Studie
Arbeitsexperten befürchten neue Abbauwelle im Osten

Dem Osten Deutschlands droht weiterer massiver Jobabbau: In den neuen Ländern könnten einer Studie zufolge auch langfristig bis zu eine Million Arbeitsplätze eingespart werden. Im Westen hingegen soll die Zahl der Erwerbstätigen kräftig um 2,3 Millionen steigen.

HB BERLIN. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in einer am Mittwoch veröffentlichten Projektion des Arbeitskräftebedarfs bis 2020.

Unter der Annahme von Status-Quo-Bedingungen - dass sich die Rahmenbedingungen also nicht wesentlich ändern - seien die Aussichten für den Osten damit noch schlechter als vor drei Jahren angenommen, schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) weiter. Für Gesamtdeutschland gebe es auf lange Sicht aber mit einem Zuwachs um rund 1,3 Millionen Erwerbstätige gute Chancen für einen moderaten Beschäftigungsaufbau.

Starke Beschäftigungsgewinne werden demnach vor allem die unternehmensnahen Dienstleistungen mit einem Zuwachs von etwa zwei Millionen Erwerbstätigen verzeichnen. In der Land- und Forstwirtschaft, im Bergbau und im Verarbeitenden Gewerbe wird sich der Beschäftigungsabbau der Studie zufolge dagegen fortsetzen. Die Arbeitsmarktforscher betonten, dass ihre Projektion nicht die Zukunft voraussagen könne, sondern Handlungsspielräume aufzeigen solle.

In einer weiteren Projektion befasste sich das IAB auch mit dem Arbeitskräfteangebot in Deutschland. Demnach wird das so genannte Erwerbspersonenpotenzial - also Erwerbstätige, Erwerbslose und stille Reserve - spätestens ab dem Jahr 2015 spürbar zurückgehen.

„Den Betrieben stehen langfristig immer weniger und immer ältere Arbeitskräfte zur Verfügung“, schreibt das IAB. „Die Zahl der Jungen sinkt dramatisch.“ Auch ein kräftiger Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen und eine hohe jährliche Netto-Zuwanderung von 200 000 Ausländern könnten diesen Prozess zwar verlangsamen, aber nicht mehr aufhalten. Bis zum Jahr 2020 ginge demnach das Arbeitskräfteangebot um rund 1,4 Millionen Menschen zurück, bis 2050 sogar um neun Millionen.

Die Altersstruktur werde sich mit dem allmählichen Annähern der geburtenstarken Jahrgänge ans Rentenalter zudem deutlich nach oben verschieben. „Eine abnehmende Zahl jüngerer Arbeitskräfte könnte in Verbindung mit einem Stillstand der Bildungsentwicklung schon bald zu ernsthaften Problemen bei der Rekrutierung qualifizierter Fachkräfte führen“, warnte das Institut.

Aussagen zur langfristigen Entwicklung der Arbeitslosigkeit - also zur Bilanz von Bedarf und Angebot an Arbeitskräften - machte das IAB nicht, da sich die zu Grunde liegenden Daten nicht kurzerhand vergleichen ließen. Eine entsprechende Studie folge in den nächsten Wochen.

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