Deutschland
Studie: Lernbedingungen an Schulen klaffen immer weiter auseinander

Die Lernbedingungen für Schüler wie auch ihre Chancen auf einen qualifizierten Schulabschluss klaffen zwischen den einzelnen Bundesländern immer weiter auseinander.

HB BERLIN. Dies ist das Fazit einer jetzt veröffentlichten Studie der Bildungsforscher Klaus Klemm und Rainer Bock (Essen) im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Untersuchung soll mögliche Erklärungen für die neuen Bundesländer-PISA-Ergebnisse bieten, die an diesem Donnerstag in Berlin veröffentlicht werden.

Gute Lernvoraussetzungen wie auch Chancen auf einen qualifizierten Arbeitsplatz nach Schule und Studium sehen die Autoren besonders in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und zum Teil in Rheinland-Pfalz. Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Saarland erreichen dagegen eher durchschnittliche Werte. Analysiert wurden Kindergartenangebote, Klassengrößen, Stundenzahl, Alter der Pädagogen - aber auch Zahl und nationale Zusammensetzung der Migrantenkinder, Jugendarbeitslosigkeit und die jeweilige Wirtschaftskraft des Landes.

Während in Bremen und Hamburg rund 40 Prozent aller 15-jährigen Schüler einen Vater oder eine Mutter ausländischer Herkunft haben, sind dies in Thüringen nur 2,9. Im Mittelfeld liegen Länder wie Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen - mit Werten zwischen 25 und 33 Prozent. In Bayern liegt der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei 22,4 Prozent.

Die Jugendarbeitslosigkeit reicht in der Bundesrepublik von 5,6 Prozent in Baden-Württemberg über 9,6 in Schleswig-Holstein bis hin zu 14,2 in Brandenburg und 15,4 in Berlin. Klemm: „Dies bleibt für die Lernmotivation gerade schwächerer Schüler nicht folgenlos.“

Die unterschiedliche Wirtschaftskraft der Länder führt auf Dauer auch zu auseinander klaffenden Zukunftsinvestitionen in die Bildung. Im Bundesschnitt geben die Länder 4600 Euro pro Jahr für einen Schüler aus. Deutlich teurer ist die Schule in Hamburg und Berlin (30 beziehungsweise 13 Prozent plus). Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kommen hingegen nur auf 85 beziehungsweise 87 Prozent des Bundesschnitts. Die bisherigen PISA-Siegerländer Bayern und Baden- Württemberg liegen mit ihren Ausgaben etwas darüber.

Unterschiedlich groß ist auch die Zahl der Unterrichtsstunden, die den Schülern in den Bundesländern geboten wird. Bis zum Ende der 9. Klasse (PISA-Testtermin) bekommt ein Schüler in Schleswig-Holstein etwa 9900 Unterrichtsstunden, in Bayern knapp 11 400 und in Berlin sogar fast 12 900. Zwischen „Schlusslichtern“ und „Spitzenreitern“ tut sich bundesweit eine Lücke auf, die dem Unterricht eines ganzen Schuljahres entspricht.

Auch das Durchschnittsalter der Lehrer differiert stark von Land zu Land: Mit 21 Prozent sind in Rheinland-Pfalz mehr als ein Fünftel der Pädagogen jünger als 35 Jahre, in Berlin gilt dies nur für 5 Prozent.

Fazit der Studie: Von der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland, wie sie im Grundgesetz garantiert wird, entfernen sich die Bundesländer immer mehr. Es gebe nicht nur ein Ost-West- Gefälle, sondern „zunehmend auch eine Nord-Süd- Dimension“.

dpa th yydd ol

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