Studie
Immer mehr Deutsche haben keine Krankenversicherung

Krank ohne Krankenkasse – so geht es inzwischen Hunderttausenden von Bürgern in Deutschland. Sie müssen zwangsläufig ihre Arztrechnung aus eigener Tasche bezahlen.

HB DÜSSELDORF. Zwar seien die registrierten 188 000 Nichtversicherten nur eine Minderheit, aber ihre Zahl steige kontinuierlich, heißt es in einer neuen Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung. Die gewerkschaftsnahe Stiftung hatte eine entsprechende Expertise bei den Gesundheitsökonomen an der Uni Essen/Duisburg in Auftrag gegeben. 1995 lag die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung bei etwa 105 000.

Überdurchschnittlich hoch sei dieser Anteil bei Selbständigen mit kleinen Einkommen, Geschiedenen und Ausländern. Die Nichtversicherten würden durch ihre „Vermeidungsstrategie“ Dritte gefährden, so die Forscher. Denn im Gegensatz zu Krankenversicherten zögerten sie den Arztbesuch hinaus, ließen sich seltener impfen, erkrankten häufiger und stürben früher.

Als Grund für die steigende Zahl der Nichtversicherten gaben die Gesundheitsökonomen an, dass „das System der Krankenversicherung nicht mit den Veränderungen in den Erwerbsbiografien Schritt hält“. Besonders für Selbständige seien die Hürden beim Eintritt in die gesetzliche Krankenkassen sehr hoch und bei den privaten Kassen mit risikobezogenen Prämien verbunden, heißt es in der Expertise.

Was genau ist die gesetzliche Krankenversicherung? Lesen Sie es im neuen Handelsblatt-Wirtschaftswiki nach - und wenn Ihnen die Erklärung nicht ausreicht, ergänzen und verbessern Sie sie:
»  Gesetzliche Krankenversicherung im Wirtschaftswiki.

Viel Menschen unterschätzen auch die Auswirkungen einer Kündigung. Sie nehmen das Risiko trotz der Warnhinweise der Krankenversicherer nicht ernst genug. Dabei bleibt vielen, die aus dem gesetzlichen oder privaten System fallen, die Rückkehr für immer verwehrt. Nur sehr selten lassen sie nach Erfahrung von Verbraucherschützern Gnade vor Recht ergehen. Alte und Kranke aber hätten kaum eine Chance, am Gesetz vorbei in eine Kasse zu schlüpfen. Und eine wirkliche Alternative haben sie nicht, denn die privaten Krankenversicherer lehnen solche Kunden seit jeher ab oder verlangen hohe Risikozuschläge.

Abhilfe könnte nur der Gesetzgeber schaffen. Entweder durch ein einheitliches Versicherungssystem mit einem umfassenden Finanzausgleich oder einer Erleichterung der Zugänge bei den gesetzlichen Krankenkassen für bestimmte Personengruppen sowie einem Verbot für die Privaten, Versicherungswillige ablehnen zu können.

Ausschluss: Es gibt viele Gründe, warum Bürger aus der Krankenversicherung fallen können. Wer etwa auf Grund zu hohen Restvermögens kein Arbeitslosengeld II bekommt, ist seit Hartz IV unversichert. Wer bei einem Aufnahmeantrag in die Privatversicherung Krankheiten verschweigt oder falsch angibt, ist schnell unversichert. Sind Verbraucher ihrer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung zwei Monatsbeiträge schuldig, geht es auch sehr schnell.

Rückkehr: Die spätere Rückkehr ist häufig schwierig. In die gesetzliche Kasse zurück kann nur derjenige, der sich einen neuen Job sucht: eine abhängige Beschäftigung mit einem Jahreseinkommen unterhalb der Grenze von 46 350 Euro, bis zu der Versicherungspflicht herrscht.

Altersrisiko: Menschen, die älter sind als 55 und in den vergangenen fünf Jahren nicht gesetzlich versichert waren, haben es besonders schwer. Wer nicht die Vorversicherungszeiten erfüllt, hat auch keine Chance, sich freiwillig in einer gesetzlichen Kasse abzusichern. Die größte Hürde für die Wiederaufnahme in die private Versicherung ist hingegen die Gesundheitsprüfung.

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