Studie
Flickenteppich Familienpolitik

Elternzeit, Elterngeld, Ehegattensplitting: Der deutschen Familienpolitik fehlt eine erkennbare Zielsetzung. Dabei haben Mütter und Väter in Deutschland klare Vorstellungen, welche Unterstützung sie sich von den Politikern erhoffen.
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BerlinDie Bundesregierung verfolgt keine konkreten familienpolitischen Ziele. Das denken 61 Prozent der deutschen Eltern. So das Ergebnis der Forsa-Sudie „Familie und Wahl“, die die Zeitschrift Eltern in Auftrag gegeben hat. Dafür befragte das Forsa-Institut 1.000 deutsche Mütter und Väter minderjähriger Kinder zur deutschen Familienpolitik vor der Bundestagswahl.

Doch nicht nur die Bundesregierung folgt keiner klaren familienpolitischen Linie: Rund die Hälfte der Eltern wissen auch nicht, für welche familienpolitischen Ziele die einzelnen Parteien jeweils stehen. Zwei Drittel führen das nicht auf das eigene Desinteresse, sondern klar auf die schwammigen Informationen der Politiker zurück. „Die Parteien regieren über die Köpfe der Eltern hinweg und haben kein schlüssiges Gesamtkonzept für die Familienpolitik entwickelt“, kommentiert der Forsa-Chef Manfred Güllner das Umfrage-Ergebnis.

Unzufriedenheit und Verwirrung sind bei den Eltern vor der Bundestagswahl entsprechend groß. Denn sie haben nicht das Gefühl in den öffentlichen Diskurs über Familienpolitik miteinbezogen zu werden, meint Eltern-Redakteurin Anke Willers: „Der Fleckerlteppich an unterschiedlichen Maßnahmen war gut gemeint im Sinne der Wahlfreiheit. Das kommt bei den Eltern aber nicht so an.“ Dabei haben deutsche Mütter und Vater recht klare Vorstellungen, wie sie sich eine familienfreundliche und nachwuchsfördernde Politik vorstellen:

 Das erstaunlichste Ergebnis der Studie ist wohl, dass 81 Prozent der Eltern das Ehegattensplitting befürworten. Es entlastet besonders die Familien steuerlich, in denen die Ehepartner sehr unterschiedlich verdienen. Obwohl im heraufziehenden Wahlkampf Politiker die Abschaffung des Ehegattensplittings bereits heiß diskutieren, wollen die befragten Eltern es also klar beibehalten. Eltern-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki erklärt: „Das Splitting steht für Flexibilität. Denn im Leben können Situationen entstehen, wo ein Elternteil plötzlich nicht mehr arbeiten kann.“ Wenn etwa das Einkommen der Frau plötzlich wegfällt, weil sie sich neben den Kindern noch um ein pflegebedürftiges Elternteil kümmern muss, kann das Splitting den finanziellen Verlust eines Ehepartners abdämpfen. „Familien möchten, dass die Politik honoriert, wenn Familien in solchen Fällen füreinander einstehen“, meint Lewicki.

Kommentare zu " Studie: Flickenteppich Familienpolitik "

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  • Tabu
    stimmt

  • Was waren das noch für Zeiten,als Menschen keine
    Familienoltik brauchten..
    Man fand sich,man band sich und machte ganz simpel
    Nachwuchs..einfach so.

  • Als Vater von vier (!) Kindern kann ich das bestätigen.
    Aber eben nicht, dass Deutschland deswegen ausstirbt. ;-)

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