Studie
FDP ist keine Stadt-Partei

Das maue Bremer Wahlergebnis im vergangenen Jahr und die schlechten Umfragewerte in Hamburg für die Landtagswahl Anfang 2008 sorgen bei der FDP-Spitze schon länger für Nervosität. Nun haben es die Wahlstrategen in Berlin schriftlich: Die Liberalen treffen ausgerechnet in den Großstädten, ihrem natürlichen Wählerreservoir, nicht wie erhofft das Lebensgefühl der Menschen.

BERLIN. Das jedenfalls geht aus dem Abschlussbericht der FDP-Arbeitsgruppe „Großstadtoffensive“ hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. In dem Strategiepapier für die 2008 anstehenden Landtagswahlen und die Bundestagswahl 2009 kommen die Liberalen unter dem Vorsitz der Düsseldorfer Bundestagsabgeordneten Gisela Piltz trotz einiger Erfolge zu dem niederschmetternden Ergebnis: „Dennoch gelingt anderen Parteien besser als der FDP, das weltoffene Milieu in den Großstädten zu erreichen. So konnten die Grünen bei der Bundestagswahl 2005 – entgegen ihrem bundesweiten Abschneiden – ihre Stellung als drittstärkste Partei in den Großstädten festigen.“

Die Analyse, an der die Arbeitsgruppe über drei Jahre gearbeitet hat, flattert Parteichef Guido Westerwelle zu einem ungelegenen Zeitpunkt auf den Tisch – knapp drei Monate vor den Landtagswahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Obwohl die Liberalen Bürgermeister Ole von Beust näher stehen, denkt der CDU-Politiker bereits laut über eine schwarz-grüne Koalition nach. Die FDP dümpelt bei drei Prozent und kommt im Gegensatz zu den Grünen nicht vom Fleck.

Schwach schnitt die FDP bei der Bürgerschaftswahl 2006 in Bremen mit sechs Prozent ab. Gewinner bei den städtischen Wählern waren erneut die Grünen, die jetzt mit der SPD regieren. Doch auch in anderen Großstädten sieht es nicht besser aus (siehe „Städter wählen lieber grün“). In Frankfurt/Main regiert Schwarz-Grün. In Berlin erreichte die FDP 2007 ihren höchsten Stimmanteil mit 7,6 Prozent – Ergebnisse, mit denen die Strategen im Thomas-Dehler-Haus nicht zufrieden sein können.

Denn die Liberalen wissen: Sie müssen noch stärker als ihre politische Konkurrenz in den Städten punkten: „Um in Zukunft wieder erfolgreiche Großstadt-Politik zu machen, muss es der FDP gelingen, das großstädtische Milieu (...) wieder stärker zu durchdringen“, fordert die Arbeitsgruppe. Doch das gelingt nicht wie erhofft. „Trotz ihrer freiheitlichen Grundwerte, ihrer modernen Programmatik und Weltoffenheit hat die FDP noch nicht die Akzeptanz, die für die Zukunft wünschenswert ist,“ heißt es. Damit nicht genug. Die 18 Mitglieder der Gruppe aus Bund und Ländern schreiben: „Die Bemühungen um das Erscheinungsbild der FDP müssten noch mehr Sympathie, Modernität und Emotionalität vermitteln.“

Eine schwierige Aufgabe für Parteichef Westerwelle – dem aber Themen und Zielgruppen, mit denen die Liberalen an die Städter herangehen sollen, gleich mitgeliefert werden. Inhaltlich vertrauen die Liberalen vor allem auf „angestammtes Terrain“ mit Potenzial: Wirtschaft, Arbeit, Bürgerrechte und Steuern.

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