangenheit in Sachen Energiewende nicht immer an einem Strang: Wirtschafsminister Philipp Rösler (links) und Umweltminister Peter Altmaier. Quelle: dpa

Zogen in der Vergangenheit in Sachen Energiewende nicht immer an einem Strang: Wirtschafsminister Philipp Rösler (links) und Umweltminister Peter Altmaier.

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Das Deutsche Handwerk hält die geplante Aufstockung der Programme zur Gebäudesanierung für unzureichend. „Die vom Bundesbauministerium geplante Aufstockung ist zwar ein richtiger Schritt angesichts der drohenden anhaltenden Investitionszurückhaltung“, sagte Handwerks-Präsident Otto Kentzler. Dennoch seien weitere Impulse notwendig, da die Zurückhaltung groß sei. Die Zinsen seien ohnehin schon sehr niedrig, sagte er mit Blick auf das bereits bestehende Programm der bundeseigenen KfW-Bank für zinsgünstige Sanierungsdarlehen.

Kentzler forderte bessere Abschreibungsmöglichkeiten: „Das Handwerk bleibt dabei: Die steuerliche Anreizförderung ist als Beschleuniger für die energetische Gebäudesanierung unerlässlich.“ Die Opposition sieht die Zusatzmittel auf wackligen Beinen, da die Finanzierung für die nächsten Jahre längst nicht gesichert sei.

 
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  • Die Energiewende nicht machbar, die Rechnung nicht bezahlbar

    In der Preußischen Allgemeine Zeitung vom 22. Oktober 2011 hat der Leser Dr. Gustav Krüger aus Herrenberg diese Rechnung aufgemacht: „Bei Windrädern rechnet man mit Kosten von einem Euro pro Watt Nennleistung. Also kostet der Ersatz der Leistung der Kernkraftwerke von 17000 Megawatt 17000 Millionen Euro. Die erbrachte Leistung der Windkraft beträgt nur ein Fünftel der Nennleistung, also braucht man 85000 Windräder zu einem Preis von 85000 Millionen, also 85 Milliarden Euro. Dazu die nötigen Leitungen. Ein Kilometer Hochspannungsleitung kostet im Durchschnitt eine Million. Jeder mag sich ausdenken, wie viel Kilometer Leitungen wohl benötigt werden.

    Aber das ist erst der Anfang. Für die Zeit der Windstille braucht man Energiespeicher. Die Leistung muss genau der der stillgelegten Kraftwerke entsprechen. Das ist beispielsweise die Leistung von 450 Walchensee-Wasserkraftwerken. Die Pumpspeicherwerke müssen in der vorgesehenen Zeit gebaut werden. Man weiß aber nicht einmal, wo das sein soll. Von einem Pumpspeicherwerk erhält man nur ein Viertel des zur Energiespeicherung gebrauchten Stroms wieder zurück. Die sogenannten Wirkungsgradverluste müssen ebenfalls durch Windräder aufgebracht werden. Also schätzungsweise nochmals 50000 Windräder. ….

    Dazu kommt eine ungeheure Kapitalvernichtung durch das Abschalten voll funktionsfähiger Kraftwerke. Auch abgeschriebene Kraftwerke sind nicht wertlos. Noch viel teurer wird alles, wenn man Solarstrom nutzen würde. Da helfen auch Sonnendächer nicht. Und das CO2? Das Märchen vom klimaschädlichen Kohlendioxyd sollte nicht mehr erzählt werden. CO2 ist ein lebenserhaltendes Nutzgas und je mehr Menschen es gibt, umso mehr CO2 wird zur Ernährung gebraucht. Ergebnis: Die Energiewende ist nicht machbar und die Rechnung nicht bezahlbar. Bitte nachrechnen!“

  • Wie wenig der Wind wehte - eine britische Untersuchung

    Im April 2011 wurde eine britische Studie bekannt, wonach Windkraftanlagen (Wind“parks“) weniger effizient sind als behauptet. Untersucht wurde die Stromerzeugung von „Windparks“ in Großbritannien zwischen November 2008 und Dezember 2010 von der Stuart Young Consulting. Nach Darstellung von Windkraftindustrie und Regierungsseite erreichen die Anlagen im Jahresdurchschnitt etwa 30 Prozent ihrer Nennleistung. Aber die Studie hat ergeben, dass während der Hälfte des untersuchten Zeitraums nur unter 20 Prozent der Kapazität erreicht worden sind und während eines Drittels der Zeit sogar unter zehn Prozent. Eine BBC-Bericht darüber ist hier zu finden: http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-12985410

  • "Bei solchen Maßnahmen dürfen Mieter - sofern die Länder zustimmen - ab März oder April 2013 auch bei Lärm und Dreck drei Monate lang die Miete nicht mehr mindern. "
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    Damit ist sicher die größte Hürde für nötige Baumaßnahmen genommen , die möglichen Mieterhöhungen dürften nicht lange aus sich warten lassen .
    Nun gut , wer abschalten sofort brüllte hat gewusst das es teuer wird , nun wird es teuer , auch für Mieter .

