Studie
Armutsrisiko für westdeutsche Senioren besonders hoch

Das Armutsrisiko für alte Menschen in Deutschland nimmt zu. Dabei sind einer Studie zufolge vor allem Bürger in Westdeutschland betroffen. Für Unmut sorgen auch Pläne der Großen Koalition zur Erfassung älterer Arbeitsloser.

HB BERLIN. Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich in Deutschland einer Studie zufolge weiter geöffnet. Das obere Fünftel der Bevölkerung hat demnach ein über vier Mal so hohes Einkommen wie die am wenigsten begüterten 20 Prozent, wie das Statistische Bundesamt zu der Umfrage „Leben in Europa“ mitteilte. Darin wurden EU-weit vergleichbare Daten über Armut und soziale Ausgrenzung im Jahr 2005 ermittelt.

Damit vergrößerte sich binnen Jahresfrist die Kluft zwischen Arm und Reich um 0,3 Prozentpunkte. Deutschland entwickelte sich damit gegen den Trend in der Europäischen Union (EU), in der die Einkommensunterschiede laut Europäischem Statistikamt insgesamt sogar leicht zurückgingen.

Besonders Menschen über 65 Jahre in den alten Bundesländern sind der Studie zufolge in Deutschland zunehmend von Armut bedroht. Von ihnen waren demnach im Jahr 2005 rund 14 Prozent von Armut gefährdet, weil sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen mussten. In den neuen Ländern und Berlin waren es neun Prozent. Von allen Bundesbürgern war jeder Achte armutsgefährdet.

Der Anteil der von Armut bedrohten Bevölkerung stieg damit gegenüber dem Vorjahr von 12 auf 13 Prozent. Ohne staatliche Unterstützungszahlungen wäre das Risiko noch deutlich höher: Werden Sozialtransfers (außer Pensions- und Rentenzahlungen) nicht als Einkommen verbucht, lag die Armutsgefährdungsquote 2005 bei 26 Prozent. Von den Jugendlichen unter 18 Jahren wäre der Studie zufolge jeder Dritte armutsgefährdet. Erst bei Einbeziehung der Sozialtransfers fällt die Quote auf zwölf Prozent.

„Doch auch die Abhängigkeit von staatlichen Stellen ist eine Art von Armut“, betonte der Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge. „Daran wird deutlich, wie jung die Armut in Deutschland ist.“ Zugleich drohe wegen sinkender Erwerbstätigenzahlen, Rentenstagnation und der nachgelagerten Besteuerung von Ersparnissen eine „Re-Seniorisierung“ der Armut.

Das mittlere verfügbare Jahreseinkommen der Bevölkerung lag 2005 bei 15.617 Euro pro Person. Als armutsgefährdet galten alleinlebende Personen, wenn sie weniger als 9.370 Euro im Jahr beziehungsweise 781 Euro im Monat zum Leben hatten. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren galt bei einem verfügbaren Jahreseinkommen von weniger als 19.677 Euro oder 1.640 Euro monatlich als armutsgefährdet.

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