Studie
CDU verliert Mitglieder

Eine Abkehr vom Reformkurs käme bei der Basis der CDU nicht gut an. Dies legt eine aktuelle Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nahe, die den Trend zur Aktivistenpartei konstatiert: Danach sind 64 Prozent der Parteimitglieder der Meinung, die CDU sollte mehr Wert auf den Begriff Reform legen. Wie sich die Mitgliedschaft der CDU zusammensetzt.

BERLIN. Nur 25 Prozent glauben, der Begriff beschreibe den Parteikurs ohnehin schon gut. In der Umfrage wird erstmals seit 1993 detailliert untersucht, wie sich die Mitgliedschaft der CDU zusammensetzt und wo ihre politischen Präferenzen liegen. Wobei sich in der Zwischenzeit manches verändert hat – insbesondere ist die Zahl der Mitglieder drastisch zurückgegangen. 1993 gab es noch rund 685 000 CDU-Mitglieder, heute sind es weniger als 450 000.

Was aus Sicht der Verfasserin der Studie, der Parteienforscherin Viola Neu, allerdings kein Krisenzeichen sein muss: Offenbar sind es vor allem die passiven Mitglieder, die ihr Parteibuch zurückgeben. Das Aktivitätsniveau der verbliebenen Mitglieder sei in den letzten Jahren dramatisch gestiegen, heißt es in dem Papier: Fast jeder Zweite (44 Prozent) kann sich vorstellen, ein Amt oder Mandat zu übernehmen. Bei der letzten Mitgliederumfrage 1993 war es nur jeder Vierte. 44 Prozent bevorzugten damals die passive Mitgliedschaft, heute nur noch 28 Prozent.

In den Daten könnte sich ein „neuer Mitgliedertyp abzeichnen“, schreibt Viola Neu. Die passive Unterstützung der Partei durch Mitgliedschaft könnte als Motiv in den Hintergrund getreten sein. „Möglicherweise treten nur noch solche Mitglieder in Parteien ein, die sich auch politisch engagieren wollen.“ Das Bedürfnis nach Geselligkeit spielt denn auch eine immer geringere Rolle: 1993 wünschte sich noch jeder Dritte mehr Versammlungen, heute nur noch jeder Vierte.

Die Parteimitgliedschaft wird dabei offenbar auch immer mehr zu einer Domäne der finanziell und bildungsmäßig gut ausgestatteten Schichten. Die Arbeiterschaft hat in der CDU seit 1993 stark an Boden verloren: Ihr Anteil ging von 16 Prozent auf sechs zurück. Stark zugenommen hat dagegen der Anteil der gehobenen und höheren Beamten und Angestellten: Heute sind es 46 Prozent, 1993 waren es noch 29 Prozent. 1993 hatten 43 Prozent der Mitglieder Hauptschul-, 32 Prozent Realschulabschluss und 25 Prozent Abitur. Heute haben sich die Verhältnisse fast umgekehrt: Abitur haben 46 Prozent, mittlere Reife 31 Prozent und Hauptschulabschluss nur noch 19 Prozent.

Stark ausgeprägt ist nach wie vor die kirchliche Bindung in der CDU. Etwa jedes zweite Parteimitglied ist stark kirchengebunden, rund 40 Prozent schwach, nur sechs Prozent überhaupt nicht. 1993 war noch knapp jedes zweite Mitglied schwach kirchengebunden, etwas unter 40 Prozent stark und rund 13 Prozent gar nicht.

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