Studie kritisiert fehlende Transparenz
Gesundheitsdschungel verwirrt Patienten

Die Bundesbürger finden sich im Dschungel des deutschen Gesundheitssystems nicht zurecht. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. „Die Patienten wissen nicht, bei welchem Arzt sie im Krankheitsfall die beste Behandlung bekommen und werden bei der Informationssuche alleine gelassen,“ fasste der Projektleiter der Stiftung, Jan Böcken, die Ergebnisse zusammen.

pt BERLIN. Dabei seien ihnen Informationen über das für ihre Erkrankung geeignete Leistungsangebot wichtiger als der Beitragssatz.

Eine Mehrheit der im Bertelsmann-Gesundheitsmonitor befragten gesetzlich Krankenversicherten wünscht sich Patientenquittungen, einen regelmäßigen Ärzte- Tüv und eine Information der Krankenkassen über die Leistungen von Ärzten und Krankenkassen.

Die Präsidentin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen Edda Müller bestätigte den Befund der Bertelsmann-Stiftung. Mit Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) war sie sich zwar darin einig, dass die Politik mit der im Januar in Kraft getretenen Gesundheitsreform schon Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Ein großer Teil dieser Reform müsse aber nun erst umgesetzt werden, sagte Müller. Hier sei eine Erfolgskontrolle nötig. Grundsätzlich reichten die gesetzlichen Möglichkeiten aus, um die Mängel abzustellen, sagte auch der Vorstandschef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) Ingo Kalluweit dem Handelsblatt.

So haben nach dem Gesundheitsreformgesetz die Versicherten bereits seit Januar das Recht, vom Arzt eine Quittung über die erbrachten Leistungen zu verlangten. „Das tut allerdings kaum einer“, sagte Kalluweit. Die KKH hat sich daher bislang als einzige Kasse bereits 2003 entschlossen, gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen 6 000 Versicherte über drei Quartale hinweg von sich aus über die Arztrechnungen zu informieren. Obwohl die Ärzte vorgewarnt waren, wurden bei 41 Rechnungen Fehler festgestellt, die nun überprüft werden. Gegen einen Internisten, der bei einem Kopfschmerzpatienten eine Magenspiegelung abrechnete, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Auch der geforderte „Ärzte-Tüv“ steht seit Januar im Gesetz. Ärzte, die nicht regelmäßig an industrieunabhängigen Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen, können nun ihre Zulassung verlieren. Außerdem betreiben die Kassenärztlichen Vereinigungen eigene Qualitätssicherung.

An den neuen Hausarztprogrammen und den Spezialprogrammen für chronische Kranke dürfen nur Ärzte teilnehmen, die erhöhte Qualitätsanforderungen erfüllen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie die besten Therapieangebote für eine Krankheit zusammenführen sollen, so dass dem Patienten die mühsame Suche nach dem richtigen Arzt erspart bleibt. Eine Verbesserung der Qualität und Transparenz versprechen sich die Kassen auch von den neuen Versorgungsmodellen „integrierte Versorgung“ und „Gesundheitszentren“. Hier sei man jedoch ganz am Anfang, sagte Kalluweit.

Bei den Chronikerprogrammen sieht er die Gefahr, dass sie die Qualität nicht verbessern würden. „Die Kassen erhalten um so mehr Geld aus dem Finanzausgleich, je mehr Versicherte sich in die Programme einschreiben. Da ist der Anreiz gering, für eine gute Qualität zu sorgen.“ Große Hoffnungen werden auch in das neue Institut für Qualität gesetzt, das therapeutische Leitlinien entwickeln und den Nutzen neuer Medikamente untersuchen soll. Es steht auch Patienten als Ansprechpartner zur Verfügung.

Quelle: Handelsblatt

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