Studie des Statistischen Bundesamtes
Ab dem dritten Kind droht Armut

Von Armut bedroht sind vor allem Alleinerziehende und Eltern mit drei oder mehr Kindern. Diese in der Tendenz bekannte These untermauern nun neue Daten, die das Statistische Bundesamt vorgestellt hat. Laut der Studie steigt das Armutsrisiko mit der Geburt des dritten Kindes mitunter drastisch an.

BERLIN. Ab dem dritten Kind wächst bei alleinerziehenden Eltern das Risiko unter die Armutsschwelle zu rutschen von 27 auf mehr als 40 Prozent. Aber auch bei Paaren liegt das Armutsrisiko in diesem Fall rund anderthalb mal so hoch als mit ein oder zwei Kindern. Die Armutsgrenze ist dabei definiert als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens.

Diese Daten, die das Statistische Bundesamt am Dienstag vorstellte, bieten Rückenwind für Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die die geplante Kindergelderhöhung ab 2009 auf Familien mit mehreren Kindern konzentrieren will. Sobald im Herbst der Existenzminimum-Bericht vorliege, müsse man „nicht nur über eine Erhöhung der Leistung sprechen, sondern auch darüber, wie wir das Kindergeld so gestalten, damit es dort wirkt, wo es am nötigsten gebraucht wird“, sagte von der Leyen. Die SPD hingegen will tendenziell jedes Kind gleich fördern. Im Zweifel sollen Eltern Sachleistungen erhalten. Dem widerspricht der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Johannes Singhammer: „Eltern brauchen Bares.“

Derzeit erhalten Eltern im Regelfall monatlich 154 Euro Kindergeld pro Kind, ab dem dritten Kind sind es 179 Euro. Gutverdiener ab einem Jahres-Haushaltseinkommen von 60 000 Euro schneiden aufgrund des alternativen Kinderfreibetrags bei der Steuer besser ab als mit Kindergeld. Spitzenverdienern bringt dieser bis zu 230 Euro pro Kind.

Entscheidender Faktor für die finanzielle Lage der Eltern ist die Erwerbstätigkeit. Hier ist die traditionelle Rollenteilung längst passé: 2007 waren von allen Paaren mit Kindern bei gut der Hälfte beide erwerbstätig. In 35 Prozent der Fälle arbeitete nur der Vater, in fünf Prozent nur die Mutter.

Vollzeit arbeiten allerdings vor allem Männer. Von den Eltern, die beide erwerbstätig sind, ging in drei Viertel der Fälle der Mann Vollzeit arbeiten und die Frau Teilzeit. Nur bei 22 Prozent arbeiteten beide voll. Noch eine Randerscheinung von zwei Prozent sind vollzeitarbeitende Frauen mit teilzeit-arbeitendem Partner. Das gilt ebenso für die drei Prozent starke Gruppe der Eltern-Paare, die beide Teilzeit arbeiten.

Bestätigt sieht sich von der Leyen auch von den neuesten Zahlen zum Elterngeld. Hier ist der Anteil der Väter nach der Einführung Anfang 2007 im Lauf des Jahres von sieben auf zwölf Prozent gestiegen. Im ersten Quartal 2008 waren es sogar 19 Prozent der Väter von 2007 geborenen Kindern, die Elterngeld beantragten.

Dieser extreme Anstieg sei jedoch nicht Ausdruck einer binnen Jahresfrist entflammten Kindes-Begeisterung, sondern vor allem ein mathematischer Effekt, erläuterten die Statistiker. Denn da die Väter in der Regel nach den Müttern Elterngeld beantragen, können sich deren Anträge für 2007 geborene Kinder noch bis ins Jahr 2009 erstrecken. Der „richtige Männeranteil“ dürfte daher am oberen Rand liegen.

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