Studie
Kostendruck: Mediziner verweigern Behandlung

Ärzte verweigern einer aktuellen Studie zufolge ihren Patienten immer häufiger aus Kostengründen wichtige Behandlungen. Die Regierung will davon allerdings nichts wissen.

HB BERLIN. Mehr als drei Viertel von 1137 befragten Klinikärzten (77 Prozent) hätten angegeben, mindestens einmal aus finanziellen Gründen eine für den Patienten nützliche Behandlung nicht vorgenommen oder durch eine preiswertere, weniger effektive Leistung ersetzt zu haben, berichtete die Universität Tübingen am Freitag.

13 Prozent der Befragten berichteten, dass sie ihren Patienten mehr als einmal pro Woche nützliche Leistungen aus finanziellen Gründen vorenthalten müssten. Dies beeinträchtige die Arbeitszufriedenheit wie auch das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt. Befragt wurden Krankenhausärzte aus der Intensivmedizin und der Kardiologie.

Eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums zog den Studienansatz in Zweifel. Entscheidend seien medizinisch notwendige Behandlungen. Diese müssten natürlich erbracht werden. Die Regierung habe die Mittel für die ambulante wie auch die stationäre Versorgung in diesem Jahr deutlich erhöht, wodurch genügend Geld zur Verfügung stehe.

Die Studie der Tübinger Medizinethiker fällt mitten in die politische Debatte über die Verknappung von Leistungen. Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe hatte unlängst kritisiert, Rationierung und Unterfinanzierung seien im deutschen Gesundheitswesen längst Realität. Als Konsequenz daraus hatte er eine Prioritätenliste für notwendige medizinische Leistungen gefordert. Damit war er bei der Politik auf scharfe Kritik gestoßen.

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