Stromversorgung
Eon favorisiert die Netz AG

Engpässe bei der Stromversorgung lassen sich nach Ansicht von Eon-Chef Wulf Bernotat durch eine deutschlandweite Netz AG verhindern. Der Manager forderte die Energiekonzerne auf, ihre Netze zusammenzulegen. Die Politik müsse bei der Schaffung einer Netz AG die Rolle eines Moderators übernehmen.

BERLIN. Eine Bündelung biete die Chance, Synergien zu realisieren und die Effizienz zu steigern, sagte Bernotat dem Handelsblatt. Forderungen nach einer Verstaatlichung der Überlandleitungen lehnte Bernotat ab.

Die Netze entwickeln sich zur Achillesferse der Stromversorgung. Der dringend erforderliche Ausbau verzögert sich durch hohe genehmigungsrechtliche Hürden und Proteste in der Bevölkerung.

Das Thema Netzausbau war auch Gegenstand des gestrigen Spitzentreffens von Energieversorgern und BDI -Repräsentanten mit Kanzleramtsminister Thomas de Maizière. Teilnehmer berichteten, die Suche nach einvernehmlichen Lösungen für die schwelenden Probleme in der Energiepolitik habe im Mittelpunkt des Gesprächs gestanden. "Die Politik sieht, dass wir nur gemeinsam etwas bewirken können", hieß es.

Beim Netzausbau will Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) den Unternehmen mit einer neuen Verordnung entgegenkommen. Sie soll planungsrechtliche Hürden beseitigen, die Rechtswege verkürzen und so zu einer Beschleunigung des Netzausbaus beitragen.

Der Eon-Vorstoß für eine deutschlandweite Netz AG stieß auf ein geteiltes Echo. Die anderen drei großen Übertragungsnetzbetreiber RWE, EnBW und Vattenfall Europe verfolgen unterschiedliche Ziele. RWE-Chef Jürgen Großmann will eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene forcieren. Im Unternehmen hieß es gestern, unter den derzeitigen Umständen denke man jedoch nicht daran, das Netz in eine europäische Netzgesellschaft einzubringen. Vielmehr geht es um eine Zusammenarbeit unterhalb einer eigentumsrechtlichen Verflechtung.

Die Basis dafür ist bereits gelegt: Im vergangenen Jahr haben die großen Netzbetreiber in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg eine gemeinsame Plattform gegründet. An dem Gemeinschaftsunternehmen sind acht Übertragungsnetzbetreiber beteiligt, darunter auch Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW. Die Plattform hat ihre Arbeit bereits aufgenommen. Das Vorhaben soll dazu beitragen, grenzüberschreitende Leitungen effizienter zu nutzen, den Handel mit Strom über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern und den Markt liquider zu machen. Dies soll die Versorgungssicherheit erhöhen und preisdämpfende Wirkung entfalten.

Im Anschluss an das Treffen im Kanzleramt sagte Regierungssprecher Thomas Steg, dass eine Neuauflage der "Energiegipfel", die es unter Vorsitz der Kanzlerin in den vergangenen beiden Jahren gegeben hatte, nicht geben solle. Dennoch sind Politik und Wirtschaft an einem Dialog interessiert. Die drängenden energiepolitischen Fragen könnten im Interesse des Landes und der Verbraucher nur im Schulterschluss vorangebracht werden, sagte Eon-Chef Bernotat.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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