  • Es ist schon fast ruehrend, auf welch primitivem, unsachlichem Niveau die Atomlobby hier ihre Rueckzugsgefechte ausdebattiert! Nach Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima gibt es nun kein zurueck mehr. Die Atomwirtschaft hat hinreichend bewiesen, dass diese Technologie nicht sicher beherrschbar ist

  • Endlich blickt es sogar diese REGIERUNG dass es ohne Erneuerbare Energien nicht geht. Wird Zeit, dass endlich auch die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden!

  • @HofmannM
    Wir können also sagen, dass die neuen Netze genauso nutzlos sind wie die Windmühlen selber, da das Hauptproblem der _wirtschaftlichen_ Speicherung elektrischen Stroms ungelöst bleibt.

    Wäre es nicht evtl. sinnvoller die Kabel nicht von Nord nach Süd, sondern von West nach Ost zu legen? Die Franzosen freuen sich neue Reaktoren bauen zu können und an uns blöden Alemannen verdienen zu können. Gleichzeitig hätten wir dann wieder stabilen und günstigen elektrischen Strom, Jahr aus. Jahr ein. Besser kann man nicht die Deutsche und die Französische Wirtschaft gleichzeitig fördern.

  • @doc_johnny
    Das ist ganz einfach. Die Windmühlen und Solarstromerzeuger benötigen ein eigenes Stromnetz um ihren nutzlosen Zufallsstrom abzuleiten.
    Da spielt es jetzt keine Rolle, ob dieses Stromnetz jetzt beim Endkunden endet oder im Nirvana. Wir Endverbraucher müssen ja so oder so für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne zahlen. Egal ob wir diesen Strom jetzt gerade benötigen oder nicht! Und das ist ja das perfide und wohlstandsvernichtende am EEG. Es muss für alles und jeden (Abzocker) gezahlt werden. Der Nutzen eines Zufallsstroms ist für eine Volkswirtschaft gleich Null. Im Gegenteil! Durch das EEG wird dem deutschen Bürger der Strom immer weiter verteuert. Auch den unsinnigen Netzausbau für die EE-Abzocker muss der deutsche Bürger über seine Stromrechnung zahlen. Die Lebenshaltungskosten werden dadurch in Deutschland in die Höhe getrieben. Die Inflationsrate in Deutschland und Europa wird schön gerechnet. Energieintensive Produkte werden im Warenkorb für die Berechnung der Inflation reduziert und 0815 Produkte (Fortbildunskosten usw.) werden extrem aufgewertet. Es herrscht seit Jahren nur noch Lug und Trug in der deutschen ökosozialistischen Medienpolitik!

  • Aber DAlLI -> die Zeit läuft!

    http://s3.amazonaws.com/edownload/free/de/windows/dali_persistence_of_memory.jpg

  • Kann mir jemand erklären inwiefern neue Netze die Speicher-problematik lösen?

    Neue Netze sorgen nur dafür, dass dann auch in Süddeutschland die weiterhin notwendigen Schmutzkraftwerke rauf- und runter gefahren werden müssen. Der schlechtere Wirkungsgrad und das dauernde Vorheizen sorgen dafür, dass die angebliche CO2 Einsparung konterkariert wird.

    Die Menge an CO2, die Deutschland - bis zur Hungersnot herunter geprügelt - sparen kann, wird von den Chinesen in wenigen Monaten verbraucht; dort weiht man jeden Monat mehrere neue Kohlekraftwerke ein.

  • Wie gehabt: Dirigismus, Zentralismus, Grünenimitatismus.
    Wie immer: Die da oben brechen alles übers Knie, wir da unten über die Folgen der Träumereien – Abzocke, zu hohe Preise, zu hoher Staatsanteil und anschließend wieder mal – STEUERERHÖHUNGEN. Ja, so funktioniert eben Sozialismus!

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