Studie
Greenpeace kanzelt Stromriesen als Bremser ab

Stromriesen als Energiewende-Verweigerer? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den vier großen Stromversorgern in Deutschland vor, einen Umstieg auf erneuerbare Energien zu verhindern.
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Berlin"Die Energieriesen schieben einfach nur ihren Schwerpunkt derzeit hin und her, momentan zurück auf fossile Brennstoffe und danach vielleicht wieder auf Atom", sagte Greenpeace-Atomexperte Karsten Smid am Dienstag in Berlin.

Die Investitionen der Energiekonzerne EON, RWE, Vattenfall und ENBW im Bereich der erneuerbaren Energien lägen deutlich hinter den politisch gesteckten Zielen zurück. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, die die Organisation beim Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Auftrag gegeben hatte. Die Energiekonzerne planten laut der Studie, zwischen 13 und 20 Prozent ihrer Investitionen in den kommenden Jahre in erneuerbare Energien zu stecken. "Das reicht aber nicht für einen Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix von 35 Prozent, den die Regierung bis 2020 anpeilt", sagte der Hauptautor der IÖW-Studie, Bernd Hirschl.

Die Konzerne hätten zudem ihren Anteil an Strom aus Wind, Solar oder Erdmasse seit 2007 nicht maßgeblich gesteigert.

Die SPD fordert derweil stabile Rahmenbedingungen für die künftige Energieversorgung in Deutschland. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel verlangte am Montag eine Klarstellung, wie trotz eines Ausstieg aus der Atomkraft im Jahr 2020 die Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen sichergestellt werden könne. Die Schätzungen über die Kosten der Energiewende gehen unterdessen weiterhin deutlich auseinander.

Gabriel warnte in Berlin vor übereilten Beschlüssen bei der Energiepolitik. Es gehe um das "Herz-Kreislauf-System der Industriegesellschaft in Deutschland". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) operiere jedoch "gerade mit wechselnden Diagnosen am offenen Herzen".

Der SPD-Chef traf sich am Montag mit Vertretern aus Mittelstand und Handwerk, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden sowie der energieintensiven Wirtschaft. Weitere Gespräche etwa mit den Stadtwerken, den vier großen Energieversorgern und der Bundesnetzagentur seien geplant, sagte Gabriel. Am 20. Mai will die SPD eine Konferenz veranstalten, auf der die energiepolitischen Positionen der Partei noch einmal überprüft werden sollen. Diese sollen auch Gegenstand der Beratungen im Bundestag werden.

Der Präsident des Verbands der Chemischen Industrie, Utz Tilmann, der an den Gesprächen bei der SPD teilgenommen hatte, versicherte, dass auch die energieintensiven Branchen ein Interessen an sauberer und bezahlbarer Energie hätten. Hierfür brauche es einen breiten Energiekonsens. "Ohne gesellschaftlichen Konsens können wir keine Leitungen durchs Land legen, ohne gesellschaftlichen Konsens können wir auch keine neuen Kraftwerke bauen", betonte er.

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  • Ein Mörder sorgt sich um unseren Planeten
    Sektenchef: Interview aus dem Gefängnis Charles Manson, oberster Klimaschützer

    Von Jörg Häntzschel, New York
    Ein Mörder sorgt sich um unseren Planeten: Charles Manson sitzt lebenslänglich im Knast - und geht im Gespräch mit ''Vanity Fair'' seinem Bedürfnis zum Predigen und Schwadronieren nach.

    http://www.sueddeutsche.de/panorama/sektenchef-interview-aus-dem-gefaengnis-charles-manson-oberster-klimaschuetzer-1.1087342


    Der Beitrag ist nicht nur deshalb sehr Interessant weil er Mörder ,Irre und Klimaschützer die sich für Gott halten in Konsens bringt .

  • Also die Endlagerung ist ein offenes Thema ob die Kernkraftwerke sofort abgeschaltet werden oder erst in 50 Jahren. Dieses Problem muss man so oder so lösen. Das was noch an Müll dazukommt, führt nicht zu besonders hohen Zusatzkosten.
    Die Energiekosten werden ohne die Kernkraftwerke steigen. Dieser Tatsache wird man sich stellen müssen. Wer grünen Strom will, der muss ihn auch bezahlen wollen. Leider produziert Deutschland deutlich mehr Ökostrom als es Abnehmer gibt. Schlimmer noch, die meisten Einspeiser (private Häuslebauer) erhalten für den Ökostrom enorme Leistungen, jenseits der Börsenpreise, selber beziehen sie aber den günstigsten Strom. Da fragt man sich, wo die eigentlichen Interessen sind.
    Wer glaubt, dass die Strompreise durch Ökostrom stabil bleiben, oder gar sinken, der träumt noch. Es ist ein Dilemma. Ohne AKWs steigen zwangsläufig die Stromkosten (die kostengünstigste Stromproduktion fällt ja weg) zudem steigen die absoluten Subventionen für die Erneuerbaren Energien - die Folge ist eine höhere EEG-Umlage, die der Verbraucher dann auch zu tragen hat.

    Fakt ist, der Strom wird steigen und dann jammern alle wieder und schieben es auf die vier großen Energieversorger.

  • Wer glaubt, dass ausgerechnet eine Studie der Deutschen Industrie (und das sind die AKW Konzerne) frei von jeglichen Lobbyisten ist, der glaube weiter. Glauben ist keine Lösung! Solange die Endlagerung nicht geklärt ist und deren Kosten, die dann wohl die Steuerzahler tragen und nicht die AKW Konzerne (sonst hätten sie schon längst gefunden) ist das nur eine halbe Milchmädchenrechnung. Für wie blöde werden hier die Leute gehalten. Teurer wird der Strom so oder so!

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