Studie
Arbeitsmarktexperten warnen vor Rente mit 67

Arbeitsmarktexperten befürchten, dass die Einführung der Rente mit 67 bis zum Jahr 2030 mit einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit einhergehen würde. Vor allem Jüngere und Niedrigqualifizierte wären die Verlierer einer solchen Entlastung der Rentenkassen.

HB NÜRNBERG. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit müssten bis zu drei Millionen Jobs zusätzlich entstehen, um die Reform am Arbeitsmarkt verkraften zu können. Die von 2012 an geplante schrittweise Anhebung der Altersgrenze würde ausgerechnet die geburtenstarken Jahrgänge der sechziger Jahre besonders stark treffen.

So werde die neue Altersgrenze von 67 Jahren im Jahr 2030 voll zum Tragen kommen. Just zu dieser Zeit komme die „Babyboomer“-Generation ins Rentenalter. „Zusammen genommen, ergibt das eine gewaltige Zunahme an älteren Arbeitskräften“, warnen die Arbeitsmarktforscher. Verschärft würde die Lage zudem, wenn die angestrebten Maßnahmen der Politik zur Eindämmung der Frühverrentungen Wirkung zeigten.

Damit die Arbeitslosigkeit nicht ansteige, müssten damit je nach Lage der Dinge „zwischen 1,2 Millionen und deutlich mehr als drei Millionen möglichst sozialversicherungspflichtige Jobs zusätzlich entstehen“, erklären die IAB-Experten. Die Opfer der Reform könnten sonst vor allem jüngere Menschen sein, da zu wenig ältere Beschäftigte aus dem Berufsleben ausscheiden und Arbeitsplätze freimachen.

Vor allem drohe sich aber für gering Qualifizierte die Lage am Arbeitsmarkt weiter zu verschlechtern. Während bei Akademikern heute zwei Drittel sowie bei den Handwerksmeistern und Technikern mehr als die Hälfte im Alter von 60 bis 64 Jahren noch erwerbstätig seien, „ist es bei den Personen ohne Berufsabschluss nicht einmal jeder Vierte“, mahnen die Experten.

Ohne zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen für ältere Mitarbeiter sei „mit einer größeren Zahl an Problemfällen zu rechnen“. Insgesamt werde die Reform, deren Notwendigkeit die Studienautoren nicht bestreiten, die einst wegen des Geburtenrückgangs erhoffte demographische Entlastung am Arbeitsmarkt „erheblich verzögern“.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, sagte, die IAB-Studie „bestätigt unsere schlimmsten Befürchtungen“. Wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht deutlich bessere, bedeute die Rente mit 67 für Ältere die Entlassung in Arbeitslosigkeit und Altersarmut. „Den Jungen wird die Eingangstür zum Arbeitsmarkt vor der Nase zugeschlagen“, sagte Ernst und kündigte einen Antrag zum Verzicht auf die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters an.

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