Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft
Kita-Ausbau bringt dem Staat satte Rendite

Ein flächendeckendes Angebot von Kindergartenplätzen lohnt sich für den Staat auch finanziell. Langfristig könne er mit den dafür nötigen Milliarden eine satte Rendite von acht Prozent erreichen – selbst wenn er sämtliche Kindergartenplätze kostenfrei stellt.

BERLIN. Dass sich ein flächendeckendes und qualitativ hochwertiges Angebot von Kindergartenplätzen auch finanziell für den Staat lohnt, ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Im Gegenzug fallen weniger Kosten in der Schule und der Berufsvorbereitung an sowie mehr Steuern von qualifizierteren Arbeitnehmern.

Das Geld für zusätzliche Investitionen sei durchaus vorhanden, rechnete IW-Chef Michael Hüther vor: Wegen der sinkenden Schülerzahlen spare der Staat schon ab 2012 jährlich bis zu zehn Mrd. Euro. Stecke er diese in ein flächendeckendes Angebot von gebührenfreien Kindergartenplätzen, eine Hochschul-Ausbildung und entsprechend höhere Löhne der Erzieherinnen sowie den Ausbau aller Grundschulen zu Ganztagsschulen samt Betreuung durch Sozialpädagogen führe das zu immensen Einsparungen: Weil besser geförderte Kinder früher eingeschult werden könnten und weniger Nachqualifizierung vor der Berufsausbildung nötig sei, spare der Staat jährlich gut vier Mrd. Euro, so das Modell, das bis 2050 kalkuliert ist.

Zudem nehme er im Schnitt fast 14 Mrd. Euro zusätzlich an Steuern und Sozialabgaben ein, weil besser qualifizierter Nachwuchs weniger oft arbeitslos ist und mehr verdient. Im Schnitt könne das Bruttosozialprodukt um einen Zehntelpunkt höher ausfallen, heißt es in der IW-Studie für die „Wissensfabrik“, einen Verbund von 50 Unternehmen zur Förderung von Bildung. Deutlich geringer fällt die Rendite nach der Modellrechnung allerdings aus, wenn der Staat nur Plätze für alle anbietet und Gebühren abschafft, aber nicht in die Qualität investiert. In der Billigversion beträgt die Verzinsung nur drei Prozent.

Auch der BASF-Chef und Mitgründer der Wissensfabrik, Jürgen Hambrecht, mahnt mehr Investitionen in frühkindliche Bildung an, um den Standort Deutschland zu sichern. 2005 hätten 78 000 Schulabgänger nicht einmal einen Hauptschulabschluss geschafft – andererseits fehlten jedem siebten Unternehmen schon heute Fachkräfte. Pisa habe gezeigt, dass Kinder, die den Kindergarten besuchten, Altersgenossen später um bis zu einem Jahr voraus seien.

Um die frühkindliche Bildung bundesweit voranzubringen, müssten die Länder allerdings ihr „Klein-Klein“ beenden. Dass die Föderalismusreform deren Bildungshoheit gestärkt hat, „war möglicherweise falsch“, sagte Hambrecht. Nötig sei nun ein Staatsvertrag von Bund und Ländern, der auch Kommunen und die Wirtschaft einbinde.

Angesichts der erzielten Rendite sei es durchaus „ökonomisch sinnvoll“, Eltern die Kindergarten-Gebühren ganz zu erlassen, argumentierte Hüther. BASF-Chef Hambrecht hingegen ist zumindest nicht eindeutig für eine absolute Gebührenfreiheit. Es sei durchaus richtig, wenn die Eltern, denen der Kindergarten ermögliche zu arbeiten, auch „einen Beitrag leisten“. Andererseits müsse man klären, ob die hohe und nach Einkommen gestaffelte deutsche Einkommensteuer nicht auch rechtfertige, dass der Staat für das Angebot an Kindergartenplätzen aufkommen müsse.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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