Studie

Erneuerbare machen den Strom deutlich teurer

Der Umstieg auf erneuerbare Energien könnte mehr finanzielle Opfer erfordern als bislang angenommen. Einer Studie zufolge könnte die Energiewende 2020 im Vergleich zu 2011 die Verbraucher bis zu 60 Prozent mehr kosten.
Update: 02.05.2012 - 07:48 Uhr 47 Kommentare
Der Studie zufolge werden die Stromkosten im Zuge der Energiewende deutlich steigen. Quelle: ZB

Der Studie zufolge werden die Stromkosten im Zuge der Energiewende deutlich steigen.

(Foto: ZB)

DüsseldorfDie Energiewende wird Strom einer aktuellen Studie zufolge deutlich verteuern. Im Jahr 2020 müssen die Stromverbraucher 21,5 Milliarden Euro an Kosten tragen, die durch den Umstieg auf die erneuerbaren Energien verursacht werden. Dies haben die Energieexperten der Unternehmensberatung McKinsey in einer aktuellen Studie errechnet, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Das sind 60 Prozent mehr als die 13,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

McKinsey hat ausgerechnet, wie der Umstieg auf erneuerbare Energien auf die Strompreise durchschlägt. In den Kosten ist zum einen die Differenz zwischen den hohen Preisen, mit denen Strom aus Wind- und Solaranlagen nach dem Erneuebare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet wird, und dem Strompreis an der Energiebörse enthalten. Zum anderen sind die höheren Netzentgelte einberechnet, mit denen die zusätzlich benötigten Leitungen finanziert werden. Insgesamt werden sich die Kosten zwischen 2011 und 2020 der Studie zufolge auf 175 Milliarden Euro summieren.

„Die finanziellen Belastungen durch die Energiewende sind enorm“, sagt McKinsey-Experte Thomas Vahlenkamp, „die Hauptlast werden die privaten Haushalte tragen.“ Für sie wird der Strompreis je Kilowattstunde der Prognose zufolge von 25,9 Cent im Jahr 2011 auf 29,0 Cent im Jahr 2020 klettern. Dabei wird der Anteil der Kosten für die Energiewende von 4,2 auf 6,3 Cent steigen. Die Industrie wird 2020 dann 14,7 (12,7) Cent je Kilowattstunde bezahlen müssen. Davon entfallen 4,9 (3,5) Cent auf die Kosten der Energiewende.

Trotz der großen Anstrengungen kann Deutschland der Studie zufolge seine ambitionierten Klimaschutzziele aber faktisch nicht erreichen. Der Regierung zufolge sollen die Emissionen des klimaschädlichen CO2 bis 2020 verglichen mit dem Basisjahr 1990 um 40 Prozent sinken. Die Unternehmensberater halten aber selbst in ihrem optimistischsten Szenario höchstens eine Reduktion um 31 Prozent für realistisch - womit Deutschland aber immer noch weltweiter Vorreiter wäre. Im Gegensatz zur Bundesregierung hält McKinsey einen Rückgang der Stromnachfrage für unrealistisch. Die Berater rechnen sogar damit, dass die Nachfrage um 0,3 bis 0,4 Prozent pro Jahr steigt.

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47 Kommentare zu "Studie: Erneuerbare machen den Strom deutlich teurer"

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  • Danke, eine sehr hilfreiche und eindeutige Überschrift mit unmissverständlichem Informationsgehalt: "Einer Studie zufolge könnte die Energiewende 2020 im Vergleich zu 2011 die Verbraucher bis zu 60 Prozent mehr kosten."

    Trifft genau die Sorgen "kleinen Mannes", leider sind es effektiv nur die von "Christian" errechneten 11,97 % Prozent Mehrkosten wenn man den gesamten Kilowattstundenpreis betrachtet.

    Aber so gibts vielleicht tolle Zitate à la: "Laut Handelsblatt-Berichten, die sich auf Untersuchungen von McKinsey berufen, wird den Stromkunden der Umstieg auf erneuerbare Energien teuer zu stehen kommen - die Experten rechnen mit 60 % höheren Strompreisen." Dazu dann noch die 600.000 Kunden, denen der Strom abgestellt wird (natürlich nur wegen den erheblichem Mehrkosten von derzeit 3,53 Cent bald sogar 3,59 Cent pro KWh aus der EEG-Umlage) und fertig ist das EE-Horroszenario und als armer, gescholtener Bürger sehnt man sich dann wieder nach der guten alten vermeintlich günstigen Kernenergie.

    Ich finde nicht, dass solche Überschriften einer sachlichen Auseinandersetzug mit der Thematik dienen.

  • Eben, eben, aber nur in Deutschland! Ab in die Urzeit: Übrigens auch mit Kartoffeln kann man galvanische Elemente bauen! Da muß man auch kein Wasser kochen. Im Wettbewerb um die schlechtesten Wirkungsgrade kann man damit sogar noch die meisten Dünnschichtsolarmodule (7 %) untertreffen!

