Studenten-Förderung
Unternehmen zahlen Stipendien

Begabte Studenten sollen künftig von Unternehmen gefördert werden, fordert Nordrhein-Westfalens liberaler Wissenschaftsminister Pinkwart. Mit einem nationalen Stipendienprogramm will der FDP-Politiker Wirtschaft und Universitäten bundesweit stärker vernetzen. Seine Amtskollegen reagieren bisher mit Desintresse - oder offener Ablehnung.

BERLIN. Die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen werden im Wintersemester gemeinsam mit der Wirtschaft und privaten Spendern 1 400 Stipendien von monatlich 300 Euro an begabte Studenten vergeben. Das seien im ersten Anlauf sogar 200 mehr als ursprünglich geplant, sagte Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart. Gestärkt vom großen Interesse der Sponsoren in seinem Bundesland will der FDP-Politiker im Herbst auch einen neuen Anlauf für ein nationales Stipendiensystem nehmen.

Der Mangel an Stipendien gilt als zentrale Schwachstelle des Hochschulstandortes Deutschlands. Lediglich zwei Prozent aller Studenten erhalten ein Stipendium. Die Unionsländer hatten bei der Einführung der Studiengebühren auch bessere Finanzierungsmöglichkeiten versprochen. Seither wurden zwar Kreditprogramme für Studenten aufgelegt – im Hinblick auf Stipendien tat sich jedoch so gut wie nichts. Einzig der Bund stockte die Begabtenförderung auf.

Der Liberale Pinkwart versuchte vergeblich, ein nationales System zu etablieren. Doch die SPD-Länder, die keine Gebühren erheben, blockten ab und die Unionsländer zeigten sich desinteressiert. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, sie sehe nicht ein, neben Hochschulpakt und Exzellenzinitiative den Ländern auch noch Geld für Stipendien zu geben.

Nach der Bundestagswahl will Pinkwart nun erneut auf seine Länderkollegen zugehen. „Und sofern wir aus NRW nach dem 27. September Einfluss auf Koalitionsverhandlungen nehmen können, werden wir darauf drängen, dass das bundesweite Stipendiensystem in den Koalitionsvertrag aufgenommen wird“, sagte Pinkwart, der auch Vizechef der Bundes-FDP ist. Ziel ist ein nationales Stipendiensystem für die besten zehn Prozent aller Studenten.

In NRW erhalten Hochschulen für jeden Stipendien-Euro, den sie von Privaten hereinholen, einen weiteren Euro vom Land. Der größte Einzelspender von insgesamt 250 ist bislang die Telekom-Stiftung mit 50 Stipendien, MAN finanziert weitere 40. Die Geldgeber können gemeinsam mit „ihren“ Hochschulen die Stipendien gezielt einsetzen: Für bestimmte Fächer, nur für Bachelor oder Master-Studenten oder auch Studenten bestimmter Heimatstädte.

Schon jetzt zeichne sich ab, „dass die Hochschulen weniger selbst auf Werbetour gehen müssen, sondern private Spender von sich aus an die Hochschulen herantreten“, sagte Pinkwart. Die Universität Aachen zum Beispiel erwäge, einen Fonds zu gründen, aus dem zusätzliche private Stipendien kofinanziert werden.

Die Hochschulen seien gerade dabei, die Bewerbungsverfahren zu entwickeln, die Uni Bochum hat bereits ein Online-Portal eingerichtet. Bewerben kann sich jeder Studierende in der Regelstudienzeit. Grundsätzlich entscheidend ist die Begabung. Einfließen können dabei die Abiturnote, eine berufliche Vorbildung oder gesellschaftliches Engagement, sagte Pinkwart. Daneben könnten die Hochschulen auch Kriterien wie etwa einen Migrationshintergrund festlegen, ergänzte sein Sprecher. Das Stipendium wird grundsätzlich zusätzlich zum Bafög gezahlt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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