Studie in Auftrag gegeben
Regierung will Steuer auf „Alcopops“ erheben

Die Bundesregierung sieht in so genannten "Alcopops", also in alkoholischen Mixgetränken, eine immense Gefährdung für Jugendliche. Jetzt erwägt sie eine Zusatzsteuer auf die Modegetränke. Die Drogenbeauftragte der Regierung und Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD), sagte der „Berliner Zeitung“, denkbar sei eine Regelung wie in Frankreich, wo mit einer Sonderabgabe der Preis für so genannten Alcopops nahezu verdoppelt worden sei.

HB BERLIN. Eine Sprecherin von Caspers-Merk fügte an, man wolle zunächst eine Studie zu den Mixgetränken auf Basis von Wodka, Whiskey oder Rum abwarten, bevor man zu gesetzlichen Regelungen komme. Diese werde Ende Dezember vorliegen. Das Bundesfinanzministerium erhob keine prinzipiellen Einwände gegen die Sonderabgabe. Bei der deutschen Spirituosen-Industrie traf sie allerdings auf scharfen Protest.

„Alcopops richten großen Schaden an, und sind eine Einstiegsdroge“, sagte Caspers-Merk. In ihnen werde der scharfe Alkoholgeschmack durch Süßungsmittel überdeckt. So würden auch Jugendliche zum Trinken animiert, die normalerweise keinen Alkohol mögen. Einer Studie des Bielefelder Jugendforschers Klaus Hurrelmann zufolge trinken inzwischen 3,6 % aller 11-jährigen Jungen regelmäßig Alcopops, bei den 13-Jährigen sind es 8,2 %, bei den 15-Jährigen 22,1 %. Laut der Studie ist das Aufkommen der Alcopops einer der wesentlichen Gründe für den Anstieg des Alkoholkonsums in dieser Altersgruppe.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, eine Sonderabgabe sei sicher ein Steuerungsinstrument für den Alkoholkonsum. Caspers-Merk verwies darauf, dass es in Frankreich schon 1997 eine Zusatzsteuer auf Alcopops eingeführt worden sei, die den Verkaufspreis einer Flasche im Schnitt verdoppelt habe. Der Markt für solche Getränke sei danach praktisch zusammengebrochen. „Ich halte den Weg Frankreichs für Erfolg versprechend und gangbar, weil er EU-konform ist“, fügte sie hinzu. Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie kritisierte die Überlegungen im Bundesgesundheitsministerium scharf. Alcopops seien legal hergestellte Lebensmittel, daher sei eine Zusatzabgabe nicht zielführend. Verbands-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick sagte, große Hersteller von Mixgetränken hätten bereits damit begonnen, Hinweise auf die Flaschen zu drucken, dass ein Verkauf an Jugendliche unter 18 Jahren verboten sei. Auch die Spirituosenindustrie wolle nicht, dass die Getränke von Jugendlichen konsumiert würden. Eine Strafsteuer sei aber der falsche Weg.

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