  • Hallo "gehtsnoch"
    Normalerweise wird der Strom an der Leipziger Strombörse für weniger als 6 ct/kWh gehandelt. 8 ct/kwh
    stellen also schon eine Preissteigerung von 33 % dar! Das kann man doch nicht wirklich wollen! Bitte die zitierten Preisangaben nicht mit den Endkundenpreisen verwechseln, da sind nämlich noch die Netzkosten und die Gewinne und die Steuern drin.
    Übrigens: Günstige und zuverlässsige Speichersysteme sind keine in Sicht! Grüne Traumbilder sind oft trügerisch!

  • Ich bin einfach nur noch fassungslos, was in Deutschalnd passiert!
    Wir werden hier für dumm verkauft.
    Die Engerieversorger haben seit der Währungsumstellung den Srompreis von 20 Pfennigen pro KWh auf heute zum Teil über 22 Euro-Cent pro KWh erhöht. Nach meinem Verständnis sind das über 100% in noch nicht mal 10 Jahren! Jetzt sollen die Erneuerbaren Energien für diese Preiserhöhungen herhalten!
    Wieso schaffen es einzelne Gemeinden energetisch autark mit erneuerbaren Engerien Strompreisen weit unter den 22 Ct/KWh darzustellen?
    Ganz einfach durch Bürgemodelle und sinnvolle lokale Beteiligungen. Die Wertschöpfung und Steuern bleiben im Kreis oder Land.
    Durch eine dezentrale Stromversorgung entstehen keine neuen Durchleitungskosten, wie es die Netzbetreiber uns glauben machen wollen. Der Netzausbau wäre in diesem Maße wie von McKinsey und Co. derzeit prognostiziert gar nicht erforderlich.
    Durch die Kombination von lokalen Blockheizkraftwerken in Verbindung mit Photovoltaik und On-Shore Windparks lassen sich alle Lastkurven lokal darstellen.

    Das scheint aber nicht gewollt zu sein, dass wir Bürger unabhängig sind!

  • Das sind ja Erkenntnisse, der Benzinpreis ist von 2002 bis 2010 um 72% gestiegen. Da treiben die Erneuerbaren ja deutlich weniger die Preise.

  • Merwürdig dass der eingespeiste Strom der Erneuerbaren Energien lediglich unter "Kosten" verbucht wird. Die vermiedenen Kosten für den Einkauf von fossilen bzw. nuklearen Brennstoffen werden nie erwähnt. Nicht zuletzt die Zunahme des nicht monetär zu beziffernde Werts an Lebensqualität für Menschen, die solar Strom erzeugen oder anderswie dezentral Strom erzeugen das sind alles Faktoren die offensichtlich gar nicht zählen.

  • Über Atomstrom schreiben sie zwar viel Unsinn, aber ich muss zugestehen dass ich Sie bewundere dass Sie sich durch PV ohne Förderung versorgen können. Das ist wenn es wahr ist ein wirklicher Durchbruch besonders wenn kein Lebensqualitätsverlust eintritt. Natürlich kann man ihr Beispiel nucht auf jeden Normalbürger übertragen aber wenn nur ein Bruchteil von einem Promill ähnliches schaffen könnte wäre dies ein Durchbruch. Sie sollten Ihre Efahrungen anderen Bürgern zur Verfügung stellen.
    Nur zum Atomstrom unnd der sogenannten Energiewende:
    Dank der grosszügigen Förderungen von EE und insbesonderen der PV bereichern sich verhältnismässig Wohlhabende auf Kosten von sozial schwächer gestellten, dies ist inzwischen Allgemeinwissen. Der Anteil der EE ist zwar an der Stromversorgung gestiegen, aber wegen des Atomausstieges ist auch der Anteil an Strom erzeugt aus Braunkohle (der schmutzigsten Art und Weise der Stromerzeugunng) ebenfalls gestiegen, genau gesagt um 10TWh im letzten Jahr.
    Statistisch gesehen ist eine produzierte TWh aus Braunkohle für den frühzeitigen Tod von 32 Menschen und für 355 schweren Erkrankungen verantwortlich. Folgedessen kann man sagen dass letztes Jahr wegen des beschleunigten Atomausstieges hunderte von Menschen frühzeitig verstorben sind und tausende schwer erkrankten. Über die Jahre gesehen wird dieser beschleunigte Atomausstieg mehr Opfer verursachen als Tschernobyl. Und das zu Mehrkostenosten für die Stromversorgung von über €20 Milliarden pro Jahr - Tendenz steigend.
    Sie dürfen nicht nur die Kosten für die EE-Umlage miteinrechnen sondern auch die Steuerausfälle durch die gesunkkenen Gewinne der Energieversorger. Weiters sind die Energieversorger zu einem beachtlichen Anteil im Besitz von Ländern und Kommunen. Und diesen Ländern und Kommunen fehlen nun die Dividenden für die Unterstützung von Kinderbeträuungsplätze, Förderungen für Kultur & Sport etc. Schäuble will keinen Cent extra dafür springen lassen.

