Studie
Dax-Konzerne sparen weiter bei Ausbildung

Im vergangenen Sommer hatte die Bundeskanzlerin höchstpersönlich die großen deutschen Konzerne brieflich aufgefordert, endlich mehr Lehrlinge einzustellen. Es hat offenbar nichts genutzt. Die Dax-Unternehmen bilden einer Umfrage zufolge nicht nur unterdurchschnittlich aus – ihr Engagement ist trotz anziehender Konjunktur auch zurückgegangen. Den Negativrekord hält wie im Vorjahr ein bestimmtes Haus.

BERLIN. Nach der heute veröffentlichten Umfrage der Bundestagsfraktion der Grünen lag die Ausbildungsquote der 28 Dax-Firmen, die Zahlen nannten, 2006 in Deutschland gerade mal bei 4,9 Prozent – 2005 waren es bei damals 25 auskunftswilligen Unternehmen noch 5,8 Prozent. Das ist deutlich weniger als in der Gesamtwirtschaft, in der Azubis 2005 nach dem Berufsbildungsbericht 6,5 Prozent der Vollzeitbeschäftigten stellten.

Dabei gilt: Je größer die Unternehmen, desto kleiner der Anteil der Lehrlinge. Bei Unternehmen ab 500 Mitarbeiter waren es 2005 lediglich 5,6 Prozent – die Dax-30-Häuser befanden sich zumindest 2005 hier also noch unter Gleichgesinnten. Zahlen für 2006 gibt es für die Gesamtwirtschaft noch nicht.

Den Negativrekord hielt 2006 wie im Vorjahr Adidas: Der Sportartikelhersteller hat seine Azubi-Quote sogar noch von zwei auf 1,6 Prozent gesenkt. Kaum besser schneiden die Lufthansa (1,9), Hypo Real Estate Holding und SAP mit je zwei Prozent ab.

Bei Infineon, Deutsche Postbank und Continental sind es weniger als vier Prozent. Die meisten Unternehmen haben ihre niedrige Ausbildungsleistung bisher damit begründet, dass sie nur soviel Lehrlinge ausbilden wollen, wie sie auch übernehmen können. Lediglich Continentel bildet bewusst mehr Azubis aus, damit diese anderswo eine Chance erhalten. Insgesamt bilden lediglich knapp ein Viertel aller Unternehmen überhaupt aus, gleichzeitig häufen sich jedoch zuletzt die Warnungen vor einem drohenden Fachkräftemangel, vor allem wenn in wenigen Jahren die Zahl der Schulabgänger deutlich zurück geht.

Regelrecht eingebrochen ist nach den Angaben der Grünen die Ausbildungsleistung der Deutschen Bank und von Tui. 2005 zählten sie mit gut elf Prozent noch zu den Top-Ausbildern – jetzt sind ihre Ausbildungsquoten auf gut 5 und 6 Prozent abgestürzt. Die Deutsche Bank relativierte am Donnerstag die Zahlen gegenüber dem Handelsblatt. Nach Aussage des Konzerns ist ihre Ausbildungsquote im Gesamtkonzern in Deutschland nur leicht von sechs auf 5,7 Prozent gesunken. Mehr als elf Prozent seien es 2005 lediglich im Privatkundengeschäft gewesen, dieser Wert sei ebenfalls leicht auf nun 10,7 Prozent zurück gegangen.

Weit überdurchschnittlich bildet mit inzwischen fast neun Prozent nur noch die Metro aus. Deutlich hochgeschraubt haben ihre Ausbildungsanstrengungen auch Fresenius Medical Care, BASF und VW.

Insgesamt hätten die Unternehmen dieses mal schneller und offener Auskunft gegeben, berichten die Grünen. Lediglich die Deutsche Börse AG weigerte sich erneut, Zahlen zu nennen. Die Deutsche Post AG lieferte wie im Vorjahr unbrauchbare Angaben, aus denen sich keine Ausbildungsquote für Deutschland errechnen ließ.

Insgesamt hat die Gesamtwirtschaft im vergangenen Jahr wieder mehr Auszubildende neu eingestellt. Dennoch waren trotz Ausbildungspakt, der jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen einen Platz in Aussicht stellt, Anfang 2007 noch immer rund 17 000 Jugendliche unversorgt. Zudem steigt seit Jahren die Zahl der Altbewerber.

In diesem Jahr könnten erstmals wieder mindestens 600 000 neuer Lehrverträge abgeschlossen werden. Der DIHK zumindest hält eine entsprechende Prognose der Bundesregierung für durchaus realistisch.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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