  • Atomstrom ist eine Katastrophe und sollte lediglich als Übergangstechnik zwischen Kohle-, erneuerbaren bzw. Fusionskraftwerken gesehen werden. Wer heute pro Atomstrom redet, kennt sich mit der Materie wohlmöglich nicht so ganz aus und das ist das eigentlich gefährliche an der ganzen Debatte. Es werden immer wieder nur Halbwahrheiten und Gerüchte gestreut, die niemand nachprüfen kann und die gleichzeitig ein großes Beeinflussungspotential besitzen.
    Jeder Interessierte Mensch weiß über das unglaubliche Gefahrenpotential zu berichten, welches von AKW's ausgeht. Nur die wenigsten wissen allerdings, dass es sich bei diesen Anlagen um nicht versicherbare GmbH's handelt. Würde das vorhandene Risiko in eine Versicherung eingerechnet, so ergäbe sich ein realer KWh-Preis von etwa 3€. Anders herum: Wenn ein AKW einen GAU hat, dann kann Deutschland großflächig geräumt werden. Wenn ein 20MW-Solarfeld oder eine 5MW Windturbine einen GAU erleben, dann ist das bestenfalls ärgerlich und auch teuer. Es liegt also eigentlich auf der Hand, dass wir zwar viel von den Preisen hören, aber von dem immensen Risiko nichts wissen wollen. Gleichzeitig vermisse ich immer wieder das Vortragen eigener Lösungen, die zur Verminderung des Energieverbrauchs beitragen. Und ich meine nicht das Einschrauben einer 7W-Energiesparlampe. (Auch so ein Begriff, den es nur in Deutschland gibt!). Ich selbst habe vor mehr als 10 Jahren mit dem Aufbau meiner Autonomie mitten in einer Münchner Mietwohnung begonnen. Es war innerhalb von nur 2 Jahren möglich, unseren Energieverbrauch von 4.700kWh/a dauerhaft auf 960kWh/a zu senken. Mittlerweile habe ich ein 100 Jahre altes Haus gekauft und kann dort mittels PV sowohl die komplette Wäremenergie als auch alle elektrische Energie erzeugen. Einspeisen wollte ich nie und alles Erbaute wurde ohne einen einzigen Cent Förderung gebaut. Der Erkenntnisgewinn war jedoch enorm und ich habe mittlerweile einige Mitstreiter gewonnen.

  • Die Energiewende ist eindeutig in die Hose gegangen. Man sollte sich nun mal darauf beschränken Schadensminderung zu betreiben.
    Die Verringerung der Einspeisevergütung für PV-Strom war einmal ein Schritt in die richtige Richtung, aber leider ein zu kurzer. Die Vergütung hätte auf 7-8c/kWh reduziert werden sollen. Denn das ist mehr oder weniger der Wert des Erdgases das sonst zur Stromerzeugung verwendet werden müsste. Die PV-Betreiber sollen schauen dass sie den Strom selbst zum Grossteil irgendwie verbrauchen. Mit den heutigen Preisen kann man sich durch PV-Strom schon alleine bei eigener Verwendung 10c/kWh verglichen zum Energieversorger ersparen.
    Eigenheimerrichter sollten erwägen elektrisch betriebene Wärmetauscher anstatt den üblichen Gas- oder Ölthermen zu verwenden. Mit 15c/kWh können die dann aus einer kWh PV-Energie im Schnitt 4kWh thermische Energie für die Heisswasserspeicherung und Heizung erzeugen. Dies würde mit fossilen Brennstoffen 25-40c kosten. Der daraus resultierende Gewinn deckt bei richtiger Dimensionierung die Verluste bei den nun geringeren Rückspeisungen in das Netz.
    Wärmepumpen werden heutzutage drehzahlvariabel gebaut. Mit etwas Intelligenz in der Steuerung dieser gekoppelt mit einem intelligenten Zähler kann die Leistung je nach Sonne hinauf und hinuntergefahren werden. Der Eigenverbrauch aus PV-Stromerzeugung kann dadurch maximiert werden.
    Man sollte bestehende PV-Erzeuger ermutigen auf Wärmepumpen zu wechseln und somit zu einem neuen Einspeisevertrag wechseln. Es muss eine win-win Situation geschaffen werden sodass die Kosten der EE in Grenzen gehalten werden können.
    PV ist entwickelt genug und braucht keine weitere Stützung!

  • Speicher braucht man nicht nur bei Windenergie, sondern auch bei Kohle und Atom, weil nachts kaum Strom verbraucht wird und die Grundlastwerke sowohl aus technischen wie aus wirtschaftlichen Gründen kaum für Stunden abschaltbar sind.
    PV Strom wird übrigends nur zur Spitzenverbrauchszeit erzeugt und braucht keine Speicher.
    Frankreich braucht viele große Speicher wegen KKW anteil von 80%. Deutschland exportiert nachts überschüssigen Grundlaststrom billig und importiert teuer am Tage.
    Wenn's denn nur so einfach wäre, wie RWE und EON erzählen.

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